Die Wirr-Wahl in Miesbach

Wer wird nun Kreidl-Nachfolger - und wie?

+
Jakob Kreidl.

Miesbach - Wie läuft das nun mit der Landratswahl am 16. März? Jakob Kreidl steht ja zur Wahl, auch wenn er sagt, dass er das Amt nicht annehmen würde. Eigentlich gibt es nur drei mögliche Szenarien.

Nachdenklich fährt sich der CSU-Lokalpolitiker aus Miesbach über die Stirn. „Da muss ich überlegen“, gibt er zu. Die tz hat ihm die Frage gestellt, wer denn Landrat wäre, wenn Kreidl die Wahl gewänne – aber nicht antreten würde. „Hmmm, der zweite dann wohl“, lautet die knappe Antwort. Falsch! Es gäbe Neuwahlen. Egal – derzeit scheint kaum jemand wirklich zu wissen, wie es nun nach dem Kreidl-Fall weitergeht. „So was gab es halt auch noch nie“, fügt unser Befragter an.

Der Niedergang des Jakob Kreidl – es war wohl die kleine Rache des Landrats, als er am Dienstag bis in die Abendstunden wartete, um seine Rücktrittsmitteilung herauszugeben. Ziel kann nur gewesen sein, die CSU-Spitze noch mal schwitzen zu lassen – und dafür zu sorgen, dass die Pressevertreter länger in den Redaktionen sitzen müssen. Seehofer jedenfalls kochte! Gestern gab dann die CSU selbst noch bekannt, dass Kreidl auch als CSU-Kreisvorsitzender sein Amt niederlegt. Das bedeutet: Politisch gibt es den Mann nicht mehr. Aus!

Und dabei kommt es jetzt noch mal richtig dick für den 61-Jährigen. Seit Mittwoch steht nämlich fest: Das neue Haus des Landrats ist ein Schwarzbau. Die behördliche Kontrolle am Anwesen des Ehepaares Kreidl in Fischbachau ergab, „dass das beantragte Wohngebäude nicht plankonform errichtet wurde“, wie das Landratsamt gestern mitteilte. Wand- und Firsthöhe seien überschritten worden. Außerdem gebe es eine Abweichung der Dachneigung. Das Amt ließ die Bauarbeiten einstellen. Die Eheleute Kreidl müssen nun eine Änderung der Baupläne einreichen. Und noch jemand hat sich im Fall Kreidl jetzt eingeschaltet: Die Rechtsaufsicht des Innenministeriums. Sie prüft nun, ob bei der 118 000-Euro-Geburtstagsfeier alles mit rechten Dingen zuging. Heißt: Ob nicht gar Rechnungen fingiert wurden (siehe unten).

Und wie läuft das nun mit der Landratswahl am 16. März? Kreidl steht ja zur Wahl, auch wenn er sagt, dass er das Amt nicht annehmen würde. Eigentlich gibt es nur drei mögliche Szenarien:

Fall 1: Ein anderer der vier Kandidaten (siehe Fotos) gewinnt die Wahl. Der Fall Kreidl wäre somit erledigt.

Fall 2: Kreidl kommt in die Stichwahl. Gewänne diese der Opponent – wäre der Fall erledigt. Gewänne Kreidl, gäbe es Neuwahlen. Ein neuer Termin dafür müsste festgelegt werden. Aber: Die CSU könnte dann (wegen Kreidls Verzicht) einen neuen Kandidaten aufstellen.

Fall 3: Kreidl gewinnt die Wahl. Nach seinem Verzicht müssten Neuwahlen angesetzt werden. Die CSU kann einen neuen Kandidaten nominieren.

Ganz theoretisch gibt es noch eine vierte Möglichkeit: Kreidl gewinnt die Wahl – und nimmt sie an. Auch das wäre einmalig …

Innenministerium schaltet sich ein

Die von der Sparkasse gesponserte Feier zu Kreidls 60. Geburtstag hatte 118 000 Euro gekostet. Weil das Fest laut vieler Gäste aber gar nicht so opulent war (es gab Bier und Schweinsbraten), prüft das Innenministerium nun alle Rechnungen und Ausgaben. „Es stellt sich die Frage: Kann Sponsoring in diesem Umfang überhaupt Aufgabe einer Sparkasse sein?“, sagte gestern Innenminister Joachim Herrmann zu dem Fall.

So feiern Bayerns Landräte ihre Geburtstage

So feiern Bayerns Landräte ihre Geburtstage

auch interessant

Kommentare