Kurden bringen IS-Terrormiliz empfindliche Niederlage bei

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Kurdische Kämpfer feuern mit Artillerie auf IS-Stellungen. Foto: J. Lopez

Al-Hassaka (dpa) - Einen Monat nach der Befreiung der nordsyrischen Stadt Kobane hat die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) im Nordosten des Landes eine weitere empfindliche Niederlage erlitten.

Kurden und christlich-assyrische Kämpfer hätten die Extremisten in heftigen Kämpfen aus dem strategisch wichtigen Ort Tel Chamis nahe der Grenze zum Irak vertrieben, berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte.

Für den IS sei es die schwerste Niederlage seit der vollständigen Rückeroberung Kobanes durch die Kurden Ende Januar. "Wir können sagen, dass die Kämpfer des Islamischen Staates einen Kollaps erlebt haben", sagte der Leiter der Menschenrechtler, Rami Abdel Rahman, der Deutschen Presse-Agentur.

Ein Sprecher der kurdischen Volksschutzeinheiten YPG erklärte, mit dem Sieg hätten die Kurden eine wichtige IS-Versorgungsroute in den Nordirak abgeschnitten. Unterstützt wurden die Kurden von Luftangriffen der USA und ihrer arabischen Verbündeten.

Die sunnitische Terrormiliz kontrolliert im Irak und in Syrien große Regionen. Rund 100 Kilometer westlich von Tel Chamis hatten die Dschihadisten Anfang der Woche mehrere Dörfer erobert und mindestens 220 assyrische Christen in ihre Gewalt gebracht. Nach Angaben der assyrischen Nachrichtenagentur Aina gehen die Verhandlungen über die Freilassung der Geiseln weiter.

In den vergangenen acht Monaten haben des Fanatiker des IS in Syrien fast 2000 Gefangene getötet. Mehr als 1200 von ihnen seien Zivilisten gewesen, berichtet die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Die Extremisten hätten ihre Opfer erschossen, gesteinigt, geköpft oder aus großer Höhe hinuntergestoßen.

Mehr als 930 der Toten hätten zum Stamm der Schaitat aus der Region um die Stadt Dair as-Saur im Osten Syriens gehört. Insgesamt brachte der IS demnach 1969 Gefangene um, seitdem die Terrormiliz am 28. Juni 2014 in Syrien und Irak ein "Islamisches Kalifat" ausgerufen hat.

Den Opfern sei unter anderem Gotteslästerei, Zusammenarbeit mit dem syrischen Regime oder Spionage für die "Koalition der Kreuzfahrer" - also den internationalen Einsatz gegen den IS - vorgeworfen worden, so die Menschenrechtler.

Im Nordwesten Syriens starben indes bei Gefechten zwischen der radikalen Nusra-Front und der gemäßigten Rebellengruppe Harakat Hasm mindestens 35 Menschen, die meisten von ihnen Hasm-Kämpfer. Die Extremisten hätten die gemäßigten Regimegegner nahe Aleppo von einer Militärbasis vertrieben, erklärten die Menschenrechtsbeobachter. Die Nusra-Front hatte der Harakat Hasm in dieser Woche vorgeworfen, Rebellen entführt und getötet zu haben. Zugleich drohte sie Rache an.

Die Nusra-Front ist der syrische Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida. Sie vertritt eine ähnliche Ideologie wie der IS, ist aber mit ihm verfeindet. Zugleich kämpft die Nusra-Front gegen gemäßigtere Rebellen wie die Gruppe Harakat Hasm. Diese wird vom Westen unterstützt und ist vor allem in und um Aleppo stark.

Sollte die Nusra-Front weiter vorrücken, wäre das ein schwerer Rückschlag für die gemäßigten Rebellen in Syrien. Die USA und die Türkei wollen von Sonntag an moderate Regimegegner ausbilden. Washington will jährlich rund 5000 oppositionelle syrische Kämpfer für den Kampf am Boden gegen die IS-Terrormiliz trainieren.

Im Irak kamen bei mehreren Anschlägen fast 40 Menschen ums Leben. Laut der irakischen Nachrichtenseite Al-Sumaria sprengte sich in der Nähe der Stadt Samarra nördlich von Bagdad ein Selbstmordattentäter in die Luft und riss 17 Kämpfer schiitischer Milizen mit in den Tod.

Bei einem Doppelanschlag auf einen schiitischen Ort nordöstlich von Bagdad starben 19 Menschen. Nach Angaben von Sicherheitsquellen explodierten in der Kleinstadt Baladruz zwei Autobomben. Der IS hatte sich in der Vergangenheit mehrfach zu Anschlägen bekannt.

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