Nallinger hilft SPD-Kandidat

Stichwahl: Grüne unterstützen Dieter Reiter

+
Dieter Reiter (SPD) hat die Grünen erfolgreich umgarnt: Sabine Nallinger unterstützt ihn.

München - Schützenhilfe für die SPD im Kampf um den Münchner Oberbürgermeister-Posten: Die Grünen empfehlen ihren Anhängern bei der Stichwahl am übernächsten Sonntag die Wahl des SPD-Kandidaten Dieter Reiter.

Die Grünen können stundenlang um das richtige Bio-Essen an Schulen streiten – bei der Frage nach dem nächsten OB ist sich die Basis praktisch ohne Debatte einig. Sabine Nallinger (50) und die Grünen unterstützen SPD-Kandidat Dieter Reiter (55)! Er hat bei der Stadtversammlung der Öko-Partei im Fürstenrieder Bürgersaal um Stimmen geworben – und die rund 250 Mitglieder haben sich bei nur einzelnen Gegenstimmen für eine Wahlempfehlung ausgesprochen. Rot-Grün geht geschlossen in die Stichwahl!

Werden die Grünen zu den Königsmachern? Reiter holte im ersten Wahlgang 40,4 Prozent und geht als Favorit in die Stichwahl am 30. März. CSU-Kontrahent Josef Schmid (44) erzielte 36,7 Prozent. Nallinger wirft 14,7 Prozent in die Waagschale – genau 66 679 Wähler. Sie könnten Reiter in den OB-Sessel hieven – und Rot-Grün kann mit den Mini-Parteien über ein Bündnis verhandeln.

Es ist wie unter Freunden: Reiter tritt demütig und verbindlich auf – und bekommt viel Applaus. Er hat nicht nur seine ganze Mannschaft dabei – Parteichef, Referenten, Sprecherin, Stadträte. Sondern auch konkrete Versprechen im Gepäck: Verlängerung der Fußgängerzone in der Sendlinger Straße, Radl-Parkhäuser und sogar das grüne Herzensprojekt, den Radweg in der Rosenheimer Straße. Jubel! „Zu Freunden bringt man Geschenke mit“, sagt Reiter. Die Grünen sollten unter ihm als OB beim Thema Verkehr die führende Rolle spielen. Dazu Solardächer, Wohnungen und garantiert keine dritte Startbahn.

Kommunalwahl: Die Bilder vom Wahlabend

Kommunalwahl: Die Bilder vom Wahlabend

Von Hosenträgerschnalzen keine Spur. „Wir haben Fehler gemacht und die Quittung bekommen“, sagt Reiter über das SPD-Debakel. Den Grünen wolle er auf Augenhöhe begegnen. „Ihr habt gewonnen, wir verloren.“ Das werde sich auch beim Personal widerspiegeln. Macht er Nallinger zur 2. Bürgermeisterin – und degradiert Genossin Christine Strobl­ zur 3.?

Eine Große Koalition lehnt er ab: „Die CSU träumt immer noch den Traum von der autogerechten Stadt. Aber wir brauchen eine Politik für Menschen, nicht für Autos“, sagt Reiter und erntet Gejohle. „Die Zukunft ist Rot-Grün und nicht Schwarz-Rot!“

Und was ist mit Schwarz-Grün? Für die CSU gab es auch vom Grünen-Stadtvorstand Sebastian Weisenburger nur Spott: „Hat jemand hier im Saal einen Anruf von Seppi Schmid bekommen?“ Keiner meldet sich. „Seht ihr. Das ist der Mann der so gern Schwarz-Grün hätte…“

Sabine Nallinger fand Reiters Rede „sehr überzeugend“ und kündigte „robuste Koalitionsverhandlungen“ an. „In dieser Stadt wird man merken: Ja, sie ist grün!“ Allerdings hat Rot-Grün-Rosa nur 39 von 40 nötigen Stimmen im Stadtrat. Die Grünen wünschen sich darum Gespräche mit den je zwei Stadträten von ÖDP und Linke sowie den beiden Vertretern von Piraten und HUT.

David Costanzo

Auch interessant

Kommentare