Dieter Reiter wird neuer OB

Schmids tapferer Abgang nach der Wahlschlappe

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Dieter Reiter und seine Frau haben nach der gewonnenen Stichwahl Grund zum Feiern. Verlierer Josef Schmid wird in Begleitung seiner Ehefrau Natalie dennoch mit kräftigem Applaus seiner CSU gefeiert.

München - München hat entschieden: Mit Dieter Reiter stellt die SPD auch den neuen Oberbürgermeister. Gegenkandidat Josef Schmid nahm die Niederlage tapfer und wurde von der CSU gefeiert.

Der Live-Ticker zum Nachlesen

Lasst uns neu denken! Aus den Lautsprechern wummert der Bass, der die Wahlkampfhymne von Josef Schmid (44) in den großen Saal des Löwenbräukellers schmettert. Und eigentlich könnte man meinen, ein niedergeschlagener, unterlegener Kandidat betritt die Bühne bei der Wahlparty der Münchner CSU.

Endergebnis für München (939 von 939 Wahllokalen sind ausgezählt):

Dieter Reiter (56,7 %)

Josef Schmid (43,3 %)

Die Wahlbeteiligung lag bei 38,5 Prozent.

Doch Josef Schmid wird in Begleitung seiner Ehefrau Natalie mit kräftigem Applaus gefeiert, allen voran von Münchens CSU-Chef Ludwig Spaenle und Schmids Wahlkampfleiter Georg Eisenreich. 43,3 Prozent, ein doch deutlicheres Ergebnis, als selbst die Pessimisten im Saal geglaubt hatten. Und dennoch klatscht die schwarze Truppe fast so, als wäre ein Sieg zu feiern. So sehen faire Verlierer aus.

Spaenle lobt den „lieben Seppi“ als „Oberbürgermeister der Herzen.“ Und: „Du hast alles gegeben, du hast die Stadt umgepflügt, die CSU München dankt Dir und ist stolz auf Dich.“ Spaenle zählt noch einmal die beiden Wahlziele auf, die Schmid tatsächlich erreicht hat: „Du hast die rot-grüne Mehrheit im Stadtrat gebrochen, du hast die CSU zur stärksten Fraktion gemacht.“

Schmid "tief gerührt"

Nur in der Stichwahl, da wurde Schmid der undankbare zweite Sieger. Er bedankte sich bei seinen 6000 Münchner Parteifreunden: „Es hat mich tief gerührt, wie ihr mich unterstützt habt. Es war ein sensationeller Wahlkampf.“ Und an die Adresse seines siegreichen SPD-Kontrahenten sagte Schmid: „Zu einem guten Demokraten gehört es, dem Sieger zu gratulieren. Ich wünsche Dieter Reiter alles Gute und eine glückliche Hand.“

Aus Sicht der CSU freilich bleiben die Probleme im Rathaus. „Wir erwarten, dass sie alle gelöst werden und wollen unsere erfolgreiche Arbeit fortsetzen.“ Und dass die CSU stärkste Fraktion im Stadtrat ist, bedeutet für Schmid: „Wir sind wieder da! Wir werden einen Aufbruch im Rathaus einfordern.“

SPD feiert, CSU trauert: Bilder von den Wahlpartys

SPD feiert, CSU trauert: Bilder von den Wahlpartys

Dann bringt ihm plötzlich ein junger Mann im schwarzen Anzug einen Hand bemalten, orientalischen Teller auf die Bühne, beschriftet mit „Josef – Natalie“. Es ist Serdar Duran, der türkischstämmige Kandidat der CSU, der den Sprung in den Stadtrat verpasst hatte.

Dem Bad in der Menge steht zunächst die Phalanx der Journalisten entgegen, Blitzlichtgewitter, Interviews. Schmid bemüht sich, immer das Gesicht zu wahren: „Sie sehen mich völlig ruhig und gefasst“, so der Verlierer. Männer umarmen ihn, drücken ihn. Und Ehefrau Natalie, die ihren Gatten vor allem in den vergangenen Tagen beinahe täglich im Wahlkampf begleitet hat, kämpft mit den Tränen: „Natürlich bin ich enttäuscht, auch wenn man sich damit auseinander gesetzt hat, dass es so kommen kann.“ Ihr Ehemann werde aber jetzt nicht unbedingt mehr zu Hause sein. „Das wird sich nicht so schlagartig ändern. Aber ich werde jetzt wieder öfter daheim sein.“

Dieter Reiter: Münchens neuer OB in Bildern

Dieter Reiter: Münchens neuer OB in Bildern

Und dann hat Schmid doch noch kurz Zeit für ein persönliches Wort: „Ich wusste von Anfang an, dass es eine große Herausforderung ist. Und dass wir es wenn überhaupt nur auf den letzten Metern schaffen können.“

Johannes Welte

Die Reaktionen der CSU

Ein Weiter-so gibt es nicht

Josef Schmid hat alles gegeben im Wahlkampf. Und er hat die rot-grüne Mehrheit im Stadtrat

geknackt, die CSU ist jetzt die stärkste Fraktion. Ein Weiter-so im Stadtrat kann es jetzt nicht mehr geben. Das ,Wer betrügt, der fliegt‘ hat uns nicht geschadet.“

Andreas Scheuer, Generalsekretär der CSU

Einmalige Chance nicht genutzt

Es ist sehr traurig, dass es nach Jahrzehnten der SPD-Herrschaft nicht gelungen ist, diese einmalige Chance zu nutzen, als CSU den Oberbürgermeister zu stellen. Ich hatte die Hoffnung, dass die grünen Wähler nicht der Wahlempfehlung ihrer Partei folgen und ihre Wahlentscheidung zugunsten von Josef Schmid treffen.

Elisabeth Schosser, Ex-Stadträtin

Unregierbarkeit im Rathaus

Josef Schmid wäre inhaltlich DER Oberbügermeister für München gewesen. Dieter Reiter wird sich jetzt mühsam im Stadtrat seine Mehrheiten zusammen suchen müssen. Da wird er die CSU brauchen. Ansonsten sehe ich eine Unregierbarkeit im Rathaus auf uns zukommen – zum Schaden der Stadt.

Helmut Pfundstein, Ex-Stadtrat

Mehr Einsatz geht nicht

Der Wähler hat entschieden. Mehr persönlichen Einsatz des Kandidaten und der Partei kann man nicht bringen. In München gibt es ein über Jahrzehnte gewachsenes rot-grünes Netzwerk, das schwer aufzubrechen ist.

Walter Zöller, CSU-Stadtrat

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