tz-Interview mit dem Ex-Fraktionschef

Glück: CSU hat ihre Sonderstellung zurück

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Alois Glück

München - Im tz-Gespräch analysiert Alois Glück, der für die CSU unter anderem als Staatssekretär, Fraktionschef und Landtagspräsident diente, den Wahlsieg der Christsozialen.

Er zählt zu den klügsten Köpfen und erfahrensten Strategen seiner Partei: 38 Jahre lang saß Alois Glück (73) für die CSU im Landtag, wirkte unter anderem als Staatssekretär, Fraktionschef und Landtagspräsident. Im tz-Gespräch analysiert Glück den Wahlsieg der Christsozialen.

Herr Glück, hat dieses Wahlergebnis für die CSU eine historische Dimension?

Alois Glück: Ja. Es gibt der CSU ihre Sonderstellung in der Parteienlandschaft und auch in Europa zurück.

Kritiker befürchten, dass die CSU jetzt wieder in eine gewisse politische Arroganz verfällt wie vor 2008. Wie groß ist die Gefahr eines Rückfalls?

Glück: Vor der Wahlniederlage 2008 hatte die CSU aufgrund ihrer Zweidrittelmehrheit einen gewissen Kraftüberschuss, der Probleme mit sich gebracht hat. Die Partei wird mit Sicherheit nicht wiederholen, in Übermut zu verfallen.

Die neue Bescheidenheit der CSU ist ein wesentlicher Eckpfeiler in der Strategie von Parteichef Seehofer. Wie beurteilen Sie seine Rolle?

Glück: Horst Seehofer hat sich als ein über den Niederungen der Politik stehender Ministerpräsident entwickelt. Er hat seine Politik exzellent kommuniziert und sich persönlich als Arbeitersohn präsentiert, dem unser Land so viele Chancen gegeben hat. Das kam an in der Bevölkerung, man kann ihm dazu nur gratulieren.

Jubel und Tränen: Landtagswahl Bayern in Bildern

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Wie hat es Horst Seehofer geschafft, sich dieses Image eines moderaten, fast schon überparteilichen Landesvaters zuzulegen?

Glück: Ich glaube, es gibt derzeit kein Thema, das innerhalb der bayerischen Bevölkerung tiefe Gräben aufreißt.

Hat die CSU auch deshalb ihren Wahlkampf ganz auf Horst Seehofer zugeschnitten?

Glück: Ich denke schon. Es hat noch keine Landtagswahl gegeben, die so stark personalisiert war wie diese.

Eine Tatsache, die die FDP den Wiedereinzug in den Landtag gekostet haben könnte. Droht den Liberalen am kommenden Sonntag bei der Bundestagswahl das nächste Desaster – das wäre ja auch für die Union unerfreulich?

Glück: Ich glaube nicht, dass das Ergebnis der FDP in Bayern repräsentativ war. Es ist eigenen Wahlgesetzen bei der Landtagswahl geschuldet.

Interview: Andreas Beez

 

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