Noch ein neuer Bewerber für Reiters Büro

OB-Wahl in München: So viele Kandidaten wie nie zuvor

Der Zettel für die OB-Wahl in München wird langsam unübersichtlich. Stand jetzt werden 14 Kandidaten am 15. März 2020 antreten. Bereits die zwölf Bewerber von 2014 bedeuteten eine Rekordzahl.

  • Im März 2020 finden in Bayern Kommunalwahlen statt. München wählt einen neuen Oberbürgermeister.
  • Aktuell gibt es 14 Kandidaten um die mächtigste politische Position in der Stadt.
  • Vieles deutet auf eine Stichwahl hin.

München - Das Kandidatenkarussell für die Kommunalwahl im kommenden Jahr dreht sich derart schwunghaft, dass es mittlerweile schwer fällt, den Überblick zu behalten. Neben den etablierten Parteien gibt es eine Vielzahl von Splittergruppen, die mit einer eigenen Liste und einem eigenen Bewerber antreten. Zehn standen schon bis Ende November fest: Amtsinhaber Dieter Reiter (SPD), Kristina Frank (CSU), Katrin Habenschaden (Grüne), Jörg Hoffmann (FDP), Tobias Ruff (ÖDP), Richard Progl (Bayernpartei), Hans-Peter Mehling (Freie Wähler), Thomas Lechner (Linke), Wolfgang Wiehle (AfD) und Stephanie Dilba (mut).

In dieser Woche hinzugekommen sind Ender Beyhan-Bilgin (FAIR – Freie Allianz für Innovation und Rechtsstaatlichkeit), Moritz Weixler von der satirischen Gruppierung „Die Partei“ und Beate Lippmann (Piraten/Demokratie in Bewegung). Am Donnerstagabend hat schließlich noch die München-Liste ihre Stadtratsliste bekannt gegeben und Dirk Höpner zum OB-Kandidaten gekürt. Die ausländerfeindliche BIA, für die 2014 Karl Richter antrat, hat sich bislang noch nicht erklärt. Sie brächte den 15. Bewerber ins Spiel.

OB-Wahl München 2020: Bis zum 23. Januar können noch Wahlvorschläge eingereicht werden

Wahlvorschläge können noch bis Donnerstag, 23. Januar, 18 Uhr, beim Kreisverwaltungsreferat (KVR) eingereicht werden. Danach veröffentlicht das KVR die einzelnen Listen. Wahlvorschläge von neuen Parteien oder Wählergruppen wie der München-Liste benötigen die zusätzliche Unterstützung von Wahlberechtigten. Hierfür sind jeweils 1000 Unterschriften für eine Stadtratsliste beziehungsweise für eine OB-Kandidatur notwendig.

OB Dieter Reiter kämpft um seine Wiederwahl.

In Anbetracht der zahlreichen Kandidaten ist kaum davon auszugehen, dass sich ein Bewerber schon im ersten Wahlgang durchsetzen wird. Gemeinhin wird ein Dreikampf im Rennen um den OB-Sessel zwischen Reiter, Frank und Habenschaden erwartet. Bei der OB-Wahl 2014 vereinten die Kandidaten von SPD, CSU und Grünen 92 Prozent der Stimmen, die restlichen neun Bewerber kamen addiert auf schlappe acht Prozent. Selbst die prominenteren unter den kleinen Parteien wie FDP, Freie Wähler, Linke oder AfD landeten nur zwischen 1,1 und 1,4 Prozent. Große Veränderungen an diesem Abstimmungsverhalten sind eher unwahrscheinlich. Reiter errang 2014 im ersten Wahlgang 40,4 Prozent, der damalige CSU-Bewerber Josef Schmid 36,7 Prozent und Sabine Nallinger von den Grünen 14,7 Prozent. Diesmal wird den Grünen mit ihrer Kandidatin Katrin Habenschaden zugetraut, die Stichwahl erreichen zu können.

Grüne bei der Europawahl in München stärkste Kraft

Der Münchner Stadtrat dürfte sich indes weiter zersplittern, was die Frage aufwirft, welche Mehrheiten überhaupt möglich sein werden. 13 Parteien oder Wählergruppen gelang schon 2014 der Einzug. Damals allerdings kam die CSU noch auf 32,5 Prozent, die SPD auf 30,8 Prozent. Diese Parteien regieren zusammen. Die Grünen lagen bei 16,6 Prozent. Seither hat sich die politische Stimmungslage aber erheblich verändert. Bei der Landtagswahl 2018 und der Europawahl im Mai wurden die Grünen mit 31 Prozent jeweils stärkste Kraft in München – klar vor der CSU.

Die SPD befindet sich bundes- und landespolitisch im Sinkflug. Die Frage wird sein: Können die Sozialdemokraten zumindest auf kommunaler Ebene in München den Negativtrend bremsen? Erholt sich die FDP, die 2014 auf 3,4 Prozent abstürzte, von ihrem Tief? Und was kann die aus zahlreichen Bürgerinitiativen hervorgegangene München-Liste an Stimmen gewinnen? Oder auch mut, die Gruppierung der ehemaligen Grünen-Landtagsabgeordneten Claudia Stamm. Für Spannung ist gesorgt.

Klaus Vick und Sascha Karowski

„Dieter Reiter darf sich nicht zu sicher sein“, meint Klaus Vick in seinem Kommentar zur OB-Wahl 2020 in München. Darum könnte es für Reiter eng werden.

Rubriklistenbild: © dpa / Sven Hoppe

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