Kritik reicht bis zur Rücktrittsforderung

Kreuth: Mit harten Sprüchen sägt die CSU an Merkels Stuhl

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Verhältnis "angeknackst": CSU-Chef Horst Seehofer (l) und Angela Merkel (CDU).

Wildbad Kreuth - Bei zweistelligen Minusgraden in den Nächten war es in Kreuth extrem frostig. Genauso eiskalt ist die Atmosphäre zwischen der CSU und Kanzlerin Angela Merkel beim Thema Flüchtlinge.

So eine Klausur in den Bergen hat ihre Vorteile. Man ist in der Einsamkeit ungestört und kann sich aufs Wesentliche konzentrieren. Und gibt es was von der CSU-Klausur Wildbad Kreuth zu verkünden, hallt es dann als Echo aus dem Tal. Das besorgten dann nicht die Bergwände, sondern Journalisten.

Die hatten in den letzten Tagen Sprüche von CSU-Politikern im Block notiert, die in den elf Jahren Kanzlerschaft von Angela Merkel (CDU) noch nie zu hören waren. Die Forderungen der CSU gehen bis zum Rücktritt.

"Sture Haltung der Kanzlerin"

"Wenn es in absehbarer Zeit nicht eine andere Flüchtlingspolitik gibt, dann gibt es in absehbarer Zeit eine andere Kanzlerin." So unverblümt wetterte CSU-Staatssekretär Georg Eisenreich gegen Merkel. Eine offene Drohung gegen die Kanzlerin aus der zweiten Reihe der CSU, die Landrat Martin Sailer in einem Gespräch mit dem BR noch toppte: "Ich fordere den Rücktritt, wenn sie diesen Kurs nicht ändert", holzte Sailer gegen Merkels Flüchtlingskurs. "Die nach wie vor sehr sture Haltung der Kanzlerin in Kreuth hat mich dazu bewogen, Klartext zu reden", sagte der Landrat. Tenor: Merkel ist selbst daran Schuld, weil sie an ihrer Politik festhält.

Seehofer: Verhältnis ist "angeknackst"

Auf der oberen Parteiebene äußert sich die CSU etwas gemäßigter. Doch auch dort ist der Frust über die Kanzlerin deutlich. Sein Verhältnis zu Merkel bezeichnete CSU-Chef Horst Seehofer als "angeknackst". Vor der Flüchtlingskrise hatte er Merkel noch über den grünen Klee gelobt und gefordert, sie solle erneut die Kanzlerkandidatin der Union werden. Dass es zwischen Seehofer und Merkel bald wieder passen wird, ist unwahrscheinlich. „Wir werden diese Begrenzung weiterhin massiv einfordern - politisch, und möglicherweise auch rechtlich", sagt Seehofer. Damit macht er klar, dass er beim Thema Flüchtlinge nicht klein begeben wird. Selbst Alt-CSU-Größe Edmund Stoiber wurde als Merkel-Kritiker aktiv: "Du machst Europa kaputt", schimpfte er gegen Merkel.

Dass ihre Forderungen aus Kreuth direkt ans Wahlvolk gelangen, das besorgen einige CSU-Politiker gleich über die sozialen Netzwerke. Beim Thema Obergrenze drängte CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer: "Die Österreicher machen's. Also müssen wir es auch machen." Dafür fing er sich die Retourkutsche von Jan Böhmermann ein. "Wenn uns Deutsche die Geschichte eines gelehrt hat, dann dass die Österreicher politisch immer die allergeilsten Ideen haben", schrieb der Kult-TV-Moderator.

Angela Merkel hat bisher auf die harte Kritik von der CSU nicht reagiert. "Aussitzen" war das Motto von Alt-Kanzler Helmut Kohl - auch bei Querschüssen aus München. Es scheint, als ob Merkel einen ähnlichen Weg geht...

mb

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