Nicht alles Gold, was glänzt

Premiere: Zwei OBs im Rathaus

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Christian Ude (l.) und Dieter Reiter am Dienstag im Rathaus.

München - Das hat es in der Geschichte der Stadt noch nicht gegeben: Zwei Oberbürgermeister leiten eine Sitzung im Rathaus.

Noch-OB Christian Ude (66) läutete als Vorsitzender den Wirtschaftsausschuss ein – und Bald-OB Dieter Reiter (55) saß als Noch-Wirtschaftsreferent daneben. Unter der Oberfläche aber brodelt es in deren SPD …

Wegen der Tagesordnung wäre der doppelte OB nicht nötig gewesen: Die Punkte waren wenig nervenaufreibend – Europa-Bericht und Jugendsonderprogramm des Beschäftigungs- und Qualifizierungsprogramms. Die Stadträte winkten alles durch. Und so wäre es fast auch die kürzeste Sitzung in der Geschichte der Stadt gewesen, wenn nicht die OBs noch das Wort ergriffen hätten: Ude, um die Besonderheit des Augenblicks herauszustellen – und Reiter, um für den „sachlichen Umgang“ zu danken. Einen Nachfolger als Wirtschaftsreferent und damit auch einen neuen Wiesn-Boss gibt es noch nicht, der muss genau wie die Bürgermeisterinnen in geheimer Wahl im Stadtrat bestimmt werden. Und dafür braucht der Bald-OB erst einmal eine Mehrheit …

Vorstand fordert schonungslose Analyse

Genau deswegen geht es in deren SPD nicht ganz so einträchtig zu. Minus neun Prozentpunkte, minus neun Sitze im Rathaus, rot-grüne Mehrheit futsch: Trotz der gewonnenen Stichwahl herrscht in der Partei Unruhe. Offene Kritik gab es in der Sitzung des Parteivorstands am Montagabend nicht. Aber Parteichef Hans-Ulrich Pfaffmann steht als Wahlkampf-Boss in der Verantwortung.

Der Vorstand lehnte eine Wahl-Bewertung nach einzelnen Themen wie Nichtwähler und Wahlkampf ab – und forderte eine schonungslose Gesamtanalyse in gleich drei Arbeitsgruppen. Das frühere Vorstandsmitglied Heiko Tammena hat in einem langen Aufsatz Vorarbeit geleistet. Der für die Genossen niederschmetternde Titel: „München wird bunter, nur die SPD wird grauer. Wie eine Partei den Anschluss an die moderne Stadt verpasst hat.“ Die Grünen lesen das sehr aufmerksam.

Dienstag sollten die ersten Gespräche mit der Öko-Partei starten. Für die SPD mit dabei: natürlich Reiter und Pfaffmann, Fraktionschef Alexander Reissl und auch Fraktionsvize Beatrix Zurek. Eine unfreiwillige Annäherung gab es schon: Für die Reise zur Fraktionsklausur ab morgen in Rom muss die SPD wegen des Piloten-Streiks aufs Flugzeug verzichten – und auf die Bahn umbuchen.

David Costanzo

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