Roger Moore ist tot: James-Bond-Darsteller an Krebs gestorben 

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Marcel lag tot in seiner Wohnung

OB-Kandidat trauert um Sohn (25)

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Wolfgang Zeilnhofer-Rath trauert um seinen Sohn.

München - Dramatischer Schicksalsschlag für den OB-Kandidaten der Wählergruppe "HUT": Wolfgang Zeilnhofer-Raths Sohn Marcel wurde tot in seiner Wohnung aufgefunden. Todesursache: Zuckerschock!

Am Montag vor einer Woche hat Wolfgang Zeilnhofer-Rath (52) noch einen großen Erfolg gefeiert: 1375 Münchner hatten für den Mann mit dem Hut unterschrieben, jetzt konnte der Gründer der Wählergruppe HUT als Oberbürgermeister-Kandidat ins Rennen gehen. Doch mitten in der freudigen Stimmung ereilte den Gastronomen und Streetworker ein dramatischer Schicksalsschlag: Sein Sohn Marcel war tot in seiner Wohnung gefunden worden. Todesursache: Zuckerschock (siehe Text unten)! Er wurde nur 25 Jahre alt.

Die Feuerwehr hatte am Montagvormittag Marcels Wohnung im zwölften Stock eines Hochhauses in Ramersdorf geöffnet. „Seine Freunde hatten sich Sorgen gemacht, weil sie nichts mehr von ihm gehört hatten. Sie hatten sich am Abend zuvor treffen wollen“, sagt Wolfgang Zeilnhofer-Rath gegenüber der tz.

Für Marcel kam jede Hilfe zu spät. „Mein Sohn hatte Diabetes Typ 1 und musste sich ständig spritzen“, sagt sein Vater Wolfgang. Der Arzt habe ihm erklärt, dass Marcel wohl in einen Unterzucker geraten war und sich dann möglicherweise zuviel Insulin gespritzt habe. „Erst seit vier, fünf Jahren war uns seine Krankheit bekannt.“

Welt, lass dich umarmen: Marcels Tod hat seinen Vater Wolfgang, seine Mutter und Freunde in tiefe Trauer gestürzt.

Jetzt ist nichts mehr, wie es war. „Neben Verzweiflung, Wut und Trauer beschäftigen mich in den vergangenen Tagen immer mehr die essentiellen Fragen in meinem Leben“, schreibt der Hut auf der Internetseite der Wählergruppe. „Ich habe intensiv darüber nachgedacht, alles hinzuschmeißen. Aber das hätte mein Sohn nicht gewollt“, erklärt Wolfgang Zeilnhofer-Rath die Beweggründe, warum er als OB-Kandidat weitermacht. „Marcel wird mir dabei über die Schulter schauen.“ Vater und Sohn verband nicht nur große Zuneigung, sondern auch die politische Arbeit. Makaber: Marcel Maximilian Maria Rath, wie der junge Mann mit vollem Namen hieß, steht weiter auf der Stadtratsliste der Wählergruppe HUT. Auch nach seinem Tod kann er nicht von der Liste gestrichen werden.

Am vergangenen Freitag wurde Marcel, der eine Ausbildung zum Restaurantfachmann gemacht hatte, auf dem Ostfriedhof zu Grabe getragen. Auf dem Sterbebild stehen die Zeilen: „Trotz allem. Ein Krieger des Lichts auf dem Weg ins Licht“

Das Fuchsberger-Drama

Der Tod von Marcel Rath erinnert an das Schicksal von Thommy Fuchsberger, der am 14. Oktober 2010 im oberfränkischen Kulmbach vermutlich in Folge eines Zuckerschocks ertrank.

Der 1957 in München geborene Sohn des Entertainers und Schauspielers Joachim Fuchsberger war an jenem Abend in der Akademie für Neue Medien bei einer Talkshow mit BR-Legende Dietmar Gaiser zu Gast. Auf dem Fußweg ins Hotel hatte Fuchsberger offenbar im Unterzucker die Orientierung verloren und stürzte in den zwei Meter tiefen Mühlbach. Sein Leichnam wurde am nächsten Tag gefunden.

Thomas Michael Fuchsberger war Schlagersänger, Komponist, Regisseur, Fotograf und Autor. Unter anderem hatte er als freier Fotograf für die tz gearbeitet. Er ließ seine Erfahrungen mit Diabetes sowie seine Reiseerlebnisse in Kochbücher für Diabetiker einfließen. Sein Grab befindet sich auf dem Grünwalder Waldfriedhof.

Das ist die Wählergruppe HUT

Die Wählergruppe HUT ist ein Zusammenschluss mehrerer Bürgerinitiativen wie dem Bündnis Bezahlbares Wohnen, dem Bündnis Gartenstadt München, den Freunden des Josephsplatzes oder dem Bündnis für mehr Ganztagsbetreuung. HUT steht für „humanistisch, unabhängig und tolerant“. Diese Liste, die mit ihrem OB-Kandidaten Wolfgang Zeilnhofer-Rath antritt, will ohne Umwege über die Parteien Initiativen aus der Bevölkerung direkt in den Stadtrat einbringen.

OB-Kandidat und Listenführer Zeilnhofer-Rath ist Sozialpädagoge, Bühnentechniker, DJ und Türsteher, er betreute Strichjungen und ist an einer Kneipe in der Pestalozzistraße beteiligt. Bei der Unterschriftensammlung für die Wahlteilnahme wurden die 1000 notwendigen Unterschriften um mehr als 400 überschritten – das ist Rekord unter den neuen Bewerbern.

Insulin: Dosierung kann tückisch sein

Das Diabetes-Drama um Marcel: Eine Volkskrankheit riss ihn aus dem Leben. Der junge Mann starb an den Folgen einer sogenannten Typ-1-Diabetes. Nur fünf Prozent oder 30 000 aller sechs Millionen Zuckerkranken in Deutschland leiden unter dieser selteneren Form, die meisten werden dem Typ 2 zugeordnet. In der tz erklärt Prof. Dr. Martin Halle, was die beiden Diabetes-Varianten unterscheidet und warum Typ 1 so tückisch sein kann. Halle ist ärztlicher Leiter des Zentrums für Prävention und Sportmedizin der TU München und gehört dem Gesundheits-Ratgeberteam der tz an.

Was ist Diabetes?

Professor Dr. Martin Halle: Die Gehirnzellen brauchen eine bestimmte Menge an Zucker, um funktionieren zu können. Als Transportmittel dient das Blut, und zwei Hormone, die in der Bauchspeicheldrüse gebildet werden, steuern die Lieferung: Glukagon erhöht den Blutzuckerspiegel, Insulin senkt ihn. Bei Diabetikern ist dieser Regulierungsprozess gestört. Man unterschiedet zwischen zwei Formen: Beim Typ 2 schafft es das Insulin nicht, an die Körperzellen anzudocken und seine blutzuckersenkende Wirkung zu entfalten. Beim Typ 1 kann die Bauchspeicheldrüse gar kein Insulin produzieren.

Warum ist Diabetes so gefährlich?

Halle: Wenn der Blutzuckerspiegel stark erhöht ist, dann wird den Körperzellen Flüssigkeit entzogen. Vereinfacht gesagt dörren sie immer mehr aus und sterben ab. Weil auch die Gehirnzellen betroffen sind, können die Patienten ins Koma fallen, schlimmstenfalls sterben.

Wie können sich Patienten dagegen wappnen?

Diabetes-Experte Prof. Dr. Martin Halle.

Halle: Die meisten Typ-2-Diabetiker können mit Tabletten gut leben. Aber Typ-1-Patienten müssen sich nach jeder Mahlzeit Insulin direkt ins Unterhautfettgewebe spritzen – meist in den Bauch oder in den Oberarm. Das Problem dabei ist die Dosierung. Man muss immer abschätzen, wieviel Insulin der Körper gerade braucht. Das hängt von verschiedenen Faktoren ab: ob man beispielsweise einen kalorienreichen Kuchen oder nur Salat gegessen hat. Ob man Sport gemacht und dabei Zucker verbraucht hat. Oder ob der Blutzuckerspiegel stressbedingt erhöht ist. Das alles muss der Patient berücksichtigen, bevor er entscheidet, wieviel Insulin-Einheiten er sich verabreicht.

Was kann passieren, wenn sich ein Diabetiker versehentlich zu viel Insulin spritzt?

Halle: Dann droht ein sogenannter Zuckerschock, der tödlich enden kann.

Auch Marcel ist offenbar an den Folgen eines Zuckerschocks gestorben. Was geschieht bei dieser Kettenreaktion genau?

Halle: Der Begriff Zuckerschock lässt viele Laien irrtümlich annehmen, dass sich zu viel Zucker im Körper befindet. Das Gegenteil ist aber der Fall: Der Patient fällt in eine schwere Unterzuckerung. Seine Gehirnzellen bekommen nicht mehr genügend Energie und können dadurch ihre lebenswichtigen Steuerungsfunktionen nicht mehr erfüllen. Der Diabetiker fällt ins Koma, und wenn er nicht rechtzeitig behandelt wird, dann stirbt er.

JAM / Interview: Andreas Beez

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