Opposition: "Unausgegorene Pläne"

Kritik am Vorstoß für eine Großelternzeit

+
Der Vorschlag einer "Großelternzeit" stößt nicht auf positive Resonanz.

Berlin - Die Suche nach Kita-Betreuungsplätzen bleibt in Deutschland schwierig. Doch der Vorstoß, im Interesse der Familien auch Großeltern für die Kindererziehung freizustellen, kommt nicht überall gut an.

Die von Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) geplante Erziehungszeit auch für Großeltern findet auf Seiten der Arbeitgeber wenig Zustimmung. Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Hans Heinrich Driftmann, erwartet von einer solchen Maßnahme Nachteile für die Unternehmen.

Wenn künftig Eltern und Großeltern nicht nur gleichzeitig, sondern auch nach eigenen Wünschen bis zum 14. Lebensjahr des Kindes Eltern- beziehungsweise Großelternzeit nehmen könnten, „dann erschwert das die Personalplanung gerade in mittelständischen Betrieben doch sehr“, sagte Driftmann der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“ (Freitag). Hilfreicher für Eltern und Unternehmen wäre es, „wenn endlich ausreichend Betreuungsplätze geschaffen würden“, sagte Driftmann.

Am Donnerstag war der Vorstoß Schröders im Detail bekannt geworden. Demnach sollen Großeltern zur Betreuung ihrer Enkel einen Anspruch auf Teil- oder Auszeit am Arbeitsplatz bekommen. Angedacht ist eine Freistellung von bis zu drei Jahren. Die Pläne orientieren sich an der bestehenden Elternzeit.

So funktioniert das Betreuungsgeld

Eltern sollen künftig ein Betreuungsgeld erhalten, wenn sie für ihre Kinder zwischen dem 13. und 36. Lebensmonat kein staatlich gefördertes Angebot in einer Krippe oder bei einer Tagesmutter in Anspruch nehmen. © dpa
Die Kritiker sprechen von einer “Fernhalteprämie“ oder “Herdprämie“, die Koalition von “Wahlfreiheit“ bei der Kinderbetreuung. © dpa
Das Betreuungsgeld soll ab 1. Januar 2013 zunächst nur für Kinder im zweiten Lebensjahr mit 100 Euro monatlich starten. © dpa
Ab 2014 soll das Geld auch für Kinder im dritten Lebensjahr gezahlt und für alle auf 150 Euro monatlich erhöht werden. © dpa
Die neue Leistung wird nach dem Gesetzentwurf auch dann ausbezahlt, wenn beide Elternteile berufstätig sind und Großeltern, Verwandte, Freunde oder ein Au-pair-Mädchen das Kind betreuen. © dpa
Beantragt werden kann das Betreuungsgeld bei den Elterngeldkassen der Kommunen. Bei Hartz-IV- oder Sozialhilfe-Empfängern wird das Betreuungsgeld von der Gesamtleistung wieder abgezogen. © dapd
Nach dem überarbeiteten Gesetzentwurf sind für das Betreuungsgeld 2013 rund 300 Millionen Euro eingeplant. Ab 2014 werden Aufwendungen in Höhe von 1,1 Milliarden Euro, ab 2015 dann 1,2 Milliarden Euro erwartet. © dpa

Die SPD kritisierte die Pläne als „unausgegoren“. Die stellvertretende SPD-Vorsitzende Manuela Schwesig fordert ebenso wie der DIHK einen verstärkten Ausbau von Kita-Plätzen. Die Tatsache, dass Großeltern sich bei der Kinderbetreuung einbringen, sei oft purer Notwendigkeit geschuldet. „Denn meistens mangelt es an Kitaplätzen, so dass die Eltern auf das familiäre Umfeld zurückgreifen müssen. Deswegen hat für uns der Betreuungsausbau absolute Priorität“, sagte Schwesig der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Freitag).

Auch die FDP und die Grünen äußerten Bedenken. Die Initiative sei nicht abgestimmt. Finanzierbarkeit und bürokratischer Aufwand für die Arbeitgeber müssten zuvor geklärt werden, sagte die FDP-Familienpolitikerin Miriam Gruß der „Rheinischen Post“ (Freitag).

Bislang haben Großeltern nur dann einen Rechtsanspruch auf eine berufliche Auszeit zur Enkelbetreuung, wenn ihre noch minderjährige Tochter ein Kind bekommen hat und die junge Mutter ansonsten ihre Ausbildung abbrechen müsste.

dpa

Auch interessant

Meistgelesen

Horst Seehofer erlebt Notlandung in Frankfurt - neue Details bekannt
Horst Seehofer erlebt Notlandung in Frankfurt - neue Details bekannt
TV-Star beleidigt Jungen auf Klima-Demo - „Kleiner Pisser“
TV-Star beleidigt Jungen auf Klima-Demo - „Kleiner Pisser“
Terror auf der London Bridge: Held korrigiert Narwalzahn-Johnson fordert härtere Strafen für Gewalttäter
Terror auf der London Bridge: Held korrigiert Narwalzahn-Johnson fordert härtere Strafen für Gewalttäter
Böse Klatsche für die CSU: Bayerisches Integrationsgesetz verfassungswidrig
Böse Klatsche für die CSU: Bayerisches Integrationsgesetz verfassungswidrig

Kommentare