SPD-Kronprinz gewinnt die Stichwahl deutlich

Reiter ist der neue Ude

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Der nächste Oberbürgermeister der Stadt München steht seit gestern Abend fest: Dieter Reiter (55), SPD. "Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll", sagt er als erstes. Neben ihm geht sein Amtsvorgänger und Parteikollege Christian Ude.

München - Der nächste Oberbürgermeister der Stadt München steht seit gestern Abend fest: Dieter Reiter (55), SPD. "Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll", sagt er als erstes.

Auf der Leinwand im Oberangertheater schaltet das Fernsehen noch einmal live zur CSU rüber. Die 250 Genossen buhen! Da rollt sich die Leinwand schon hinauf, die SPD wickelt ihren politischen Gegner einfach ein, Jubel brandet auf. Der nächste Oberbürgermeister der Stadt steigt auf die Bühne, es ist einer von ihnen – Dieter Reiter (55)! Der Rest ist Begeisterung.

„Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll“, sagt Reiter als erstes. „Dieter! Dieter! Dieter!“, rufen seine Anhänger. Er schaut in die Menge umklammert das Mikrofon mit beiden Händen. 20.000 Rosen hat er verteilt, seine Partei hat vor zwei Wochen einen historischen Einbruch erlebt, Rot-Grün hat die Mehrheit verloren im Stadtrat. Jetzt 56,7 Prozent! Die SPD war sich nicht sicher, dass Reiter das schafft. Der sagt: „Das ist ein unglaublicher Tag!“ Er kämpft sich durch hunderte Umarmungen zu den Interviews, lässt sich erst einmal ein Bier bringen. Als er seiner Frau Petra (52) dankt, versagt ihm die Stimme.

Es werden noch harte Wochen, bis am 2. Mai seine Vereidigung ansteht. Die Grünen gehen selbstbewusst in die Gespräche, sie haben gewonnen, die SPD verloren. „Die Wähler erwarten eine stärkere grüne Handschrift“, sagt die grüne Spitzenkandidatin Sabine Nallinger (50) an. „Ich bin mir sicher, dass wir den Radweg in der Rosenheimer Straße recht bald einweihen.“ Reiter hat den Grünen die führende Rolle beim Thema Verkehr versprochen.

Dieter Reiter: Münchens neuer OB in Bildern

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Und was wird aus Nallingers führender Rolle? Sie hat an Macht gewonnen, war mit ihrer Wahlempfehlung Reiters Königsmacherin und dürfte die neue 2. Bürgermeisterin werden. Reiter will dazu nichts sagen, aber er will sie bei seiner Dankesrede schon auf die Bühne holen. Die bisherige SPD-Bürgermeisterin Christine Strobl steht auch oben. Sie droht zur 3. Bürgermeisterin degradiert zu werden. Doch sie sagt einen vielleicht wegweisenden Satz: „Ich möchte weiter freie Hand in meinem Bereich haben.“ Das Soziale ist ihr wichtiger als der Posten.

Es sind überhaupt viele Grüne gekommen zum Mitfeiern – die Stadt-Vorsitzenden, Fraktionschefs, Stadträte. Genossen und Ökos: Viele sind befreundet, alle glücklich, sie bejubeln sich gegenseitig. Die Koalition lebt weiter.

Aber sie braucht mindestens einen kleinen Partner. Linke? ÖDP? Piraten? Das werden die nächsten Wochen zeigen. Reiter legt sich nicht fest, Nallinger aber sagt: „Die ersten Gespräche waren zufriedenstellend.“

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OB Christian Ude (66) schaut sich das alles zufrieden an. Er hat seinen erklärten „Wunschnachfolger“ auf den OB-Sessel gehievt – ohne größere Zerwürfnisse, die nach 21 Jahren an der Stadtspitze denkbar gewesen wären. Nein, nein. Ude gibt zwar wieder erst einmal dem politischen Gegner recht. Münchens CSU-Chef Ludwig Spaenle habe zutreffend festgestellt: „Die Ära Ude geht zu Ende.“ Aber er habe vergessen, hinzuzufügen: „Dann kommt die Ära Reiter. Das feiern wir heute!“

David Costanzo

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