Nach Ude Ära

Rote Festung München gerät ins Wanken

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Christian Udes Nachfolger wird in der Stichwahl ermittelt.

München - Alle Augen richten sich auf München. Wer wird die Stadt nach der Ära Ude regieren? Die rote Festung wankt.

Die rote Festung im schwarzen Bayern scheint nicht mehr uneinnehmbar: In München verliert die SPD womöglich erstmals seit zwölf Jahren ihre Mehrheit im Stadtrat, und Josef Schmid hat sich als erster CSU-Kandidat Josef Schmid seit 30 Jahren bei den Oberbürgermeisterwahlen in die Stichwahl gekämpft. Er hat damit eine reelle Chance, das Rathaus zu erobern. Sein Gegenkandidat Dieter Reiter liegt zwar vorne - aber nicht viel: Nur etwa vier Prozentpunkte trennten die beiden am Sonntagabend nach fast vollständiger Auszählung.

Hoffen kann Reiter in der Stichwahl allerdings auf Leihstimmen der Grünen, deren Kandidatin Sabine Nallinger es nicht in die Stichwahl geschafft hat.

Bilder von der Kommunalwahl in München

Kommunalwahl: Die Bilder vom Wahlabend

Gut zwei Jahrzehnte hatte in der Landeshauptstadt uneingeschränkt Christian Ude regiert. Vor sechs Jahren holte der prominente SPD-Politiker mit 66,8 noch eine satte Zwei-Drittel-Mehrheit und schickte Herausforderer Schmid mit schmählichen 24,4 Prozent vom Platz. Doch Ude durfte dieses Mal aus Altersgründen nicht mehr kandidieren.

„Ich bin sehr erleichtert und freue mich sehr“, sagt er nach den ersten Wahlprognosen trotzdem, mit väterlichem Blick auf seinen Wunschkandidaten Reiter schauend. „Die Aussichten für die Stichwahlen sind glänzend“, meint er. Die CSU sei in Sachen OB-Wahl deutlich in ihre Schranken gewiesen worden. Dass es tatsächlich nicht ganz so klar ist, ließ Ude aber doch erkennen. „Es ist beim ersten Mal ja immer am schwersten“, sagt er milde über seinen Kronprinzen Reiter.

Stark präsentieren sich die Grünen. OB-Kandidatin Nallinger holte aus dem Stand nach Auszählung von fast allen 1022 Stadtgebieten 14,7 Prozent. Vor sechs Jahren hatte ihr Vorgänger, der damalige Grünen-Spitzenkandidat Hep Monatzeder, nur 3,4 Prozent bekommen. „Historisch“ nennt Nallinger das am Wahlabend, auch wenn sie einräumt, Schwierigkeiten gehabt zu haben, gegen ihre Konkurrenten Gehör zu finden. Ob die Grünen nun eine offizielle Wahlempfehlung für das Stechen zwischen Reiter und Schmid ausgeben wollen, hält sie aber offen. Am Donnerstag will die Partei darüber entscheiden.

Richtig wankt die SPD im Münchner Rathaus - dort muss sie um ihren Rang als stärkste Fraktion bangen. Nach Auszählung von mehr als 800 der 1022 Stadtgebiete holte die CSU am Sonntag 34,4 Prozent und liegt damit klar vor der SPD mit 31,8 Prozent. Bei der Wahl vor sechs Jahren hatten die Sozialdemokraten noch einen satten Vorsprung von 12 Prozentpunkten gehabt.

Auch die Grünen sahnen ab: Mit 15,7 Prozent fahren sie das weitaus beste Ergebnis seit ihrer ersten Kandidatur bei der Stadtratswahl 1984 ein. Damals war auch zuletzt ein Oberbürgermeister in einer Stichwahl ermittelt worden: Der CSU-OB Erich Kiesl wurde gegen seinen Vorgänger Georg Kronawitter von der SPD abgewählt. Kiesl war der bisher einzige schwarze Oberbürgermeister in der Münchner Nachkriegsgeschichte. Kronawitter hatte das Rathaus 1978 an ihn abgeben müssen, aber eben nur für eine Amtsperiode. Dann holte er es mit der wieder erstarkten SPD zurück.

Für Reiter, der als neuer Wiesn-Chef im vergangenen Jahr viel Gelegenheit für schöne Fotos und öffentlichkeitswirksame Auftritte hatte, ist das Ergebnis vom Sonntag ein Grund, „stolz“ zu sein. Das sagt er zumindest den Journalisten im Kreisverwaltungsreferat. Die Wahl habe gezeigt, dass die Bürger an einer „erfolgreichen Regierung“ und einem „modernen, weltoffenen München“ festhalten wollten.

Doch Konkurrent Schmid will alles andere als klein beigeben. „Wir haben an Vertrauen gewonnen“, sagt er und spricht von einem „Bündnis mit den Bürgerinnen und Bürgern“. „Wir bieten ein neues Denken an“, sagt er und betont mit Blick auf die anstehende Stichwahl: „Das hat es seit 30 Jahren nicht gegeben. Das ist schon historisch.“

dpa

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