Horst-Christian Seehofer von und zu Ude

Hier spricht der nächste Ministerpräsident

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Einer für beide: Wolfgang Krebs als Horst Seehofer und mit Christian Ude an der Hand: Der Kabarettist doubelt beide Politiker.

München - Unabhängig vom Ergebnis ist es der tz gelungen, sich mit dem kommenden Regierungschef zu unterhalten – in Form von Kabarettist Wolfgang Krebs (47), der beide Politiker doubelt.

Oberbürger-Ministerpräsident Christian Ude (65/SPD) oder Landes-Übervater Horst Seehofer (64/CSU)? Bayern hat morgen die Wahl. Unabhängig vom Ergebnis ist es der tz gelungen, sich mit dem kommenden Regierungschef zu unterhalten – in Form von Kabarettist Wolfgang Krebs (47), der beide Politiker doubelt. Gestatten, Horst-Christian Seehofer von und zu Ude. Hier spricht garantiert der nächste Ministerpräsident!

Wer hält nach der Wahl in Bayern die Puppen in der Hand?

Wolfgang Krebs: Natürlich ich, wer denn sonst? (lacht).

Aber Sie müssen doch eigentlich für den Seehofer sein!

Krebs: Nein, ich war ja für alle im Wahlkampf unterwegs. Freie Wähler, SPD, CSU, FDP. Nur den Grünen musste ich aus gesundheitlichen Gründen absagen. Wichtig ist, dass die Leute zum Wählen gehen. Es darf uns nicht egal sein, wer unser Land regiert.

War es für Sie überraschend, dass die SPD diesen jungen, aufstrebenden Politiker Ude als 65-jährige Nachwuchshoffnung aus dem Hut gezaubert hat?

Krebs: Absolut. Wir mussten damals vor zwei Jahren deswegen ganz schnell diese Puppe zimmern.

Ist das auch das Größenverhältnis, das die beiden widerspiegeln?

Krebs: Damals war es vielleicht so. Die Puppen-Entscheidung für mich war damals aber pragmatischer: Eine echte Ude-Perücke wäre bis zum nächsten Auftritt nicht fertig geworden. Mittlerweile trete ich jedoch auch als lebensgroßer Ude auf.

Sie sind also sogar auf einen Regierungswechsel vorbereitet?

Krebs: Nein, aber das ist alles eine Frage der politischen Flexibilität. Ich habe ja schließlich auch das Thema Maut erfunden.

Nein, dieses Thema gehört einzig und allein dem echten Seehofer!

Krebs: Das stimmt nicht. Ich habe die Maut in meinem Programm gefordert, allerdings nur für Holländer. Jetzt hat er das übernommen und will sie für alle Ausländer. Aber der Visionär und Impulsgeber bin ich (lacht wie Seehofer).

Wie fanden Sie Ude im Wahlkampf?

Die Originale mit dem täuschend Echten: OB Christian Ude (v.l.), Ministerpräsident Horst Seehofer und Wolfgang Krebs auf dem Nockherberg.

Krebs: Die Puppe ist gewachsen, er ist ein ernstzunehmender Herausforderer geworden. Aber in den abgelegenen Regionen Bayerns wird er nach wie vor als Stadtmensch wahrgenommen. Doch wie viel Respekt die CSU vor ihm hat, zeigt sich ja, dass sie einige Themen der SPD einfach übernommen hat.

Wie sehr konnten Sie den beiden im Wahlkampf helfen?

Krebs: Ich habe Seehofer zufällig in Passau in ganz kleinem Kreis getroffen. Das war eine sehr lustige Begegnung, wo wir uns auch über politische Themen austauschen konnten.

Und Ude?

Krebs: Ich war auf seine Einladung bei der Freistaatsfeier in Berlin. Auch das war wunderbar.

Sie haben jetzt die letzte Chance, Herr Ude! Liebe Bayern, Sie müssen mich morgen wählen, weil ...

Krebs als Ude: ... ich nächsten Samstag zum Wiesn-Auftakt die Zahl der Anzapf-Schläge auf unter null senken werde und ich diesen Erfolg bayernweit auf allen Volksfesten zeigen möchte als Landesvater.

Herr Seehofer, gleiches Recht für Sie: Ich muss in Bayern an der Macht bleiben, damit ...

Krebs als Seehofer: ... meine Nachfolger Söder, Haderthauer und Aigner noch lange Zeit haben, sich auf den Job des bayerischen Ministerpräsidenten vorzubereiten!

Zurück zum Krebs: Wo verfolgen Sie den Wahlabend?

Krebs: Bei mir zu Hause in Kaufbeuren bei hoffentlich bestem Fernsehbild. Das ist spannender als jedes Fußballspiel.

Und jetzt Hand aufs Herz: Für wen fiebern Sie?

Krebs: Wenn es hart auf hart kommt, geht es für mich ja – wie für Uli Bauer als Ude-Double auch – um einen Brotjob als Schauspieler auf dem Nockherberg. Und da ist es doch klar, dass wir beide dann unseren Rollen-Inhabern die Daumen drücken.

Sollte Seehofer gewinnen und Ude tatsächlich in Polit-Rente geht: Was passiert mit seiner Puppe?

Krebs: Wir wollen dem Wahlvolk jetzt nicht vorgreifen. Aber sie wird so oder anders einen wichtigen Platz bekommen. Der Ude hat als OB unglaubliche Strahlkraft erreicht. Er ist ja gefühlt seit dem Aushärten der Erdkruste im Amt. Dieser Mann ist quasi der Franz Josef Strauß unter den Oberbürgermeistern.

Stefan Dorner

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