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Kommentar zur Kohl-Beerdigung: Zwiespältige Erinnerung

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Von: Klaus Rimpel

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Kritisiert die Kluft zwischen der Witwe und den Kindern von Helmut Kohl: tz-Politik-Ressortleiter Klaus Rimpel.
Kritisiert die Kluft zwischen der Witwe und den Kindern von Helmut Kohl: tz-Politik-Ressortleiter Klaus Rimpel. © Westermann

Als Kanzler der Einheit hat Helmut Kohl Maßstäbe gesetzt. Im Privatleben gelang dem langjährigen Staatschef dagegen nicht alles - was sich auch auf die Trauerzeremonie auswirkt.

München - Die Kritik daran, dass Helmut Kohl keine rein deutsche Ehrung bekommen habe, ist unverständlich. Dieser bewegende europäische Staatsakt war ja auch ein deutscher Staatsakt - und doch mehr. Diese Feier war ein Symbol dafür, dass ein großer deutscher Kanzler auch ein großer Europäer sein muss. Ein wichtiges Signal gerade in Zeiten, da immer mehr die Rückkehr zum Nationalismus als Heilsweg ansehen.

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So gelungen die politische Dimension dieses Trauerakts war, so bitter ist der Nachgeschmack auf der privaten Ebene: Die Kluft zwischen der Stiefmutter und den fast gleichaltrigen Söhnen Kohls war zu tief, um wenigstens einen gemeinsamen Abschied am Grab zu ermöglichen. Es ist auch ein Versagen Helmut Kohls, dass es ihm zu Lebzeiten nicht mehr gelungen ist, dieses öffentlich ausgetragene Familien­drama zu verhindern.

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Der historische Kanzler der Einheit und der CDU-Chef der Schwarzen Kassen; der Politiker, der sogar mit seiner Trauer­feier noch Geschichte schreibt - und der bis zuletzt als unversöhnlicher Vater Gescheiterte: Die Erinnerung an den Alt-Kanzler wird zwiespältig bleiben.

Klaus Rimpel

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