Vor Aigner

Kronprinzen-Machtkampf: Söder hat Oberwasser

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Seehofer und Markus Söder: Derzeit hat der Finanzminister im Kronprinzen-Wettlauf die Nase vorn.

München - Längst ist der Streit um die Energiewende auch zum offenen Machtkampf um Horst Seehofers Nachfolge geworden. Wenn Ilse Aigner hier scheitert, dürfte auch ihr Traum, die erste Ministerpräsidentin Bayerns zu werden, ausgeträumt sein.

Während Aigner am Montag mühselig versuchte, das Nichtergebnis ihres Energiedialogs einigermaßen positiv zu verkaufen, gab sich ihr Hauptkontrahent Markus Söder schon ganz wie ein Regierungschef: Obwohl als Finanzminister gar nicht dafür zuständig, äußerte er sich in einem Welt-Interview zu allem, was Bayern bewegt: Vom richtigen Umgang mit Pegida und AfD („Wir müssen nur konsequent handeln“) bis hin zu Wohnungseinbrüchen („Wir brauchen mehr Polizei und schärfere Strafen“).

Söder fühlt sich im Aufwind, seit er bei einer BR-Umfrage zur Seehofer-Nachfolge Aigner mit 41 Prozent Zustimmung gegenüber 24 Prozent klar abgehängt hat. Gegenüber dem umtriebigen Finanz- und Heimatminister wirkte die Wirtschaftsministerin bislang allzu zurückhaltend und blass.

Eigentlich müsste sie deshalb beim Topthema Energiewende einen Erfolg erringen. Doch wie, wenn ihr Chef ihr das Thema wegnimmt? Seehofer erklärte schon im Vorfeld klipp und klar: Egal, was beim Energiedialog rauskommt, die Entscheidung werde in Berlin fallen. Sprich: Im Sechsaugengespräch zwischen Seehofer, Kanzlerin Angela Merkel und Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel.

Die Bayern-SPD glaubt, dass Seehofer den „Good Cop“ spielen und die Verantwortung auf den Bund und damit auf den „Bad Cop“ von der SPD, Sigmar Gabriel, abwälzen wolle.

Seehofer fürchtet in der Tat, dass der Zorn der Gegner der beiden ursprünglich geplanten „Monstertrassen“ durch Bayern der CSU den nächsten Wahlsieg kosten könnte. Deshalb reagierte er so sauer, als Aigner schon eine Woche vor Abschluss des Energiedialogs öffentlich angedeutet hatte, wie ein Kompromiss aussehen könnte: Die Südostpassage von Hof bis Gundremmingen soll gestrichen werden, dafür aber die Südlink-Trasse von Schleswig-Holstein nach Grafenrheinfeld kommen.

Klaus Rimpel

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