Neue Stadtratsliste

Mit dieser Truppe will die CSU das Rathaus erobern

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Josef Schmid (OB-Kandidat der CSU) und Ludwig Spaenle (CSU-Bezirkschef und Minister).

München - Kein Skandal, kein Ärger, kein Gegenkandidat: Die Münchner CSU hat die Reihen geschlossen und einmütig die Kandidaten für die Stadtratswahl im März aufgestellt.

Der Superminister gibt den Präsidenten. Auf Bairisch. „Ja, mia kennan!“, ruft Ludwig Spaenle, Verwalter des größten Etats aller bayerischen Staatsministerien, in den Saal. Nach zwei Wahlsiegen in Folge befindet sich das Selbstbewusstsein der CSU in etwa auf Höhe der Kronleuchter. Warum also nicht Barack Obama in den Mund nehmen?

So viel Selbstbewusstsein führt manchmal zu Kraftmeierei, zu Leichtsinn, zu Hahnenkämpfen. Doch der Bezirksverband der Münchner CSU hat aus der Vergangenheit gelernt, präsentiert sich geschlossen, ordnet alles einem Ziel unter: Josef Schmid im März zum Münchner Oberbürgermeister zu küren.

Vor der Kommunalwahl müssen die Parteien ihre Kandidaten für die Stadtratsliste aufstellen. Die SPD macht das im November. Die CSU erledigte es am Samstag. Und zwar sehr geschmeidig. Die Abstimmung war exzellent vorbereitet. Der formale Ablauf sieht vor, dass sich die jeweiligen Chefs der neun Münchner Kreisverbände im Vorfeld mit Bezirkschef Spaenle zusammensetzen und die Liste auskarteln. Anschließend wird sie der Basis vorgelegt, die über jeden Platz einzeln abstimmen darf – und auch für jeden Platz einen Gegenkandidaten aufstellen könnte. Hat sie aber nicht. Keinen einzigen. Die Liste wurde von den Delegierten mit 140 Ja-Stimmen zu 10 Nein-Stimmen unverändert abgesegnet.

Selbstverständlich ist das nicht. Beim Kampf um die Listenplätze kann es ums politische Überleben gehen. Um die Eitelkeit sowieso. Dass am Samstag niemand auch nur leise aufmuckte, zeigt, wie elegant die Reihenfolge austariert ist. Verantwortlich dafür ist OB-Kandidat Schmid. Er selbst hat die Liste verfasst und den Kreischefs als „Empfehlung“ vorgelegt. Bis auf kleine Verschiebungen jenseits von Platz 40 seien die Chefs seinem Vorschlag gefolgt, berichtet Schmid am Samstag. Er und Spaenle haben den Laden offenbar im Griff.

Auf den ersten 30 Plätzen, die als aussichtsreich gelten, finden sich 11 neue Kandidaten und 19 amtierende Stadträte, 10 Frauen und 20 Männer. Erstmals steht mit Andreas Möhring ein Vertreter der LSU („Lesben und Schwule in der Union“) auf der Liste und mit Serdar Duran auch ein Kandidat mit Migrationshintergrund. Schmid und Spaenle sprechen stolz von einem Fortschritt, allerdings liegen die beiden Kandidaten mit den Plätzen 29 und 30 nicht gerade weit vorn. Viele der alten Schlachtrösser haben es da besser. Walter Zöller (73), Hans Podiuk (67) und Otto Seidl (68) stehen unter den Top 20, der 74-jährige Reinhold Babor auf Platz 27. Der neue Chef der Jungen Union, Stephan Pilsinger, versauert hingegen chancenlos auf Platz 69.

Nicht mehr antreten werden Georg Kronawitter (gesundheitliche Gründe), Vinzenz Zöttl (Altersgründe) und Tobias Weiß (berufliche Gründe). Mechthilde Wittmann und Robert Brannekämper haben den Sprung in den Landtag geschafft. Stadträtin Elisabeth Schmucker ist im September verstorben.

Auf Platz eins thront, wie könnte es anders sein, Josef Schmid, Spitzenkandidat und Architekt der Stadtratsliste. Er verzichtete auf ein Obama-Zitat, an Selbstbewusstsein mangelte es aber auch ihm nicht. Er lobte seine eigene Wahlkampf-Tour „Schmidsprechen“, freute sich über ein „großes Schmideinander“, bei dem viele „schmidgemacht“ hätten. Schmid selbst erhöht seinen Namen zum Synonym des Wahlkampfs – und die Partei spendet Applaus.

Von Thomas Schmidt

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