Die Wohnbaupläne der Kandidaten

OB-Wahl: Wer ist der beste Stadtbaumeister?

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Zwei Tonnen Klötze, 300 Steine und zehn Minuten Zeit für ein kleines Meisterwerk hatten die OB-Kandidaten.

München - Die OB-Kandidaten von SPD, CSU, Grünen und FDP haben mit Bauklötzen das Top-Thema des Wahlkampfs angepackt: den Wohnungsbau. Lesen und sehen Sie hier, wie sie das größte Problem der Münchner angehen wollen. 

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Bewohner schützen, Miet-Explosion stoppen – und vor allem bezahlbare Wohnungen bauen, bauen und nochmals bauen: Der nächste OB muss vor allem ein guter Baumeister sein! Darin sind sich alle Kandidaten einig, um den Druck von den Mieten zu nehmen. Für rund 60 000 Apartments ist in den Neubaugebieten noch Platz, dann muss der Bestand dichter bebaut werden. Aber wer ist der beste Architekt und Ingenieur?

Wir haben diese Frage ganz wörtlich genommen und aus dem Wahlkampf ein Bauspiel gemacht. Zwei Tonnen Klötze, 300 Steine und zehn Minuten Zeit für ein kleines Meisterwerk. Dabei durften die OB-Kandidaten ihre wichtigsten Forderungen unterbringen. Lesen und schauen Sie, wie Dieter Reiter (SPD), Josef Schmid (CSU), Sabine Nallinger (Grüne) und Michael Mattar (FDP) das größte Problem der Münchner angehen wollen. Stein auf Stein, Stein auf Stein – der Wahlkampf wird bald fertig sein!

Dieter Reiter (SPD): Günstig wohnen

Dieter Reiter baut Mietspiegel- und Sozialwohnungen, Bürotürme und eine „Piazza“.

Klötzchen raus – und los! Man spürt geradezu, wie SPD-Kandidat Dieter Reiter (55) eins wird mit den Bausteinen. „Vor allem will ich eine aufgelockerte Bebauung“, sagt er, greift zuerst zu den roten und grünen Klötzchen und formt eine eigene Siedlung. Hochhäuser zum Wohnen lehnt er ab. Die rechneten sich nicht, weil dafür am Boden umso mehr Platz frei gehalten werden muss. Ausnahme: „Architektonische Highlights“ für Büros oder Hotels am Stadtrand kann er sich vorstellen. Zum Wohnen mag er lieber Giebeldächer, begrünte Dächer und Abwechslung bei der Höhe der Häuser. So baut er auch: mal ein Stein hier, mal ein Quader da, Zylinder am Rand, geordnet, aber nicht alles in Reih und Glied. Dazwischen stellt er Wohnblocks, denn günstige Apartments müssten auch entstehen. „Im Jahr 2013 haben wir 8000 neue Wohnungen geschaffen und den städtischen Neubau bei Gewofag und GWG von 500 auf 1000 verdoppelt“, sagt Reiter, der die städtischen Gesellschaften mit mehr Eigenkapital etwa aus der Pensionsrücklage ausstatten will. Einen Namen will er seinem Viertel nicht geben. „Es reicht, wenn die Bewohner nach ein paar Jahren immer noch hier wohnen können.“

Josef Schmid (CSU): Sein Fünf-Punkte-Plan

Josef Schmid hat fünf Ideen: Bebauung verdichten, Gebäude aufstocken, Trassen einhausen, Einfamilienhäuser bauen, Verbindungen ins Umland verbessern.

Josef Schmid (44) geht streng nach Plan vor: Der CSU-Kandidat baut zu jeder seiner fünf wichtigsten Forderungen eine Szene. Erstens: Flächen sollen schneller und – wo gewünscht – dichter bebautwerden. „In der Bayernkaserne fordern die Bürger 5000 statt der geplanten 3000 Wohnungen.“ Zweitens: „Wo es Blockrandbebauung gibt, sollen Häuser aufgestockt werden. Es gibt Studien, nach denen so bis zu 300.000 Menschen unterkommen.“ Drittens: Schneisen wie die Lindauer A96 will er einhausen. „Darauf können Grünflächen oder Sportplätze entstehen.“ Wo die vorher waren, könnten Wohnungen gebaut werden. Viertens: Schmid will Familien in München halten und Gartenstädte retten. „Ich will keinen Wohnblock-Einheitsbrei.“ Einheimischen-Modelle soll es auch für bezahlbare Einfamilienhäuser und Doppelhaushälften geben. Erbpachtverträge könnten seiner Ansicht nach verhindern, dass die Häuschen für Millionen weiterverkauft werden. Fünftens: Die Beziehung zum Umland soll besser werden – nicht nur die politische. „Ich baue hier noch eine Straße hin. Aber dann muss da auch was gebaut werden.“

Sabine Nallinger (Grüne): Eine Heimat für 50.000 Münchner

Sabine Nallinger baut ein ganzes Viertel mit Tram, Einfallstraße mit Blockrandbebauung und Bürotürmen.

Häuschen, Burg, Palast? Mit Kinderkram hält sich die grüne Kandidatin Sabine Nallinger (50) nicht auf: Die studierte Stadtplanerin konstruiert ein Viertel für 50 000 Münchner samt Verkehrsplanung! „Erst mal eine Tram-Haltestelle“, legt sie los. Dann folgen ein Wohnblock, „städtebauliche Dominanten“, wie die Fachfrau Hochhäuser nennt, Blockrandbebauung wie in der Innenstadt – aber nicht zu hoch. „Ich glaube nicht, dass wir überall zwei Stöcke draufsetzen können.“ Nallinger will, dass 30 Prozent aller Mietwohnungen in städtischer Hand sind. „Nur so kann die Stadt die Entwicklung der Preise steuern.“ Dafür müssten aber Zehntausende Apartments neu gebaut werden! Das sei in 20 Jahren zu schaffen und koste die städtischen Gesellschaften „so gut wie gar nichts“. Schließlich zahlten die Bewohner mit ihren Mieten die Baukredite ab.

Nallinger: „Wir schaffen lang anhaltende Werte für die Bürger, anders als Autotunnels, die nur viel Geld kosten.“ Geschäfte im Erdgeschoss sollen Leben ins Viertel bringen. Am Schluss setzt sie ein grünes Dach auf – und ein rotes.

Michael Mattar (FDP): 80 Mio. Euro Wohngeld

Ein Palast und ein Wohnturm: Michael Mattar würde gern im 20. Stock leben.

Erster Stein, erster Spruch: „Ich versuche, die roten und grünen Klötze nicht zu verwenden, denn die sind nicht stabil“, unkt FDP-Kandidat Michael Mattar (60). Und beschwert sich gleich, dass zuwenig gelbe Steine da sind! In seinem echten Miet-Programm verspricht Mattar ein eigenes Wohngeld der Stadt: „Wir wollen 80 Millionen Euro im Jahr investieren.“ Die Stadt soll auf den Bau der 600 teuersten ­Sozialwohnungen verzichten, um mit dem Geld rund 20 000 Haushalten drei bis fünf Euro pro Quadratmeter zuzuschießen – je nach Einkommen. „Keiner soll mehr als 25 bis 30 Prozent seines Einkommens für die Miete zahlen“, sagt Mattar. Bislang richte sich die Förderung kaum an die Mittelschicht. Das Wohngeld sei bei der vorherrschenden Marktlage auch kein Subventionsprogramm für die Vermieter. „Der Königsweg bleibt aber, massiv mehr und viel schneller neu zu bauen“, sagt Mattar und errichtet einen bunten Palast und einen Wohnturm. Warum nicht im 20. Stock in luftiger Höhe leben? „Wenn ich mir das leisten könnte, würde ich gern da oben wohnen.“ Sagt’s, lacht, haut auf die Tischplatte – und der Palast kracht halb ein …

David Costanzo

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