Nicht jede Reaktion stößt auf Begeisterung

Breitensport, Ehrenamtliche, Infrastrukturmaßnahmen: IG Sport fühlt OB-Kandidaten auf den Zahn

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Spielen der Stadt den Ball zu: Pia Kraske und Michael Franke vom Netzwerk IG Sport.

Sport spielt in der Lebenswelt vieler Menschen eine große Rolle. Fast 600.000 Münchner sind in Vereinen organisiert. Doch oft mangelt es an der Unterstützung für Infrastrukturprojekte oder der Wertschätzung für Ehrenamtliche. Die IG Sport hat den OB-Kandidaten auf den Zahn gefühlt.

  • 600.000 Münchner sind in Sportvereinen organisiert.
  • Viele dieser Vereine stehen bei größeren Projekten vor finanziellen Problemen.
  • Die IG Sport forderte von den OB-Kandidaten Antworten auf wichtige Fragen rund um das Vereinsleben.

München - Ohne Sportvereine wäre es schlecht um den sozialen Zusammenhalt unserer Gesellschaft bestellt. Das bestreitet wohl kaum jemand. Was also kann die Politik bewirken, um die Situation der 700 Münchner Breitensportvereine zu verbessern? Diese zentrale Frage hat die Interessensgemeinschaft „Sport wichtig machen“ insgesamt zehn OB-Kandidaten gestellt.

Die IG Sport ist ein loses Netzwerk, dem rund 50 Vereine oder Organisationen angehören. Sprecher sind Pia Kraske, Geschäftsführerin des ESV München - mit rund 8000 Mitgliedern der größte Breitensportverein der Stadt - sowie Michael Franke, Vorsitzender der FT Gern, eines eher kleineren Vereins.

Sportvereine stoßen bei Infrastukturprojekten an finanzielle Grenzen

Vor allem teure Infrastrukturmaßnahmen bringen Vereine - speziell jene ohne eigenen Grundbesitz - an die Grenze ihrer finanziellen Möglichkeiten. Der Bau eines Kunstrasenplatzes kostet zum Beispiel laut Franke zwischen 600.000 und 800.000 Euro. Die Hälfte wird von Stadt und Freistaat bezuschusst. Bleiben aber immer noch 300.000 bis 400.000 Euro übrig. Ohne Sicherheit sei es hier schwer, bei der Bank einen Kredit zu bekommen, sagt Kraske.

Die Stadt sollte daher in solchen Fällen prinzipiell als Bürge auftreten, wünscht sich die IG Sport. Dem Großteil der OB-Kandidaten geht das allerdings zu weit. Bürgschaften müssten eine Einzelfallentscheidung bleiben, heißt es. Nur Tobias Ruff von der ÖDP sieht darin eine „Notwendigkeit“.

So sieht es abseits der großen Stadien und Hallen aus: Auf Plätzen wie dem des ESV München kicken die Amateure. Fast 600.000 Münchner sind in Sportvereinen organisiert, und deren Geld ist chronisch knapp.

Kommunalwahl in Bayern: Antwort von OB Reiter gefällt IG Sport nicht

OB Dieter Reiter (SPD) spricht indes in seiner Antwort davon, dass das städtische Fördersystem funktioniere. „Nur sehr wenige, kleinere Vereine stoßen hier an ihre Grenzen.“ Das sieht Franke anders. Dem OB fehle in diesem Punkt die Wahrnehmung für die Probleme, kritisiert er. An anderer Stelle gibt es Lob für die Stadt, weil demnächst in der Verwaltung die Position eines Vereinskoordinators angesiedelt werden soll. Franke begrüßt dies und hofft auf eine schnelle Umsetzung: „Die Vereine brauchen Stellen, an die sie sich wenden können.“ Kraske bemängelt, dass Baugenehmigungen viel zu lange dauerten.

Sorgen bereitet vielen Vereinsvertretern das rückläufige ehrenamtliche Engagement. Um mehr Freiwillige zu motivieren, hat München im Dezember 2019 die Bayerische Ehrenamtskarte eingeführt. Diese erhalten Münchner, die sich mindestens 250 Stunden im Jahr unentgeltlich für das Gemeinwohl einsetzen. Sie ermöglicht Vergünstigungen oder freien Eintritt in kommunalen, staatlichen und privatwirtschaftlichen Einrichtungen.

Kommunalwahl in Bayern: IG Sport wünscht sich kostenlosen Nahverkehr für Ehrenamtliche

Die IG Sport wünscht sich darüber hinaus, dass für die Ehrenamtlichen die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs umsonst sein sollte. FDP-Spitzenkandidat Jörg Hoffmann zum Beispiel hält dies für „wünschenswert, aber sehr teuer“. Er plädiert daher für „die freie Nutzung auf dem Weg zum/vom Training“.

Franke rechnet in diesem Zusammenhang vor, dass die Arbeit der in Sportvereinen tätigen Ehrenamtlichen einem Gegenwert von rund 380 Millionen Euro pro Jahr entspreche, wenn man nur den gesetzlichen Mindestlohn ansetzt. Die städtische Förderung betrage 80 Millionen Euro. Das sei schon eine leichte Schieflage.

Pia Kraske ist eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen Schulen und Vereinen wichtig. Hier passiere noch viel zu wenig. Es seien mehr Kooperationsprojekte an den Nachmittagen notwendig. Viele Vereine seien bereit, Übungsleiter zur Verfügung zu stellen. Doch der Stadt fehle es an der Flexibilität. Kraske: „Den Vereinen muss eine bessere Möglichkeit gegeben werden, sich aktiv in der Schule einzubringen. Sonst wird der Sport hinten runterfallen.“

Ein neues Bad für die wachsende Stadt wünscht sich die CSU.

Der Wahlkampfauftakt der AfD sorgt für eine Massen-Demo in Moosberg. Die SPD muss derweil um ihre Bastion München bangen. Auch der Brexit hat Auswirkungen auf die Kommunalwahl.

Klaus Vick

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