Kommunalwahl 2014

Das bedeutet die Landtagswahl für München

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Die OB-Kandidaten von links Dieter Reiter ( SPD), Sabine Nallinger (Grüne), Josef Schmid ( CSU) und  Michael Mattar ( FDP). 

München - Absolute Mehrheit im Freistaat: Hilft das auch der CSU in München? Rückenwind für Josef Schmid für die OB-Wahl in sechs Monaten? Die tz analysiert mit allen OB-Kandidaten die Ergebnisse für München.

Die CSU gewinnt fast fünf Punkte, also mehr als im Freistaat. Die stammen nach einer Wanderungsanalyse des Statistik-Amtes vor allem von der FDP. Die SPD kann den Anschluss halten und holt vier Zähler mehr. Bei den Zweitstimmen legt sie laut Analyse sogar stärker zu als die CSU: plus 52.000 Stimmen, vor allem von früheren Nichtwählern und Grünen. Auch OB-Kandidat Dieter Reiter sieht Vorteile. In ­Umfragen liegt mal er, mal Schmid vorne. Die Bewertungen der Rathaus-Bosse: David Costanzo

Josef Schmid (CSU)

Sehen Sie sich durch den Wahl-Erfolg in Ihrem Kurs bestätigt?

Schmid: Ich fühle Rückenwind. Es ging zwar um Bayern, nicht um die Zukunft Münchens. Aber wir haben zugelegt, in allen Stimmkreisen den Vorsprung ausgebaut und es im verlorenen Stimmkreis spannend gemacht. Horst Seehofer hat an den Problemen der Leute gearbeitet. Und da sind wir in der Stadt die Vorreiter – etwa mit meiner Schmidsprechen-Tour.

Die CSU hat in München das zweitschlechteste Landes-Ergebnis seit Jahrzehnten geholt, der Vorsprung auf die SPD bleibt bei vier Punkten. Früher ­waren es auch schon 18 Zähler!

Man muss die Ausgangsbasis sehen: Wir hatten 32 Prozent bei der vergangenen Landtagswahl und 28 Prozent bei der Kommunalwahl davor. Wir haben überall zugelegt, deswegen finde ich, dass wir gewonnen haben. Die SPD hat doch ein Problem: Der angekündigte Ude-Effekt ist total ausgefallen. Ich werde beharrlich weiterarbeiten.

Bleibt es bei Ihrem OB-Ziel?

Ich will in die Stichwahl und dann OB werden. Darin sehe ich mich bestärkt.

Wie kompensieren Sie, dass zwei engagierte Stadträte in den Landtag ziehen?

Da rutschen sehr gute junge und leistungsfähige Kollegen nach. Wir werden in dieser Woche über Nachfolger reden.

Jubel und Tränen: Landtagswahl Bayern in Bildern

Jubel und Tränen: Landtagswahl Bayern in Bildern

Dieter Reiter (SPD)

Hätte die Wahl in der Stadt nicht besser ausfallen müssen?

Reiter: In München haben wir ein gutes Ergebnis. Das ist ein sichtbares Zeichen, dass wir gut aufgestellt sind. Aber Landtags- und Kommunalwahl unterscheiden sich deutlich. Ich denke, dass die Wähler da differenzieren und dementsprechend honorieren.

Diesmal trat aber der OB an, der schon 67 Prozent geholt hat. Trotzdem verpufft der Effekt fast. Das muss doch Sorgen bereiten?

Vier Punkte sind ein positives Signal. Die Wähler unterscheiden: Christian Ude ist als Ministerpräsident angetreten, nicht als OB. Das haben die Münchner so gesehen. Ich hätte da nicht unterschieden.

Fürchten Sie nach den grünen Verlusten um die Koalition?

Da sind sich die Grünen selber im Weg gestanden. So kurz vor den Wahlen höhere Steuern und den Veggie-Day anzusprechen, ist nicht förderlich. Das relativiert sich wieder.

Sie glauben an die OB-Wahl?

Ich habe gar keinen Grund, etwas negativ zu sehen. Wir haben mehr Zustimmung als in den letzten Jahren, das ist Rückenwind. Ich bin mir sicher, dass nicht nur die rot-grüne Rathauspolitik, sondern auch ich die Münchner überzeugen kann.

Sabine Nallinger (Grüne)

Wir haben einen kleinen Ude-Effekt festgestellt: Wähler sind zur SPD gewandert. Wir wollten zulegen, da ist das eine Niederlage. Grüne Themen finden aber weiter eine hohe Zustimmung: Wir wollen die Energiewende lokal vorantreiben. Beim Wohnen haben wir gute Konzepte für bezahlbaren Wohnraum oder beim Verkehr. Ich argumentiere seit Monaten ebenbürtig mit Reiter und Schmid. Ich werde zu allen Diskussionen eingeladen. Das liegt an meinen mutigen Ideen und sicher auch daran, dass ich die einzige Frau bin.

Michael Mattar (FDP)

Die Ergebnisse lassen sich nicht direkt übertragen, aber Trends ableiten: Das war eine bittere Niederlage, da will ich nichts beschönigen. So wie wir 2008 aus der Misere der CSU Nutzen gezogen haben, so hat sie uns jetzt an den Rand geschoben. Wir werden uns stärker von der CSU abgrenzen, die im Landtag konservativ-sozialdemokratische Politik machen wird – etwa mit dem Umwandlungsverbot. Wir wenden uns gegen Subventionen für marode Unternehmen wie die Städtischen Kliniken. Mut, die zu sanieren, hat auch die CSU nicht.

David Costanzo

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