Ja, was denn nun?

CSU "korrigiert" Ergebnis aus SPD-Befragung

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Die Bürgermeisterkandidaten Josef Schmid und Dieter Reiter

München - Jetzt legt die CSU nach: Die Partei hat eine Umfrage zur Kommunalwahl in Auftrag gegeben, die - entgegen der Ergebnisse einer SPD-Umfrge - ein Kopf-an-Kopf-Rennen voraussagt

Am Tag nach der SPD-Umfrage zur OB-Wahl schlägt die CSU zurück – und zieht eine eigene Erhebung aus der Schublade! Nach der steht ihr Kandidat Josef Schmid (44) viel besser da und landet fast gleichauf mit SPD-Wirtschaftsreferent Dieter Reiter (55). Die Botschaft liefern Schmid und CSU-Bezirkschef Ludwig Spaenle gleich mit: „Die OB-Wahl ist völlig offen!“

Bei der Sonntagsfrage zur Stadtratswahl ist es umgekehrt: Da sieht die CSU-Umfrage eine rathaushohe eigene Mehrheit. Während die SPD ihre Zahlen verheimlicht und von einem Kopf-an-Kopf-Rennen spricht.

Ja, was gilt denn nun? Drehen die Parteien an den Ergebnissen – und erfinden ihre Zahlen? Das wohl nicht. Allerdings massieren, frisieren und schminken die Wellness-Beauftragten der Parteien sie so lange, bis sie für den Wähler hübsch anzuschauen sind!

Schmid liegt laut CSU-Ergebnis nur einen Prozentpunkt hinter Reiter

Die Ergebnisse der CSU: Bei der OB-Umfrage landet CSU-Mann Schmid bei 31 Prozent und damit knapp hinter SPD-Kontrahent Reiter mit 32 Prozent. Reiter legt im Vergleich zur letzten CSU-Umfrage vier Punkte zu und zieht an Schmid vorbei, der nur einen Punkt gewinnt. Sabine Nallinger (50) von den Grünen verharrt bei 14 Prozent. Die Linke-Kandidatin Brigitte Wolf holt 4 Prozent.

Die SPD hatte am Vortag ganz andere Zahlen aufgetischt (siehe oben). Wie kann das sein? Das sind die zwei wichtigsten Beauty-Tricks im politischen Schönheitssalon:

Nach welchen Kandidaten wird gefragt? Auffällig ist, dass die Parteien nach unterschiedlichen Politikern fragen. Die CSU interessiert sich brennend für die Linke, aber nicht für die FDP. Das hat einen Grund, den die CSU weit von sich weist: So dürfte manch ein FDP-Wähler, der vielleicht noch nichts vom liberalen Kandidaten weiß, Schmids Ergebnis verschönern. Während die Linke-Kandidatin Stimmen anzieht, die andernfalls womöglich bei Reiter gelandet wären. Die SPD brezelt sich genau anders herum auf.

Was die CSU bei der Berechnung der Prozente anders macht

Wie werden die Prozente berechnet? Die CSU liefert nur Zahlen, in denen die Unentschlossenen berücksichtigt werden. So ist der Abstand am knappsten. Würde man die wie am Wahltag herausrechnen, könnte Reiters Vorsprung hässlicherweise leicht wachsen. Anders herum die SPD: Sie betont das Ergebnis ohne die Unentschlossenen mit hübschen neun Punkten Vorsprung (siehe Torten-Grafik). Berücksichtigt man die Unentschlossenen – die SPD liefert diese Zahlen mit – schrumpft der Vorsprung auf sechs Punkte (siehe Balken-Grafik).

Die Wahrheit liegt wohl dazwischen. SPD-Mann Reiter gewinnt in beiden Umfragen und liegt mindestens knapp vorn. CSU-Konkurrent Schmid aber bleibt in Reichweite. Den Endspurt entscheiden die Unentschlossenen und die Nichtwähler – sehr wahrscheinlich in einer Stichwahl.

David Costanzo

Schwarz-Grün im Rathaus?

Die CSU liefert auch Ergebnisse für die Stadtratswahl: CSU 34 Prozent, SPD 26 Prozent, FDP 2 Prozent, Grüne 12 Prozent, Linke 2 Prozent, fast jeder fünfte Befragte wählt andere Parteien, gar nicht oder ist noch unentschlossen. Das würde sehr leicht für das von der CSU favorisierte Schwarz-Grün reichen – aber nicht mehr für Rot-Grün.

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