Stühlerücken im Stadtrat

Letzte Sitzung: Große Rotation im Rathaus

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Orhan Akman (l.), Barbara Scheuble-Schaefer und Georg Kronawitter.

München - Stühlrücken: Ein OB geht, ein neuer kommt und mit ihnen jeweils 28 Stadträte. Die tz stellt drei nicht ganz unbekannte Neulinge vor und verabschiedet stellvertretend drei Politiker.

Zum Wohle der Stadt geben sie ihre Zeit und ihre politische Überzeugung. Sie bekommen manchmal eine Mehrheit – und rund 2300 Euro Aufwandsentschädigung im Monat, aber keine Pension: Ohne die Stadträte wäre München keine Demokratie! Mittwoch flogen in der letzten Sitzung der Legislaturperiode wegen der Kliniken nochmal die Fetzen, am Abend sollten alle Stadträte wieder einträchtig zum Abschlussessen erscheinen. Stühlerücken steht an: Ein OB geht, ein neuer kommt und mit ihnen jeweils 28 Stadträte. Die tz stellt drei nicht ganz unbekannte Neulinge vor und verabschiedet stellvertretend drei Politiker – mit Georg Kronawitter den fleißigsten, mit Orhan Akman den witzigsten und mit Barbara Scheuble-Schaefer die langjährigste Stadträtin.

Die Ehemaligen

Orhan Akman (Linke, 38), 2008 bis 2014: „Wir haben viele Anliegen der Beschäftigten ins Rathaus getragen – etwa die bessere Eingruppierung bei den unteren Einkommen. Gewünscht hätte ich mir noch einen kommunalen Arbeitsmarkt, dass Menschen, die nicht auf dem regulären Markt landen können, sinnvoll beschäftigt werden – und nicht von Projekt zu Projekt geschoben werden. Darum muss die Linke jetzt die historische Chance nutzen, in einer westdeutschen Millionenstadt mitzuregieren! Wir könnten in der Sozialpolitik viel erreichen. Ich selbst gehe jetzt für ein Jahr nach Peru, um beim Aufbau einer Gewerkschaft zu helfen.“

Barbara Scheuble-Schaefer (SPD, 71), 1978 bis 2014: „Als ich auf die ersten Termine als Stadträtin bin, hat man mich als Frau gefragt: „Und mit wem sind Sie da?“ Damals habe ich mitgeholfen, dass die SPD CSU-OB Erich Kiesl aus dem Amt gejagt hat. Mein halbes Leben habe ich mich um die innere Sicherheit gekümmert. Die Beziehungen der Stadt zur Polizei waren nicht immer so gut. Das hat auch der OB bei meinem Geburtstag hervorgehoben. Am schlimmsten war das Oktoberfest-Attentat: Das war so schlimm, das kann man gar nicht schildern. Jetzt freut sich mein Hund Schurli, dass ich mehr Zeit habe. Im Sommer will ich viel Wandern gehen.“

Dr. Georg Kronawitter, (CSU, 62), 2008 bis 2014: „Meinen Nachfolgern rate ich: arbeiten, arbeiten, arbeiten – und ein eigenes Thema finden. Als Erfolg verbuche ich, dass die U-Bahn in die elektronische Sicherung der Bahnsteige einsteigt und dass die Diskussion um die U5-Verlängerung nach Pasing weitergekommen ist. Noch erreicht hätte ich gerne den Wanderer-Bahnhof im Mangfalltal. Für mich geht es nach meinem Schlaganfall politisch eine Nummer kleiner weiter – als Häufelkönig im Bezirksausschuss Trudering-Riem. Für den Behindertenbeirat gehe ich in den Arbeitskreis Mobilität und bin ins Kuratorium der Volkshochschule gewählt worden.“

Die Neuen

Wolfgang Heubisch.

Wolfgang Heubisch (FDP, 67): „Ich will mich grundsätzlich auf drei große Komplexe konzentrieren. Das ist einmal die Kultur, und damit meine ich nicht nur die Hochkultur in der Stadt. Wichtig sind mir außerdem die städtischen Kliniken. Wir brauchen sie dringend zur Daseinsvorsorge. Und ich will die Zusammenarbeit zwischen Freistaat und Hauptstadt verbessern. Auf den Stadtrat bereite ich mich vor, indem ich viel zuhöre, um ein Gefühl für die Situation zu kriegen. Bloß weil ich Minister im Freistaat war, brauch ich ja nicht glauben, dass ich schon alles weiß. Für meine Heimatstadt will ich das Ansehen und den Einfluss mehren - gerade auch international.“

Hans Theiss.

Hans Theiss (CSU, 36): „Ich werde mich der Gesundheitspolitik widmen. Einsetzen werde ich mich für die städtischen Kliniken, dass wir sie wieder fit kriegen und die Patienten wieder Vertrauen fassen können. Tipps für meine künftige Arbeit hole ich mir bei älteren Stadträten. Thematisch bin ich durch meine bisherigen Ämter schon gut drin. Besonders freue ich mich auf die ganz verschiedenen Themen, die die ganze gesellschaftliche Bandbreite abdecken. Und ich freue mich, dass ich jetzt einen Arbeitsplatz in der Stadtmitte habe.“

Verena Bentele.

Verena Bentele (SPD, 32): „Für das schöne München, wo ich mit größter Freude lebe, will ich mich engagieren. In Themen, die mich bewegen und wo ich mich auskenne. Sozialpolitik würde passen, oder der Bereich Bildung, Jugend und Sport. Was ich aber genau machen werde, wird noch mit der Fraktion besprochen. Ich freue mich generell auf die neue Arbeit. Spannend ist, dass ich mit meinen Jobs als Behindertenbeauftragte und als Stadträtin unterschiedliche Einblicke in die Bundespolitik und die Kommunalpolitik bekomme.“

David Costanzo, Andreas Huber

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