Nimmt er seinen Hut?

Kreidl will endgültige Stellungnahme abgeben

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Jakob Kreidl.

Miesbach - War es das für Jakob Kreidl (61)? Tatsache ist: Nach massivem Druck der CSU-Spitze will der umstrittene Miesbacher Landrat in Kürze eine persönlichen Erklärung abgeben.

Die Chefin der Oberbayern-CSU, Ilse Aigner, kündigte ein Stellungnahme des CSU-Politikers für den Nachmittag an. Details nannte sie nicht.

Kreidl tritt also an die Öffentlichkeit (nach wochenlangem Schweigen) und gibt etwas bekannt. Sogar enge CSU-Kollegen waren sich am Dienstag sicher: Das kann nur der Rückzug sein! Die Aussage von Witrtschaftsministerin Ilse Aigner tat da noch ihr übriges: Es habe am Montagabend ein „langes Gespräch“ zwischen Kreidl und ihr gegeben, sagte Aigner Dienstag Mittag am Rande einer CSU-Fraktionssitzung. Der CSU-Vorstand unter Führung von Parteichef Horst Seehofer hatte Kreidl am Montag gebeten, auf seine neuerliche Landrats-Kandidatur zu verzichten. Formal ist das wegen verstrichener Fristen nicht mehr möglich. Kreidl könnte aber erklären, das Amt auch im Falle seiner Wiederwahl nicht anzutreten. Aus, Schluss.

Zur Erinnerung: Kreidl war wegen seiner 118 000 Euro teuren Geburtstagsfeier in die Kritik geraten – aber nicht nur deshalb: Zudem hatte er bei seiner Doktorarbeit abgeschrieben, und bei der Verwandtenaffäre noch seine Frau für 1500 Euro Monatsgehalt angestellt (siehe Chronologie rechts).

Auf die Frage, ob die CSU zu lange an dem Landrat festgehalten habe, reagierte Seehofer am Dienstag gereizt: Der CSU-Vorstand und er hätten gehandelt, als der Fall von einer lokalen zu einer für die CSU insgesamt bedeutsamen Angelegenheit geworden sei. Bis dahin sei das Ganze keine Sache des Parteivorsitzenden oder der Staatsregierung gewesen. Als aber Überlegungen bekanntgeworden seien, dass Kreidl die Landratswahl nicht annehmen könnte, um dem Weg zu Neuwahlen zu öffnen, habe er handeln müssen. „Diese Überlegung, gibt’s ein Schlupfloch – das geht nicht.“ Wenn es Überlegungen gebe, wie man sich das Wahlrecht zurechtzimmere, dann gehe das „die ganze politische Familie CSU an“.

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Chronik der Skandale

Der Fall Kreidl beschäftigt nun seit Monaten die Menschen in und um Miesbach. Was die Leute besonders ärgert: Der Landrat ließ sich gleich mehrere Sachen zu Schulden kommen. Hier eine Auflistung:

- März 2013: Auf der Internet-Plattform Vroniplag werden Plagiatsvorwürfe gegen Jakob Kreidl laut. Auf 103 von 287 Seiten der Arbeit über den Kosovo-Konflikt seien abgeschriebene Stellen gefunden worden.

- April 2013: Kreidl führt seinen Doktortitel nicht mehr, hat aber Ärger mit den Professoren Meyer und Schlotterer, aus deren Arbeit er abgeschrieben hat. Sie halten seine Entschuldigung für nicht ausreichend.

- Mai 2013: Mit 76,7 Prozent holt Kreidl bei der Wiederwahl zum CSU-Kreisvorsitzenden sein bislang schlechtestes Ergebnis. Wenige Tage zuvor war bekannt geworden, dass er in seiner Zeit als Landtagsabgeordneter von 1994 bis 2008 seine Ehefrau auf Staatskosten beschäftigt hat.

- Oktober 2013: Rückenwind für Kreidl: Die CSU nominiert den 61-Jährigen mit 88,8 Prozent als Kandidaten für die Landratswahl am 16. März 2014.

- Dezember 2013: Die Bundeswehr-Universität in Neubiberg legt den Prüfbericht zu Kreidls Doktorarbeit vor. Ergebnis: „Die Arbeit von Herrn Kreidl stellt keine eigenständige wissenschaftliche Leistung dar und war damit nicht dissertationswürdig.“

- Februar 2014: Fünf Wochen vor der Kommunalwahl gerät Kreidls Geburtstagsfeier überregional in die Kritik: Schnell stellt sich heraus, dass das Fest (siehe Foto) auf dem Bauernhofmuseum von Markus Wasmeier am Schliersee rund 118 000 Euro gekostet hat und von der Sparkasse sowie dem Landratsamt bezahlt worden ist. Wenige Tage später tritt Kreidl als Präsident des Landkreistags zurück.

mm

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