Abgeordnete schimpfen: "Sargnagel"

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Günther Beckstein bläßt der politische Gegenwind mächtig ins Gesicht.

Ministerpräsident Günther Beckstein spaltet die CSU. Während Parteichef Erwin Huber am Dienstag seinen Hut nahm, will der Regierungschef, so wie es aussieht, in aller Seelenruhe weiterregieren.

Doch das treibt in der Landtags- und Bundestagsfraktion den Parlamentariern die Zornesröte ins Gesicht. Sie fordern jetzt auch Becksteins Kopf!

Alle Wahlergebnisse und Ministerpräsidenten der CSU seit 1946

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Hans Ehard besetzte den Posten des Landesvaters 1946 dank des Wahlsieges der CSU mit 52,3 Prozent. © Archiv
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Vier Jahre später wurde die CSU Opfer innerparteilicher Flügelkämpfe und bekam zudem die Stärke der erstmals kandidierenden Bayernpartei (17,9 Prozent) zu spüren. Die Christlich-Sozialen bekamen gerade noch 27,4 Prozent der Stimmen (64 der 204 Sitze). Ministerpräsident Ehard bildete daraufhin eine Koalitionsregierung aus CSU, SPD (28 Prozent) und BHE/DG (12,3 Prozent) und blieb somit im Amt. © Archiv
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1954 kam die CSU auf 38,4 Prozent, dennoch stellte die SPD in einer Viererkoalition mit BP, BHE und FDP in WIlhelm Hoegner den Ministerpräsidenten. Nach dem Bruch der Viererkoalition 1957 wurde Hanns Seidel (Bild) neuer Ministerpräsident. Ein Jahr später wurde die CSU bei der Landtagswahl mit 45,6 Prozent wieder stärkste Kraft in Bayern. © dpa
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Zum Nachfolger Hanns Seidels, der aus Gesundheitsgründen am 22.1.1960 als Ministerpräsident zurücktreten musste, wurde wieder Hans Ehard gewählt. 1962 gewann die CSU bei der Landtagswahl 47,5 Prozent der Stimmen, woraufhin Alfons Goppel das Amt des Ministerpräsidenten übernahm. © Archiv
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Alfons Goppel beim Besuch von Queen Elisabeth II. in München am 21. Mai 1965. Bei der ein Jahr später folgenden Landtagswahl erhielt die CSU 48,1 Prozent der Stimmen - Goppel bildete sein zweites Kabinett. © Archiv
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Bei der Landtagswahl 1970 steigerte die CSU ihren Stimmenanteil von 48,1 Prozent im Jahr 1966 auf 56,4 Prozent und besetzte damit 124 Sitze. Ministerpräsident wurde wieder Alfons Goppel. © Archiv
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27. Oktober 1974: Die CSU erzielte mit 62,1 Prozent Stimmen und 132 Sitzen bei der Wahl zum 8. Bayerischen Landtag ihr bisher bestes Ergebnis. Goppel blieb Ministerpräsident. Doch Nachfolger Franz-Josef Strauß (rechts) lauerte bereits. © Archiv
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Bei den Landtagswahlen 1978 gewann die CSU 59,1 Prozent der Stimmen und damit 129 Sitze. Franz Josef Strauß wurde neuer Ministerpräsident. © Archiv
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Bei der Landtagswahl in Bayern erreichte die CSU 58,3 Prozent, 133 von 204 Sitzen und damit die höchste Mandatszahl in der Nachkriegsgeschichte. Strauß (hier im Jahr 1982 mit dem damaligen Kardinal Ratzinger, heute Papst Benedikt XVI.) blieb im Amt. © Archiv
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Die CSU erreichte bei den Landtagswahlen 55,8 Prozent, 128 der 204 Sitze, Strauß (hier mit Sohn Max) blieb im Amt. © Archiv
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Nach Strauß' Tod wurde Max Streibl am 19. Oktober 1988 als neuer Ministerpräsident vereidigt. Bei den Landtagswahlen zwei Jahre später erreichte die CSU 54,9 Prozent, 127 der 204 Sitze. © Archiv
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Am 28. Mai 1993 wurde Edmund Stoiber zum Nachfolger des wegen der sogenannten "Amigo-Affäre" vom Amt des Ministerpräsidenten zurückgetretenen Max Streibl gewählt. Bei der Landtagswahl am 25. September 1994 erreichte die CSU 52,8 Prozent, 120 der 204 Sitze © Archiv
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Bei der Landtagswahl 1998 errang die CSU 52,9 Prozent der Stimmen, 123 von insgesamt 204 Sitzen. Stoiber wurde im Amt bestätigt. © Archiv
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Bei der Landtagswahl 2003 errang die CSU 60,7 Prozent der Stimmen und 124 von insgesamt 180 Sitzen im nun verkleinerten Parlament (vorher 204 Sitze). Damit wurde erstmals bei einer Landtagswahl in Deutschland die Zwei-Drittel-Mehrheit erreicht. Stoiber erlebte seine glamourösesten Tage und bildete sein viertes Kabinett. © Archiv
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9. Oktober 2007: Bayerns Innenminister Günther Beckstein wird vom Bayerischen Landtag zum neuen Ministerpräsidenten gewählt. Edmund Stoiber hatte dieses Amt am 30. September zurückgegeben. © dpa
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28. September 2008: Günther Becksteins erste Landtagswahl als Ministerpräsident Bayerns endet mit einem Fiasko. Die CSU erhält nur 43,4 Prozent und verbucht somit das schlechteste Ergebnis seit 54 Jahren. © dpa
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Auf Grund des Wahl-Fiaskos tritt Beckstein zurück. Sein Amt übernimmt Horst Seehofer, der am 27. Oktober 2008 zum neuen Ministerpräsidenten Bayerns gewählt wird. Seehofer ist gleichzeitig auch CSU-Parteivorsitzender. © dpa

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Als „absolut falsch“ ließ Beckstein am Dienstag einen Zeitungsbericht über angebliche Rücktrittsabsichten zurückweisen. Doch in der CSU werden die Stimmen immer lauter, die nach der Notlösung des Führungstandems wieder nur einen Mann an der Spitze von Partei und Freistaat sehen wollen: den designierten CSU-Chef Horst Seehofer.

„Die Spitzenämter der Partei müssen wieder zusammengeführt werden“, forderte der Bundestagsabgeordnete Alexander Dobrindt gestern in Berlin. Er attackierte Beckstein heftig, der weichen müsse: Denn wenn die Partei jetzt die Kehrtwende nicht schaffe, „wäre das ein weiterer Sargnagel für die CSU“. Der Abgeordnete und bayerische Chef der Jungen Union, Stefan Müller, sagte der tz: „Wir brauchen jetzt auch eine Erneuerung der Staatsregierung. Jetzt müssen Leute ran, die über 2013 hinaus Verantwortung übernehmen können.“ Die Entscheidung über den Posten habe in der schwierigen Situation jetzt die Gesamtpartei zu treffen und nicht nur die Landtagsfraktion. Auch die Abgeordneten Johannes Singhammer, Andreas Scheuer, Albert Rupprecht, Daniela Raab und Wolfgang Götzer sprachen sich für Seehofer als Ministerpräsident aus. „Sonst stehen wir in einem Jahr wieder da, wo wir jetzt stehen“, hieß es.

Seehofer selbst hüllte sich zu den Forderungen in Schweigen. Landesgruppen-Geschäftsführer Hartmut Koschyk kündigte jedoch an, dass Seehofer als Parteivorsitzender in Berlin bleiben werde. Über die Person des Regierungschefs werde in der Landtagsfraktion entschieden.

Doch auch in München grummelt es kräftig. Bereits heute wollen sich die gewählten CSU-Abgeordneten zu ihrer ersten Sitzung treffen. Von der Wahlschlappe frustrierte oberbayerische Parlamentarier wollen dort den Franken Beckstein infrage stellen.

Unterdessen versucht Beckstein, seine Mannschaften zu sammeln. So sprach sich gestern deutlich der Nürnberger CSU-Chef und Europaminister Markus Söder für den Verbleib des Ministerpräsidenten aus: Sein Parteibezirk stehe voll hinter Beckstein und auch hinter CSU-Fraktionschef Georg Schmid. Söder wird in der CSU als möglicher Beckstein-Nachfolger gehandelt.

Beckstein kündigte derweil an, in den nächsten Tagen Gespräche mit FDP und Freien Wählern zu beginnen. Kommende Woche sollten bereits konkrete Verhandlungen aufgenommen werden. Von CSU-Seite führen die Gespräche der scheidende Parteichef Erwin Huber, sein wahrscheinlicher Nachfolger Horst Seehofer sowie Landtagsfraktionschef Georg Schmid und Beckstein selbst.

Von Müller bis Seehofer: Alle CSU-Vorsitzenden

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Josef Müller genannt "Ochsensepp" war in der Weimarer Republik Abgeordenter der Bayerischen Volkspartei und nach 1945 der erste Vorsitzende der CSU. © dpa
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Hans Ehard war Jurist und von 1949 bis 1955 CSU-Parteivorsitzender. Von 1946 bis 1954 Bayerischer Ministerpräsident. © dpa
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Hanns Seidel wurde 1955 in einer Kampfabstimmung gegen Franz Josef Strauß mit 53,4 Prozent der Stimmen zum Parteivorsitzenden der CSU gewählt. Im Februar 1961 trat Seidel von seinem Amt zurück. © dpa
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Franz Josef Strauß war 27 Jahre lang, vom 18. März 1961 bis zu seinem Tod am 3. Oktober 1988, Vorsitzender der CSU. © dpa
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Theodor "Theo" Waigel war von November 1988 bis Januar 1999 Vorsitzender der CSU. © dpa
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Edmund Stoiber war von 1999 bis 2007 Vorsitzender der CSU. Seit 2007 ist er Ehrenvorsitzener der CSU. © dpa
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Mit 58,19 Prozent der Delegiertenstimmen wurde Erwin Huber am 29. September 2007 auf dem CSU-Parteitag zum CSU-Parteivorsitzenden gewählt. Neben Huber hatten sich auch Horst Seehofer und Gabriele Pauli beworben. © dpa
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AM 25. Oktober 2008 wurde Horst Seehofer zum neuen CSU-Vorsitzenden gewählt. Seehofer erhielt 786 von 870 gültigen Stimmen. Das sind 90,3 Prozent. 84 Delegierte stimmten mit Nein. © dpa

Quelle: tz

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