Geringe Wahlbeteiligung

Alt-OB Kronawitter: "Das ist eine Katastrophe"

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Alt-OB Georg Kronawitter.

München - Er hat vor 30 Jahren die einzige Stichwahl erlebt – und gewonnen: Georg Kronawitter (85, SPD). In der tz spricht der Alt-OB über die anstehende Stichwahl zwischen Dieter Reiter und Josef Schmid.

Er hat vor 30 Jahren die einzige Stichwahl erlebt – und gewonnen. Im Duell der OBs holte Georg Kronawitter (85, SPD) erst 48 Prozent gegen 44 Prozent des damals amtierenden und mittlerweile verstorbenen Erich Kiesl (CSU). In der Stichwahl waren es dann klare 58 zu 42 Prozent. In der tz spricht der Alt-OB über die Stichwahl.

Grüß Gott, Herr Kronawitter, was raten Sie Ihrem Genossen Dieter Reiter – und vielleicht CSU-Herausforderer Josef Schmid?

Georg Kronawitter: Jetzt muss man seine Position massiv und sauber vertreten, sich abgrenzen und deutlich machen, welche Gegensätze es gibt. Bei mir war es aber eine andere Art von Stichwahl. Das war eine Abwahl des amtierenden OBs!

Gehören dazu auch persönliche Angriffe?

Kronawitter: Das ist heute fast nicht mehr üblich. Zu meiner Zeit schon. Da habe ich Sachen gesagt, die kann ich jetzt nicht wiederholen. Aber es war nicht harmlos!

Waren Sie zwischen den Wahlen sehr aufgeregt?

Kronawitter: Nein. Willy Brandt hat mich angerufen. Er fürchtete, dass die Skifahrer am Sonntag daheim bleiben und zur Stichwahl gehen, wie Kiesl hatte verlauten lassen. Brandt sagte: Da wirst Du nicht leicht gewinnen! Da hab ich geantwortet: Willy, du kannst ohne Sorge sein, ich werde ein großes Ergebnis bekommen! Er kam sogar noch nach München.

Würden Sie das den Parteien jetzt auch raten?

Kronawitter: Da hat sich vieles sehr verändert. Ich möchte den Verantwortlichen nicht dazwischen funken.

Damals zogen die Grünen mit 7,9 Prozent in den Stadtrat ein. Bekamen Sie von denen Unterstützung?

Kronawitter: Keine. Die hab ich auch nicht gewollt. Denn ich wusste, ich schlag den Kiesl auf jeden Fall.

Bei Ihnen war die Lage ganz anders. Die CSU war um acht Punkte eingebrochen, die SPD war mit vier Punkten im Aufwind. Jetzt ist es anders herum. Macht Ihnen das Sorgen?

Kronawitter: Nein. Man weiß, dass die Grünen es sehr schwer hätten, einen konservativen Mann zu wählen. Schmid hat zwar vieles moderner gemacht, aber das ist nicht gefestigt in der CSU. Der ist als Einzelperson vorangeprescht.

Warum ist die SPD abgestürzt? Gab es Fehler?

Kronawitter: Fehler macht man immer. Die Frage ist, in welcher Größenordnung. Mehr möchte ich nicht sagen.

Was halten Sie von der Wahlbeteiligung bei 42 Prozent?

Kronawitter: Eine Katastrophe! Die Leute wenden sich immer weniger der Politik zu. Die haben viele andere Probleme, aber auch viele Bequemlichkeiten.

Bei Ihnen stieg die Beteiligung auf über 70 Prozent. Glauben Sie das jetzt auch?

Kronawitter: Es wird eine höhere Beteiligung geben als jetzt.

Gewinnt Reiter?

Kronawitter: Wichtig war, dass er vorne liegt. Wenn das anders gewesen wäre und die SPD sackt ab, dann wäre das schwierig geworden. So wird er klar vorne sein.

Interview: David Costanzo

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