Nizza-Terror und Putschversuch in der Türkei

tz-Kommentar: Ein Weckruf an alle Demokraten

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Politik-Redakteur Klaus Rimpel.

München - Erst der Massenmord in Nizza, dann der Putschversuch in der Türkei. Wie im Brennglas haben die dramatischen Ereignisse der letzten Tage dieses Grundgefühl gebündelt: Unsere Welt gerät aus den Fugen. Ein Kommentar von Politik-Redakteur Klaus Rimpel.

Wie weit weg scheint plötzlich die glückliche Zeit, wo wir uns über ein Bobby-Car-Geschenk an Bundespräsident Wulff ereiferten… Ultrareligiöse contra Säkulare, Nationalisten contra liberale Weltbürger: Ob in den USA oder Israel, ob in Polen oder Österreich, in AfD-Pegida-Ansätzen auch in Deutschland, überall sind die Gesellschaften zerrissen zwischen Lagern, die sich unversöhnlich gegenüberstehen, die nicht mehr miteinander reden können, die sich hassen. Wenn dann noch Politiker kommen wie Erdogan, die diesen Hass bewusst schüren, die ihre Gegner in der Sprache der Unmenschen mit „Viren und Metastasen“ vergleichen, dann droht aus dieser Spaltung ein Bürgerkrieg zu werden.

Die Türkei bräuchte jetzt einen Präsidenten, der die Lager versöhnt. Doch mit seiner Säuberungsaktion treibt er die Anhänger der säkularen Türkei Atatürks, aber auch Christen, Aleviten und Kurden entweder in den gewalttätigen Widerstand oder in die Flucht.

Das Einzige, was wir diesem weltweiten Gift-Gebräu aus dumpfen Nationalismus, Hetz-Politikern und religiösen Fanatikern entgegensetzen können, ist unsere Freiheit, unser Rechtsstaat. Wenn es etwas Gutes an dieser düsteren Weltlage gibt, dann das: Wir müde gewordenen Demokraten werden wachgerüttelt! Demokratie ist kein gottgegebener Dauer­zustand, sondern harte Arbeit, manchmal sogar Kampf.

Die Entwicklungen in der Türkei im Live-Ticker

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