Die CSU zwischen „retro“ und Anglizismen

Kommunalwahl 2020 in München: CSU-Spitze steht nach Kritik hinter OB-Kandidatin Kristina Frank

Ministerpräsident Markus Söder lobt Jungpolitikerin Kristina Frank als eine der „begabtesten Nachwuchshoffnungen der CSU“. Bringt das Pep in den Wahlkampf der Münchner CSU?

  • Gegen die Wahlkampf-Kampagne der Münchner CSU hat es parteiintern Kritik gegeben. Jetzt sucht die Parteispitze den Schulterschluss mit OB-Kandidatin Kristina Frank.
  • Ministerpräsident Markus Söder lobt die Jungpolitikerin als eine der „begabtesten Nachwuchshoffnungen der CSU“.
  • Kristina Frank.
  • Einem „retro“-Wahlkampfmotto stellen die CSU-Politiker nun „moderne“ Anglizismen beiseite.  

München - München ist ein schwieriges Pflaster für die CSU. Daraus hat Ministerpräsident Söder nie einen Hehl gemacht. Und er beschönigt auch am Mittwoch nichts. Von einer „großen Herausforderung“ spricht der Parteichef bei einer recht eilfertig einberufenen Pressekonferenz in der CSU-Landeszentrale. In den Großstädten sei heutzutage alles offen, die Zeit der großen Mehrheiten vorbei. Was aber nichts daran ändert, wie Generalsekretär Markus Blume betont: „München ist für uns besonders wichtig.“ Von dort gehe Signalwirkung aus. So viel also sei gesagt: „Wir setzen in München auf Sieg, nicht auf Platz.“

Blume sitzt zu Söders Rechten, links hat Kristina Frank Platz genommen, die OB-Kandidatin der CSU. Die Kampagne zur Kommunalwahl 2020* „Wieder München werden“ hat zuletzt in der Parteizentrale Stirnrunzeln hervorgerufen. Zu „retro“ sei der Spruch – und nicht gerade großstädtisch-modern. Und überhaupt müsse das Profil Franks stärker herausgestellt werden. Was auf den am Mittwoch neu präsentierten Plakaten dann auch passiert. Kristina Frank ist dort in Übergröße zu sehen – und daneben der Schriftzug: „Die Oberbürgermeisterin aus München*.“

Kommunalwahl 2020 in München: CSU-Spitze steht nach Kritik hinter OB-Kandidatin Kristina Frank

Söder lobt die 38-Jährige als modern und innovativ und adelt sie demonstrativ als „exzellente Kandidatin“. Eine Frau, der er noch eine große Karriere zutraut: „Vielleicht jetzt als Oberbürgermeisterin*, das entscheiden die Wählerinnen und Wähler, aber wer weiß, wo sonst noch.“ Eines aber steht für Söder außer Frage: „Ohne eine Regierungsbeteiligung der CSU fällt München zurück in alte Muster.“ Bei der Frage, was denn an der Kampagne „Wieder München werden“ so modern und innovativ sei, zeigt sich der Ministerpräsident eher kurz angebunden. „Alles“, erklärt er mit einem Augenzwinkern. Und konkret? „Die Kandidatin zum Beispiel.“ Bezirkschef Ludwig Spaenle will keine Kritik an dem Slogan aufkommen lassen. „Wieder München werden“ bedeute ja auch, die Menschen miteinzubinden und sei daher in der Diktion nach vorne gerichtet.

Söder bezeichnet unterdessen München als „mega-attraktiv“ und als das Leistungsherz Bayerns. „Wir haben Interesse daran, dass es mit voller Kraft schlägt.“ Insofern werde der Freistaat die Stadt bei zukunftsgewandten Verkehrsprojekten unterstützen. Unerlässlich ist für den Ministerpräsidenten ferner eine weitergehende Reform der MVV-Tarife. Söder sagt auch hier die Unterstützung des Freistaates zu. Was das Wohnen betrifft, bedürfe es deutlich attraktiverer Konzepte. „Nicht nur höher, sondern auch ästhetischer bauen“, erklärt Söder.

Kommunalwahl 2020 in München: OB-Kandidatin Kristina Frank soll die CSU stark machen

Frank sagt, sie teile die Visionen des Ministerpräsidenten für die Zukunft Münchens. „Wir sind uns in vielem einig.“ Sie habe Lust, „anzupacken und die Ärmel hochzukrempeln“. Die Stadt benötige eine digitale Offensive, etwa bei der Steuerung des Verkehrs. SPD und Grünen hält Frank in der Verkehrspolitik eine einseitige Bevorzugung des Fahrrads vor. „Ich fahre selbst viel mit dem Rad, aber es ist nicht das Allheilmittel. Wir brauchen Mobilität für alle.“ Beim Wohnungsbau gelte es, die Bevölkerung mitzunehmen. Angesichts der begrenzten Fläche Münchens kann Frank sich vorstellen, innerhalb des Mittleren Rings bei Nachverdichtungsmaßnahmen oder Neubauten zwei Stockwerke draufzusatteln. Das sei stadtverträglich und schaffe 100.000 neue Wohnungen. Auch eine Überbauung der innerstädtischen A96 sei denkbar.

Einig sind sich alle CSU-Politiker, dass die geplante Bezirksreform für München viel Gutes bewirken würde: zum Beispiel mehr Geld und eine Beschleunigung der Verwaltungsprozesse. Auf die Frage, wie sie denn Amtsinhaber Dieter Reiter (SPD) beikommen wolle, der im Wahlkampf gelassen in der Manier eines Platzhirsches auftrete, erklärt Frank: „Im besten Falle kann man das als lässig bezeichnen, im schlechtesten Fall leidenschaftslos.“

Kommunalwahl 2020 in München: CSU-Spitze steht nach Kritik hinter OB-Kandidatin Kristina Frank

Womit man bei einem weiteren Thema wäre. München soll nach Meinung des Ministerpräsidenten nämlich auch „die coolste Stadt“ werden. Ist sie aber nach Meinung Franks ohnehin schon. Immerhin gibt es in München ja die Eisbach-Surfer. Und es sei cool, „als junge Frau sicher nach Hause zu kommen“. Ein Thema, zu dem im Übrigen auch Münchens CSU-Vize und Justizminister Georg Eisenreich etwas beizusteuern vermag: „Der Feind der Coolness ist die Etabliertheit“, lässt Eisenreich wissen. Im Grunde ein Satz von fast philosophischer Dimension. Denn wer, wenn nicht die CSU, ist eigentlich das etablierteste Element in Bayern? Aber so hat es Eisenreich vermutlich nicht gemeint.

Was sonst noch zu sagen wäre? „Wir brauchen einen Boost für München“, beteuern Frank und Blume unisone. Dieser Anglizismus lässt sich wohl am besten mit Aufbruchstimmung übersetzen. Aber auch das ist nur eine Vermutung.

Zuvor musste sich die Junge Union für ein Wahlplakat einem Shitstorm gefallen lassen. Das KVR griff CSU-OB-Kandidatin Kristina Frank wegen eines Wahlplakats an. Auch der bayerische Wahlkampf nimmt Fahrt auf, momentan vor allem auf Twitter und Facebook. Die CSU teilt nun gegen die SPD aus.

Nicht nur die CSU will die Herrschaft im Münchner Rathaus erreichen. Auch die Grünen setzen auf Mut zum Machtwechsel

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