Am Sonntag geht's um die Wurst

Ehepaar Schmid im tz-Interview: Unser Rezept

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Das Ehepaar Schmid beim Weißwurstfrühstück bei der tz.

München - CSU-Kandidat Josef Schmid (44) spricht im tz-Interview über sein Rezept für die OB-Stichwahl. Mit Gattin Natalie geht es um Autos und Radler, grüne CSU-Wähler und wie Schmid nun Dieter Reiter (55) einholen will.

tz-Chef Rudi Bögel serviert zum Weißwurst-Interview mit CSU-Kandidat Josef Schmid, seine Gattin Natalie und Rathaus-Reporter David Costanzo.

Weißwurstfrühstück, Teil 2 (zu Teil 1 mit Dieter Reiter): CSU-Kandidat Josef Schmid (44) spricht gegenüber der tz über sein Rezept für die OB-Stichwahl. Mit Gattin Natalie geht es um Autos und Radler, grüne CSU-Wähler und wie Schmid mit den 36,7 Prozent aus dem ersten Wahlgang SPD-Mann Dieter Reiter (55) mit 40,4 Prozent einholen will. In drei Tagen entscheiden die Münchner seit 30 Jahren wieder per Stichwahl über das neue Stadtoberhaupt. Es geht um die Wurscht!

Die Weißwürste sind sozusagen aus CSU-Produktion. Hätten Sie als Metzgersohn rausgeschmeckt, dass die von Ihrem Stadtrat Georg Schlagbauer sind?

Josef Schmid: Nein. Sonst hätte ich bei der Weißwurstprüfung gar nicht als Juror zugelassen werden dürfen, wenn ich das schmecke. Aber dass die sehr gut ist, das erkennt man. Sie lässt sich gut schälen, schaut guad aus, hat Biss. Man schmeckt ein bisserl Petersilie raus und Zitrone, aber nicht zu viel.

Gibt’s bei Ihnen auch eine Tradition rund um die Weißwurst?

Josef Schmid: Wir haben früher am Samstag, wenn die Metzgerei geschlossen hat, immer Weißwurst gegessen mit meinen Eltern. Und seit wir das Geschäft nicht mehr haben, gibt’s Weihnachten am Vormittag immer welche.

Politisch geht’s in drei Tagen um die Wurst. Sie gehen mit vier Punkten Rückstand in die Stichwahl. Wie wollen Sie das aufholen?

Josef Schmid: Es ist egal, wer wie viel vorne liegt. Die Stichwahl ist ein völlig neuer Wahlgang. Jetzt müssen die Leute erst mal wieder wählen gehen. Die Karten werden ganz neu gemischt. Wir sind stärkste Fraktion, Rot-Grün hat keine Mehrheit und ich das stärkste Einzelergebnis im Stadtrat, das macht mich sehr hoffnungsfroh.

Welche Wähler wollen Sie noch mobilisieren?

Josef Schmid: Wir sehen jetzt gewisse Dinge klarer. Wir wissen, dass Herr Reiter den Grünen die Verkehrspolitik überlassen hat. Wir kennen konkrete Maßnahmen – jetzt kommt die Spur in der Rosenheimer Straße doch weg. Da werden einige Bevölkerungsteile noch mal mobilisiert. Ich gehe jetzt auch Taxistände ab und spreche mit den Fahrern. Die springen aus dem Auto raus und freuen sich.

Hat sich so viel verändert?

Josef Schmid: Jetzt geht es um eine Weichenstellung. Jeder weiß: Wenn er Dieter Reiter wählt, kriegt er eine Koalition, wie wir sie mit allem Drum und Dran hatten. Ich habe gehört, dass Postengeschacher schon wieder ein Thema war. Beim Verkehr scheint es so weiterzugehen, dass für die sich noch mehr stauenden Autos keine Lösung angeboten wird. Deswegen sage ich: Wenn Rot-Grün das durchzieht, wird es in spätestens zwei Jahren eine City-Maut geben.

Im Gegenzug behauptet Rot-Grün, dass Sie die autogerechte Stadt wollen!

Josef Schmid: Der letzte, der die wollte, war Hans-Jochen Vogel von der SPD. Ich sehe das unideologisch. Wir wollen eine Versöhnung der Verkehre. Unter der Erde haben wir noch Raum – zuerst gibt’s ein U-Bahn-Programm und dann auch die Auto-Tunnels.

Wie glaubwürdig ist Ihre Grünen-Kritik? Sie haben doch selbst monatelang um die geworben?

Josef Schmid: Wir haben in der Verkehrspolitik immer diese Meinung vertreten. Und die Verkehrspolitik war kein Thema für eine Zusammenarbeit, sondern bei der Bürgerbeteiligung oder bei der Transparenz von Politik und Verwaltung.

Wie wollen Sie als OB ohne eigene Mehrheit im Stadtrat arbeiten?

Josef Schmid: So wie OBs bis 1990 auch gearbeitet haben – mit einem breiten Bündnis. Da gibt es zu einzelnen Sachfragen unterschiedliche Mehrheiten. Das ist eigentlich das Natürliche. Auch in einer Haushaltsberatung: Da gibt es bislang im Rathaus den Auftakt im Oktober, da hält der OB eine Rede, dann wird der Haushalt in die Ausschüsse verwiesen. Dort wird teilweise nicht einmal diskutiert, weil jeder weiß, dass der eigentliche Haushalt in den rot-grünen Koalitionszimmern gemacht wird. Ich will, dass der Haushalt in den Ausschüssen diskutiert wird.

Wie soll das funktionieren?

Josef Schmid: Wenn ich OB werde, dann gehe ich mit meinem Programm zu den anderen Fraktionen und schaue, mit wem ich was umsetzen kann. Dann mache ich mir eine Liste und schaue, wen brauche ich zur Umsetzung. Wenn ich das habe, kommt die Personalfrage: Wer wird zweiter und dritter Bürgermeister? Wenn der OB Josef Schmid heißt, werden SPD und Grüne ihre Liebe zu uns entdecken, um mit uns möglichst viele Sachprobleme zu lösen.

Unsere erste Frage nach Ihrer Wahl wäre aber: Wer soll unter Ihnen Bürgermeister sein? Dafür werden Sie Partner brauchen. Glauben Sie, die schenken Ihnen ihre Stimmen?

Josef Schmid: Da werden Sie sich gedulden müssen. Wir reden über Sachfragen, und dann mache ich einen Strich. Und sage: Was kann ich mit der SPD lösen? Was mit den Grünen? Was mit der FDP, ÖDP oder den Freien Wählern? Dann bilde ich Mehrheiten für die Bürgermeister-Wahl.

Apropos Grüne: Frau Schmid, dass Sie im grünen Kleid auftraten, war das Absicht oder Zufall?

Natalie Schmid: Ich hab grüne Augen, und das Kleid habe ich schon sehr lange. Ich mag grün sehr gerne, und das hat irgendwie gepasst.

Warum sind Sie zur Stichwahl mit Plakat und Radiospot auch ins Scheinwerferlicht gerückt?

Natalie Schmid: Ich bin schon von Anfang an vor acht Jahren mit dabei und empfinde das als Ehefrau auch als völlig normal. Wir haben schon damals beratschlagt, was die Kandidatur für Konsequenzen hat. Ich habe gesagt: Wenn, dann will ich da schon mit dabei sein!

Sie sind also nicht die Geheimwaffe, um speziell die Frauen unter den Sabine-Nallinger-Wählern anzusprechen?

Natalie Schmid: Nein. Die Leute sollen einfach wissen, wer hinter meinem Mann steht.

Leiden Sie eigentlich mit, wenn Ihr Gatte angegriffen wird?

Natalie Schmid: Am Anfang war das furchtbar. Man muss erst lernen, damit umzugehen. Ich reagiere dann erst mal emotional. Ich finde aber, dass der Wahlkampf ganz gut gelaufen ist. Auf der persönlichen Ebene ist es sehr fair geblieben.

Es gibt derzeit aber den Angriff eines Ex-JU-Funktionärs auf die Tochter von Dieter Reiter. Was hat das mit der CSU zu tun? 

Josef Schmid: Überhaupt nichts.

Und wie geht es Ihren Kindern mit dem Wahlkampf? Lenny ist mit seinen sieben Jahren groß genug, einiges zu verstehen.

Natalie Schmid: Er hat es mitbekommen seit er klein ist. Er weiß, worum es am Sonntag geht, und er fiebert da mit. Er hat uns sogar einen Glücksbringer gebastelt.

Frau Schmid, Sie haben Ihren Kindern auch erklärt, dass es auch Männer gibt, die Männer lieben. Wie kam das in der Partei an?

Natalie Schmid: Da gab es überhaupt keine negative Rückmeldung, aber wir haben einige positive bekommen.

Auf der Stadtratsliste ist der schwule Vertreter aber zehn Plätze durchgereicht worden. Ist die Partei doch noch nicht so weit?

Josef Schmid: Nein. Auch der türkischstämmige Kandidat ist zurückgefallen. Das werden wir analysieren. Ich stelle aber fest: Es gab Stadträte, die haben unermüdlich Wahlkampf gemacht. Das sind die, die nach vorne gekommen sind.

Aber die beiden waren doch Wunschkandidaten von Ihnen. Hätten Sie die nicht weiter vorn platzieren müssen?

Josef Schmid: Die Platzierung war so, dass sie alle Chancen hatten. Aber es wird nichts auf dem Silbertablett präsentiert.

Vielleicht sind andere Parteien für diese Wählergruppen überzeugender?

Josef Schmid: Es zählt, wie oft jemand im persönlichen Kontakt mit Menschen ist. Wenn die beiden mit ihrer Arbeit weitermachen, werden sie in sechs Jahren bessere Plätze haben.

Wie sehr ärgert es Sie eigentlich, wenn nicht einmal die FDP oder die Bayernpartei eine Wahlempfehlung für Sie abgeben? Und wenn Sie bei den Grünen derart abblitzen?

Josef Schmid: Die haben alle gesagt, dass Sie von mündigen Wählern ausgehen und eine Wahlempfehlung als untauglich erachten. Genauso wird es bei den Grünen sein. Die Wirkung halte ich für gegen Null gehend. Wenn ich hier erzähle, welche bekannten Grünen mir sagten, dass sie mich wählen werden, führt das zu einer Eruption bei den Grünen! Ich höre oft: „Sie sind der bessere Typ.“

Aber in der falschen Partei!

Josef Schmid: Wir haben jetzt eine Persönlichkeitswahl. Josef Schmid und Dieter Reiter. Es wird tatsächlich eine spannende Frage: Wie viele wählen noch nach alten Bindungen, und wie viele wählen die Person? Das wird mit­entscheidend sein. Ich bin bester Dinge.

Und wenn Sie die Stichwahl verlieren?

Josef Schmid: Ich habe mir da noch keine Gedanken gemacht. Das hält vom Ziel ab. Ich muss auch nicht darüber nachdenken. Ich habe mich früher bewusst entschieden, als JU-Vorsitzender zurückzutreten, um mein Studium zu machen. Ich habe eine Kanzlei, da freuen sich alle, wenn ich mehr Zeit dort verbringe.

Würden Sie noch einmal in die Opposition gehen?

Josef Schmid: Über all das denken wir darüber nach, wenn es so weit ist.

Und wenn Sie gewinnen sollten: Haben Sie sich dann etwas besonders vorgenommen?

Josef Schmid: Nein. (Denkt nach). Doch! Neulich habe ich jemandem versprochen, dass ich zum Wallfahren nach Altötting gehe.

D. Costanzo, R. Bögel, J. Welte

Mein München-Platz

Bei strahlendem Sonnenschein diese wunderschöne Bank vor der Residenz am Max-Joseph-Platz: Das ist München pur – in dieser wunderschönen Kulisse mitten im Herzen der Stadt.

Mein München-Gericht

Das ist eine Schweinshaxn mit Kartoffelknödel.

Mein München-Lokal

Die Deutsche Eiche, weil die Wirtsleute mittlerweile gute Freunde von uns sind. Und weil das ein ganz spannendes Lokal ist, das mittlerweile für eine große MünchnerTradition steht.

Mein Münchner

Das ist der Monaco Franze, weil ich zu meiner Frau Natalie auch Spatzl sage.

München – und sonst?

Natürlich kommt München zuerst. Sonst könnte ich mir vorstellen, in der Toskana auf einem Bauernhof mein Leben zuzubringen und Wein anzubauen.

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