Video: Schmids prominente Unterstützung

Wahlkampfhelferin Merkel beäugt Geschenk kritisch

München - Prominente Wahlkampfhelferin: Die Bundeskanzlerin wirbt in München vor 500 Zuschauern für den CSU-OB-Kandidaten Josef Schmid – der Saal ist schon überzeugt.

Nur noch zwei Tage, dann wählen die Münchner ihren neuen Oberbürgermeister. Dann entscheidet sich, ob SPD-Mann Dieter Reiter die Geschicke der Stadt leiten wird – oder CSU-Politiker Josef Schmid. Zeit für die beiden Kontrahenten also, im Wahlkampf die schweren Geschütze aufzufahren.

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Schmids schwerstes Geschütz betritt gestern Abend um 19.15 Uhr die Bühne des Saals im Augustinerkeller. Mit ihrem typischen Lächeln auf den Lippen winkt Bundeskanzlerin Angela Merkel in die Menge. Rund 500 Besucher sind gekommen, die meisten von ihnen Mitglieder und Freunde der CSU.

Die Kanzlerin lobt München für seine Kultur, die Forschungslandschaft und die Lebensqualität. „Aber was gut ist, kann noch besser werden“, sagt sie. „Und dafür braucht es Josef Schmid.“ Unter seinem Vorgänger sei zwar nicht alles schlecht gewesen, jetzt gehe es aber darum, Vorsorge dafür zu treffen, dass die Lebensqualität noch steigt.

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Merkel streichelt die Seele aller Kommunalpolitiker, von denen etliche im Saal sitzen. „Lokalpolitiker und Oberbürgermeister müssen das, was sie sagen, anschließend auch tun“, sagt die Kanzlerin. „Wenn ich mal irgendwo war, komme ich so schnell nicht wieder.“ In der Lokalpolitik hingegen müsse man sich die konkreten Sorgen der Menschen anhören und könne sich nicht in Ausreden flüchten.

Die Kanzlerin ist nicht ohne Kenntnis der Münchner Politiklandschaft an die Isar gekommen. „Rot-Grün sollte sich nicht noch mehr nach den Linken richten, das hat München nicht verdient“, sagt sie – eine Anspielung auf die Absichtserklärung von SPD-Kandidat Reiter, im Stadtrat auch ein Bündnis mit den Linken einzugehen. Stattdessen sei ein „Bündnis der Vernünftigen“ nötig. „Die werden sich unter Schmid bündeln“, so die CDU-Chefin.

In der Stichwahl, sagt Merkel, gehe alles wieder von Neuem los. Deshalb komme es jetzt auf die Überzeugung der Wahlkämpfer an. „Sie sind heute Abend hergekommen, das ist schön“, sagt Merkel. Aber jetzt gehe es darum, in den letzten Tagen vor der Stichwahl so viele Wähler wie möglich zu überzeugen. „Ich glaube, dass Schmid und sein Team so motiviert sind, dass sie das schaffen“, sagt die Kanzlerin.

Schmid selbst spult unterdessen routiniert sein bekanntes Programm ab: Rot-Grün rennt schon aufeinander zu und betreibt Spezlwirtschaft, in einer Stadt wie München kann es keine stinkenden Schultoiletten geben, und die Münchner wollen kein „Weiter so“. Neu im Programm ist der Angriff auf ein mögliches Bündnis aus SPD, Grünen und Linken: „Mit mir als OB wird es keine linke instabile Koalition geben“, sagt er.

Der Saal jubelt regelmäßig. Hier treffen sich die Überzeugten. Schwer vorstellbar, dass Schmid an diesem Abend neue Wählerscharen hinzugewinnt. Aber: „Wenn jeder hier im Saal noch drei bis fünf Freunde überzeugt, schaffen wir das“, ruft Schmid.

Merkel in München: Bilder aus dem Augustinerkeller

Merkel in München: Bilder aus dem Augustinerkeller

Vor sechs Jahren war die Kanzlerin schonmal zu Gast im Augustinerkeller. Auch damals warb sie für Schmid, der dann bei der OB-Wahl 2008 haushoch gegen Christian Ude verlor. Diesmal sieht es besser für ihn aus. Aber ob ein Besuch der Kanzlerin den Unterschied macht, bleibt fraglich.

Am Ende bekommt Merkel noch ein Modell von Schmids Wahlkampf-Bulli überreicht, das sie etwas kritisch beäugt. „Die Kanzlerin verlässt Berlin nur bei Ereignissen von weltpolitischem Rang“, hatte Ministerpräsident Horst Seehofer vorher gewitzelt. An diesem Abend hat sie mal eine Ausnahme gemacht.

Moritz Homann

Rubriklistenbild: © dpa/afp

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