Nach Kreidl-Affäre

Miesbach wählt ersten Grünen-Landrat

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Wolfgang Rzehak ist der erste Grüne Landrat in Miesbach.

Miesbach - Erstmals wird ein bayerischer Landkreis von einem Grünen-Politiker geführt - und das ausgerechnet im bisher von Affären-Landrat Jakob Kreidl (CSU) regierten Kreis Miesbach.

Der durch Affären-Landrat Jakob Kreidl (CSU) bundesweit in die Schlagzeilen geratene Kreis Miesbach wird künftig von einem Grünen-Politiker geführt. Bei der Stichwahl setzte sich am Sonntag der Verwaltungsfachmann Wolfgang Rzehak mit 53,46 Prozent der Stimmen durch. Norbert Kerkel (49) von den Freien Wählern, den viele Beobachter in dem oberbayerischen Landkreis schon als den künftigen Landrat gesehen hatten, musste sich mit 46,54 Prozent geschlagen geben. Beim ersten Wahlgang war der Sohn des langjährigen Miesbacher Landrates noch mit 37,75 Prozent in Führung gelegen. Die Beteiligung betrug bei der Stichwahl nach Behördenangaben 43,61 Prozent.

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Rzehak äußerte sich überglücklich: „Das Ergebnis ist sensationell.“ Er wolle sich nach dem Vertrauensvorschuss der Wähler nun das Vertrauen erarbeiten, sagte der 46-Jährige. Er sehe sich als Landrat der Mitte. „Ich bin ein Realo.“ Er wolle seine Politik am Vorbild des vor einigen Jahren gestorbenen Grünen-Politikers Sepp Daxenberger orientieren. „Wir müssen dahin gehen, wo die Leute sind“, erläuterte der Grünen-Politiker, „dann kommen die Leute auch zu uns.“

Die Parteispitze gratulierte Rzehak zu seinem Sieg. „Für uns Grüne ist das ein historischer Abend“, sagte die Landesvorsitzende Sigi Hagl am Sonntagabend. Denn auch im unterfränkischen Landkreis Miltenberg gewannen die Grünen die Landratswahl.

Rzehak - verheirateter Vater zweier Töchter - arbeitete seit 2001 im Münchner Kreisverwaltungsreferat. Neben den grünen Kernthemen wie Klimaschutz, Erhalt der Landschaft und Kampf gegen Gentechnik setzt sich der 46-Jährige aus Gmund am Tegernsee für Investitionen mit Augenmaß ein.

Für die CSU bedeutet der Sieg Rzehaks eine herbe Niederlage. Die Christsozialen hätten im Zweifelsfall lieber den Kandidaten der Freien Wähler auf dem Chefsessel im Landratsamt gesehen, hatten aber keine direkte Wahlempfehlung ausgesprochen. CSU-Landrat Kreidl war über die Finanzierung der Feier zu seinem 60. Geburtstag gestolpert. Der 61-Jährige hatte sich die 120 000 Euro teure Party fast ausschließlich von Kreissparkasse und Landkreis zahlen lassen. Die Regierung von Oberbayern prüft, ob bei dieser Art von Sponsoring alles mit rechten Dingen zuging.

Daneben geriet Kreidl wegen seines aberkannten Doktortitels, der Verwandtenaffäre im Landtag, üppiger Nebenverdienste und eines Schwarzbaus in die Schlagzeilen. CSU-Chef Horst Seehofer zwang ihn daraufhin zum Amtsverzicht für den Fall der Wiederwahl. Kreidl schied jedoch schon im ersten Wahlgang mit 15,83 Prozent der Stimmen aus.

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dpa

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