Wahl-Wirrwarr in Geiselhöring

Erntehelfer entscheiden Wahl - Behörden ermitteln

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Echte CSU-Anhänger: Erntehelfer aus Osteuropa

Straubing - Mit gutem Willen könnte man die Kommunalwahl von Geiselhöring unter dem Gesichtspunkt des geglückten gesamteuropäischen Denkens abhaken. Weniger positiv gestimmte Menschen nehmen das Wort Wahlbetrug in den Mund.

Mit gutem Willen könnte man die Kommunalwahl von Geiselhöring (Kreis Straubing-Bogen) unter dem Gesichtspunkt des geglückten gesamteuropäischen Denkens abhaken. Weniger positiv gestimmte Menschen nehmen das Wort Wahlbetrug in den Mund. Die bisherigen Fakten: Bei der Wahl vor drei Wochen lag der amtierende Bürgermeister Bernhard Krempl (61) in Führung. „Da wird nichts mehr anbrennen“, dachte sich der Spitzenkandidat der Freien Wähler. Tja, denkste! Denn dann kam ein Briefwahlbezirk, in dem die CSU atemberaubende Ergebnisse erzielte. Besonders einige schnitten toll ab: Dr. Rosemarie Baumann, Unternehmerin und Mitinhaberin des gleichnamigen Spargelbetriebs, deren Nachbarn, eine Frau aus der Firma, ein Cousin und auch noch der Freund der Tochter. Und selbstverständlich der CSU-Kandidat für den Topposten im Rathaus, Herbert Lichtinger. Der zog am Amtsinhaber mit einem Vorsprung von 303 Stimmen vorbei. Seither rätseln in Geiselhöring die Leute, was hier eigentlich passiert ist …

Klar ist, dass Erntehelfer aus Polen und Rumänien für den CSU-Sieg mitverantwortlich sind. 482 sollen aufgrund ihres hiesigen Lebensmittelpunkts stimmberechtigt gewesen sein, 465 nahmen ihre Bürgerpflicht wahr, was einer Wahlbeteiligung von 97 Prozent entspricht. Und alle wohnen sie in Unterkünften des Bauern Baumann.

Der unterlegene Bürgermeister Krempl ließ wegen der Auffälligkeiten die Wahl anfechten, mit Stadtratskandidaten der Freien Wähler. Seither herrscht Unruhe in der 7000-Einwohner-Gemeinde im Zentrum eines Städtedreiecks, das von Landshut, Regensburg und Straubing gebildet wird. Staatsanwaltschaften ermitteln, das Landratsamt und das Bayerische Landeskriminalamt, das sich die Kreuzerl und Unterschriften wegen Verdachts der Manipulation genau ansieht. Ein Ergebnis gibt es: Demnach, so berichtet Birgit Fischer-Rentel, die Leiterin der kommunalen Wahlaufsicht, würden sich Schrifttypen auf den Wahlzetteln der CSU-Stimmen immer wieder wiederholen.

Der Mann, um den sich die Angelegenheit dreht, sieht eine „Hetzkampagne gegen meine Frau und mich“. Es ist Karl Baumann, in Geiselhöring im Spargelgeschäft die Nummer eins und wegen der Entwicklung „sehr traurig“. Er unterscheidet zwischen Saisonarbeitern, die nicht wählen dürfen, und Landarbeitern, die bei seinem Unternehmen angestellt sind. Für eben diese Landarbeiter wurden die Briefwahlunterlagen beantragt. „Wie ein Lauffeuer ist das rumgegangen, dass sie wählen dürfen.“

Ein Lauffeuer, das sich zum Flächenbrand entwickeln könnte, denn derzeit wird untersucht, ob jemand anderes als die oder der Wähler die Stifte führte. Und ob die osteuropäischen Nachbarn überhaupt hätten abstimmen dürfen...

mc

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