Tag 1 nach der Kommunalwahl

OB-Wahl: Reiter schaltet auf Angriff

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Dieter Reiter (SPD) aktiviert die Abteilung Attacke.

München - Nach der Wahl ist vor der Stichwahl - das gilt nicht nur in den Landkreisen, sondern auch in der Landeshauptstadt. Was sich tut am Tag nach der Wahl - der Ticker.

+++AKTUALISIEREN+++

+++ 17.30 Uhr +++ Damit beenden wir für heute die Live-Berichterstattung. Wir halten Sie natürlich weiterhin in Sachen Kommunalwahl auf dem Laufenden. Alle Ergebnisse finden Sie hier.

+++ 17.22 Uhr +++ Josef Schmid bekommt Unterstützung vom Parteichef: Horst Seehofer werde dem Bezirksverband München mit Rat und Tat zur Seite stehen. „Als Ratgeber, nicht als Bevormunder. Die Sache ist bei Schmid in guten Händen, er hat sich sehr gut geschlagen.“ Zudem sei der OB-Kandidat „ein absolut selbstständiger Kopf und lässt sich nicht von draußen reinreden“, so der Parteichef. Ob es in den vergangene Wochen Differenzen mit Schmid gegeben habe, etwa wegen der Diskussionen über die Zuwanderer aus Bulgarien und Rumänien oder die Schlüsselzuweisungen? Seehofer: „Es gab nicht die geringste Dissonanz zwischen der CSU München und der Landespartei.“ Schmid habe ihm die Bandbreite und Pluralität der Bevölkerung dargestellt. „Und das habe ich akzeptiert.“

+++ 17.17 Uhr +++ Reiter und die Parteispitze wollen Rot-Grün unbedingt fortsetzen. Die SPD macht sich damit Mut, dass das Bündnis bei der Auszählung aller Stimmzettel noch immer Mandate hinzu gewonnen habe. Reicht es nicht, komme auch ein weiterer kleiner Partner wie etwa die ödp oder die Freien Wähler in Frage.

+++ 17.11 Uhr +++ Im Interview mit der tz liefert Dieter Reiter einen kleinen Vorgeschmack: „Ich möchte klarmachen, dass wir den Grünen näherstehen als eine Partei, deren Kandidat sich im Wochenrhythmus von seiner eigenen Partei distanzieren muss - Stichwort: Wer betrügt, der fliegt.“ Jetzt stünden Tage voller Arbeit an. Seine 40,5 Prozent empfindet Reiter als „Etappensieg, mehr nicht“. Rund 8 Prozentpunkte ist dagegen die Partei abgerutscht - ein historischer Niedergang auf 31,4 Prozent nach derzeitigem Stand! Am Tag danach wollte vor allem der Münchner SPD-Chef Hans-Ulrich Pfaffmann einen bundesweiten Trend dafür verantwortlich machen: „Man muss die Kirche schon im Dorf lassen.“

+++ 17.09 Uhr +++ Bei der CSU herrschen derweil ganz menschliche Bedürfnisse vor - wie Kollege Moritz Homann aus dem Münchner KVR berichtet:

+++ 17.07 Uhr +++ Gentlemen-Wahlkampf war gestern - auf dem Weg zum großen OB-Duell schaltet SPD-Kandidat Dieter Reiter (55) auf Attacke. „Ich bin kampfeslustig“, sagte er am Tag nach der ersten Wahlrunde. „Wir werden klarmachen, wofür Dieter Reiter steht - und wofür mein Mitbewerber nicht steht.“ In zwei Wochen entscheiden die Münchner in der Stichwahl über das neue Stadt-oberhaupt. Jetzt geht es Reiter gegen Schmid.

+++ 16.45 Uhr +++ Die Gemeinde Tüßling (Kreis Altötting) wird künftig von einer Adligen regiert. Stephanie Gräfin Bruges von Pfuel (CSU) gewann die Wahl mit 81,9 Prozent haushoch vor SPD-Mann Lothar Liebwein. Die von Auftritten in TV-Talkshows und Werbespots bekannte Adelsfrau war bisher schon stellvertretende Bürgermeisterin in der rund 3200 Einwohner zählenden Gemeinde. Die 52 Jahre alte studierte Forstwissenschaftlerin und Waldbesitzerin, die sich auch für SOS-Kinderdörfer engagiert, ist Schlossherrin in Tüßling.

+++ 16.40 Uhr +++ Nach 45 Jahren bekommt das oberpfälzische Willmering im Landkreis Cham einen neuen Bürgermeister. Seit 1969 hatte Michael Dankerl für die CSU die Gemeinde angeführt, als dienstältester Bürgermeister im Freistaat. Bei der Kommunalwahl am Sonntag trat er nicht mehr an. Neuer Bürgermeister ist Hans Eichstetter, ebenfalls von der CSU. Er bekam 52 Prozent der Stimmen und überflügelte damit zwei Mitbewerber.

+++ 16.38 Uhr +++ Kuriositäten gefällig?

Bei der Kommunalwahl vor sechs Jahren lehrte der Kulmbacher Landrat Klaus Peter Söllner (Freie Wähler) dem SPD-Herausforderer das Fürchten: Söllner wurde damals mit 80,2 Prozent wiedergewählt. Am Sonntag wollte deshalb nun niemand mehr gegen Söllner antreten. Der 57-Jährige war entsprechend der einzige Bewerber und erzielte ein in einer Demokratie eher seltenes Ergebnis: 96,4 Prozent.

Stolze 99 Prozent der Stimmen erreichte sogar Franz Grauer bei der Bürgermeisterwahl in Kirchhaslach im Unterallgäu. Der 48 Jahre alte Amtsinhaber (Freie Wähler/CSU) war ebenfalls der einzige Kandidat. In der 1350-Einwohner-Gemeinde stimmten lediglich sechs Bürger gegen ihn. „Ich bin überrascht und auch etwas sprachlos“, sagte Grauer am Montag über seinen fulminanten Erfolg.

+++ 15.57 Uhr +++ Auch kurios: Der SPD-Landesvorsitzende Florian Pronold ist bei der Stadtratswahl in Deggendorf von seinem Vater abgehängt worden. Ambros Pronold erhielt bei der Wahl am Sonntag 2448 Stimmen und zog in den Stadtrat ein. Sohn Florian, von der Deggendorfer SPD auf Listenplatz 40 gestellt, bekam 2196 Stimmen und verfehlte den Einzug ins kommunale Parlament um 97 Stimmen. Wirklich ernst gemeint war die Kandidatur von Florian Pronold aber nicht. Er hatte sich aufstellen lassen, um die Liste aufzufüllen.

+++ 15.24 Uhr +++ Die Wahl zum Oberbürgermeister in Regensburg war noch enger als zunächst angenommen. Dem SPD-Kandidaten Joachim Wolbergs fehlten nach Angaben der Wahlleitung vom Montag lediglich 18 Stimmen für den Sieg im ersten Wahlgang. Zunächst war von 21 Stimmen die Rede gewesen. Wolbergs hatte noch eine Stunde nach Schließung der Wahllokale knapp über der 50-Prozent-Marke gelegen. Erst mit Auszählung der letzten 10 der insgesamt 201 Stimmbezirke und der Briefwähler rutschte der Kulturmanager auf 49,96 Prozent. In zwei Wochen muss Wolbergs nun gegen Christian Schlegl von der CSU in der Stichwahl antreten. Der Ingenieur kam auf 32,29 Prozent.

Nallinger gibt noch keine Empfehlung ab

+++ 14.39 Uhr +++ Sie selbst ist aus dem Rennen - doch die Grünen-Politikerin Sabine Nallinger will dennoch noch keine Wahlempfehlung für die Stichwahl geben. Auf der Stadtversammlung der Grünen am Donnerstag werde darüber diskutiert. Allgemein wird allerdings damit gerechnet, dass sich Nallinger-Anhänger am 30. März eher für Dieter Reiter (SPD) entscheiden und nicht für Josef Schmid (CSU) - unabhängig von einer förmlichen Empfehlung.

+++ 13.59 Uhr +++ Der Erdinger Kreistag ist so gut wie ausgezählt. Die CSU dürfte ihren Status Quo halten und 28 Räte plus Landrat stellen. Im Moment sieht es nach einem Stimmenzuwachs für die Freien Wähler aus. Sie könnten künftig mit 12 statt 9 Sitzen vertreten sein.

+++ 13.55 Uhr +++ Ein kurzer Blick nach Rosenheim: Die CSU stellt in Rosenheim nicht nur weiterhin die Rathauschefin, sie hat auch bei den Stadtratswahlen zugelegt. Die Christsozialen kommen auf 47,3 Prozent, ein Plus von 2,5 Prozentpunkten. Die SPD bleibt mit 18,9 Prozent unverändert, die Grünen gewannen laut vorläufigem Endergebnis vom Montag bei 16,0 Prozent 4,0 Punkte hinzu. Bei den anderen Parteien und Gruppierungen gab es nur unwesentliche Veränderungen. Für die Sitzverteilung im Stadtrat bedeutet dies: Die CSU hat künftig 21 Sitze und gewinnt damit ein Mandat hinzu, die SPD bleibt unverändert bei 8 Sitzen, die Grünen legten um 2 Mandate zu und haben künftig 7 Sitze im Kommunalparlament der gut 60 000 Einwohner zählenden Kommune. Die Freien Wähler bleiben unverändert bei 4 Mandaten. Gabriele Bauer hatte am Sonntag die OB-Wahl souverän mit 69,1 Prozent gewonnen.

+++ 13.37 Uhr +++ Ein spannendes Duell unter Frauen bahnt sich übrigens in Grafing (Kreis Ebersberg) an: Lindhart oder Obermayr, blond oder brünett - das ist die Frage.

+++ 13.29 Uhr +++ Ab 16 Uhr wird in der Landeshauptstadt weiter ausgezählt. Die Frage ist: Reicht es für Rot-Grün? Sollte dem nicht so sein, kommen die kleinen Parteien ins Spiel.

Maly neuer Hauptgegner für die bayerische CSU

+++ 13.05 Uhr +++ Nach der Kommunalwahl stellt sich die CSU auf einen neuen Hauptgegner in Bayern ein: den Nürnberger Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD). „Dass er in den nächsten Jahren die dominante politische Kraft auf Seiten der SPD ist, das habe ich vor der Landtagswahl angekündigt und das wird auch so kommen“, sagte CSU-Chef Horst Seehofer am Montag vor Beginn einer CSU-Vorstandssitzung in München. „Da kann er tausendmal dementieren, das wird so sein, glauben Sie's mir.“

+++ 12.30 Uhr +++ CSU und SPD setzen bei der Stichwahl für das Amt des Münchner Oberbürgermeisters (OB) auf Sieg. Die Christsozialen wollten mit allen Kräften für einen Erfolg ihres Kandidaten Josef Schmid kämpfen, sagte Parteichef Horst Seehofer am Montag vor Beginn einer CSU-Vorstandssitzung in München. Er sei mit dem Ausgang der Wahl in München „äußerst zufrieden“, ergänzte er. „Der Schwerpunkt liegt natürlich in München“, sagte Seehofer mit Blick auf eine Reihe von Stichwahlen in ganz Bayern am 30. März.

+++ 11.59 Uhr +++ Ob das der höchste Stimmanteil bei der Kommunalwahl ist? Andreas Lutz (CSU) ist der neue Bürgermeister von Oberpframmern und sozusagen der "Erich Honecker" des Landkreises Ebersberg. Sein Ergebnis? 94,4 Prozent!

Kommunalwahl: Alle Ergebnisse aus der Region

+++ 11.43 Uhr +++ Auch die "große" Politik wird auf die Kommunalwahlen reagieren: Der CSU-Vorstand kommt zu einer Sitzung in München zusammen, am Nachmittag will der Parteivorsitzende Horst Seehofer dann über die Ergebnisse der Beratungen informieren. Bei der SPD haben Generalsekretärin Natascha Kohnen sowie der alte und neue Nürnberger Oberbürgermeister Ulrich Maly zu einer gemeinsamen Pressekonferenz in München geladen.

+++ 11.31 Uhr +++ Nomen est omen? In Aying (Kreis München) ist Franz Josef Strauß für die CSU bei der Gemeinderatswahl angetreten. Wie der 27-Jährige abgeschnitten hat, ist noch nicht bekannt. Aber wenn es nach seinem berühmten Namensvetter geht... 

Landratswahl Miesbach: Das Stechen beginnt

+++ 10.48 Uhr +++ Alle Augen auf Miesbach: Die Landratswahl um den skandalumwitterten CSU-Politiker Jakob Kreidl hat wohl das meiste Interesse geweckt. Abseits vom großen Medienaufgebot hat schon das Hauen und Stechen zur Stichwahl begonnen, bei der der abgewählte Kreidl nicht mehr mitmischen wird: SPD-Kandidat Robert Huber, ebenfalls nicht in der Stichwahl, hat den gestrigen Wahlsieger Norbert Kerkel als "politischen Lehrling" bezeichnet. 

+++ 10.46 Uhr +++ Zum Bürgermeister von Schwaigen (Kreis Garmisch-Partenkirchen), der als einziger Kandidat angetreten und doch nicht gewählt worden war, gibt es ein weiteres kurioses Detail: Bereits am Samstag waren die Wahlzettel aus dem Feuerwehrhaus gestohlen und einen Fluss geworfen worden. Auf die Schnelle mussten Stimmzettel nachgedruckt werden, die Polizei ermittelt.

+++ 10.43 Uhr +++ Unsere Kollegen in Bad Tölz haben ein Video zur Landratswahl - mit Reaktionen vom Wahlabend, aufgenommen von Redaktionsleiterin Veronika Wenzel.

+++ 10.40 Uhr +++ Sie haben unseren Ticker am Sonntag verpasst? Hier können Sie den kompletten Wahltag noch einmal nachlesen.

+++ 10.04 Uhr +++ Nachdem in allen Gemeinden die Bürgermeister oder die Kandidaten zur Stichwahl feststehen, geht es jetzt an die Zusammensetzung der Stadt- und Gemeinderäte.

+++ 9.42 Uhr +++ Nach der Wahl ist vor der Stichwahl: Die Münchner Stadtredaktion hat schon erste Plakate gesichtet.

+++ 7.52 Uhr +++ Am Tag nach der Kommunalwahl heißt es für die Parteien: Ergebnisse anlysieren. Der CSU-Vorstand kommt am Vormittag zu einer Sitzung in München zusammen; am Nachmittag will Horst Seehofer über die Ergebnisse der Beratungen informieren. Bei der SPD haben Generalsekretärin Natascha Kohnen sowie der alte und neue Nürnberger Oberbürgermeister Ulrich Maly zu einer gemeinsamen Pressekonferenz in München geladen.

Kommunalwahl: Die Bilder vom Wahlabend

Kommunalwahl: Die Bilder vom Wahlabend

Stichwahlen in München und auf Landkreisebene

In sechs Landkreisen müssen sich die beiden Kandidaten mit den meisten Stimmen der Stichwahl stellen: In Garmisch-Partenkirchen, Weilheim-Schongau, Miesbach, Dachau, Freising und im Landkreis München geht es am 30. März in die Stichwahl.

Besonders spannend wird es in der Landeshauptstadt: In München treten Josef Schmid (CSU) und Dieter Reiter (SPD) zur alles entscheidenden Wahl an. Die Entscheidung in München, Reaktionen und Infos gibt es im Live-Ticker zum Nachlesen.

Kreidl abgewählt, "Karl-Heinz Rumgedisse" in die Stichwahl

Im Kreis Miesbach wurde Skandal-Landrat Jakob Kreidl am Sonntag abgewählt. Er erreichte nur 15,83 Prozent der Stimmen. Für eine kleine Sensation sorgte in Schongau der Kandidat Tobias Kalbitzer, der für die "Unabhängige Wählergruppe Karl-Heinz Rumgedisse" angetreten ist. Er hat es in die Stichwahl geschafft und tritt in zwei Wochen gegen Falk Sluyterman an. Ein Kuriosum hat sich in Schwaig, einer kleinen Gemeinde im Kreis Garmisch-Partenkirchen, ergeben: Dort ist der aktuelle Bürgermeister als einziger Kandidat angetreten - und wurde nicht gewählt.

Kommunalwahl im Rest Bayerns

Stichwahlen gibt es am 30. März auch in Regensburg, Würzburg und Erlangen, wo ebenfalls keiner der Kandidaten auf Anhieb die absolute Mehrheit holte. In Nürnberg dagegen triumphierte SPD-Amtsinhaber Ulrich Maly schon im ersten Wahlgang mit Zwei-Drittel-Mehrheit. In Augsburg verteidigte der CSU-Politiker Kurt Gribl den Oberbürgermeister-Posten ebenfalls im ersten Wahlgang: Nach Auszählung aller Stimmbezirke lag er bei 51,9 Prozent.

kb mit Material von dpa

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