Provokationen zu See

Konflikt zwischen Russland und Ukraine verschärft sich

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Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko nimmt zusammen mit seiner Frau Marina sowie seinen Amtskollegen aus Lettland, Raimonds Vejonis (l), und der Slowakei, Andrej Kiska (r), in Kiew an einer Gedenkveranstaltung zur Hungersnot vor 86 Jahren teil. Foto: Mykola Lazarenko/Presidential Press Service/AP

Zwischen Moskau und Kiew weht ein eisiger Wind. Das Verhältnis ist seit der russischen Annexion der Halbinsel Krim zerrüttet. Versöhnliche Töne gibt es nicht. Nun sorgt ein Zwischenfall auf dem Meer für neue Spannungen.

Moskau/Kiew (dpa) - Der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine droht erneut zu eskalieren. Die ukrainische Marine teilte mit, dass ein Schiff des russischen Grenzschutzes einen Marineschlepper der Ukraine gerammt habe.

Ein Motor und der Rumpf des Schiffes seien dabei beschädigt worden. Russland bestätigte dies zunächst nicht. Nach ukrainischer Darstellung gab es auch Verletzte. Russische Grenzschützer sollen demnach am Sonntagabend auf Boote der ukrainischen Marine geschossen haben. In einer Mitteilung der Behörden in Kiew war von zwei Verletzten die Rede.

Kiew hatte nach dem angeblichen Vorfall zwei weitere Schiffe zur Straße von Kertsch geschickt, einer Meerenge zwischen dem Schwarzen und dem Asowschen Meer. Russland sperrte die Durchfahrt komplett ab.

Zuvor wollten die drei ukrainischen Schiffe die Meerenge passieren, was Russland als Provokation deutete. Das Nachbarland wolle eine "Konfliktsituation" schaffen, zitierten Medien eine Stellungnahme der russischen Behörden. Es würden alle Schritte unternommen, um eine Provokation zu verhindern. Russland warf demnach der ukrainischen Marine vor, die russische Grenze ohne Erlaubnis passiert zu haben. Kiew dementierte. Die Russen sprachen von "gefährlichen Manövern".

In Kiew hieß es den Angaben nach, Moskau verstoße gegen das UN-Seerechtsübereinkommen und den Vertrag zwischen der Ukraine und Russland zur Nutzung des Asowschen Meers und der Straße von Kertsch. Die Schiffe waren demnach in der Nacht zum Sonntag auf dem Weg von der ukrainischen Hafenstadt Odessa nach Mariupol am Asowschen Meer.

Das Asowsche Meer nordöstlich der Halbinsel Krim entwickelt sich seit Monaten zu einem weiteren Schauplatz des Konflikts der Nachbarländer. Das Verhältnis ist wegen der 2014 von Russland annektierten Krim und der Ostukraine, wo Moskau aus westlicher Sicht die prorussischen Separatisten militärisch unterstützt, zerrüttet.

Kiew hatte angekündigt, die Präsenz der Marine im Asowschen Meer zu erhöhen. In den vergangenen Monaten hatten beide Seiten Fischkutter in dem Meer festgesetzt und beschlagnahmt. Am Sonntag soll Moskau auch zwei Kampfhubschrauber dort eingesetzt haben. Die Agentur Interfax berichtete, es sollten russische Kampfflugzeuge auf der Krim stationiert werden. Auf Bildern war zu sehen, dass ein großes Frachtschiff direkt unter der Brücke zur Halbinsel quer im Wasser stand und so die Durchfahrt blockierte.

Zuvor hatte Kiew den Ton gegenüber Moskau verschärft. Das Justizministerium entzog dem Patriarchat der Russisch-Orthodoxen Kirche in Moskau das Nutzungsrecht für das orthodoxe Kloster Potschajiw in der Westukraine. Diese Übergabe sei "gesetzeswidrig" gewesen, hieß es. Das Moskauer Patriarchat warnte daraufhin: "Diese Entscheidung deutet auf den Beginn einer Verfolgung von orthodoxen Mönchen in der Ukraine hin."

Am Samstag hielt der ukrainische Präsident Petro Poroschenko bei einer Gedenkfeier für die Opfer der großen Hungersnot der Jahre 1932/33 Russland erneut vor, als Rechtsnachfolger der Sowjetunion die historische Verantwortung für die mehreren Millionen Toten zu tragen. "Dieses Verbrechen hat keine Verjährungsfrist." Russland habe jüngst erneut die Ukraine angegriffen. Doch diesmal werde es dem Kreml nicht gelingen, das Rad der Geschichte zurückzudrehen, sagte Poroschenko.

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