Landtagswahl in Bayern

Zwischen Netzwerk und Hierarchie: Die Freien Wähler im Internet

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Vom Landtag kommend, marschieren die Freien Wähler auf den Seitenbesucher zu.

München - Inzwischen ist das Internet für den Wahlkampf genauso wichtig wie Stammtisch-Reden. Bayerns Freie Wähler haben darauf reagiert - mit einem Mix aus Netzwerken und traditionellen Themen.

Mit Stammtisch-Reden und Info-Ständen in der Fußgängerzone ist es längst nicht mehr getan - der Wahlkampf der Moderne findet auch im Internet statt. Facebook, Twitter und YouTube sind für die Politik inzwischen Standard-Kanäle, die jede Partei nutzt, um Wähler zu erreichen. Das gilt auch für die Freien Wähler, die sich im Wahljahr 2013 ehrgeizige Ziele gesetzt haben: Nachdem der Partei 2008 erstmals der Einzug in den bayerischen Landtag gelang, kandidiert sie in diesem Jahr auch für den Bundestag. Ihr Internet-Auftritt bemüht sich darum gleichermaßen um traditionelle wie um junge Wähler.

Im Vergleich zu anderen Parteien ist die Fraktionsseite auf den ersten Blick vor allem schlicht: Kleine Schriftgrößen, die Parteifarbe nur im Hintergrund, davor viel weiße Fläche. Immerhin mangelt es nicht an Links zu sozialen Netzwerken: Sogar bei Google Plus sind die Freien Wähler vertreten. Am linken Rand der Startseite ist eine Twitter-Leiste mit Eingabezeile eingebettet, mit der Seitenbesucher direkt einen Tweet an @fwlandtag senden können. Im Download-Bereich bleibt es traditionell: die monatliche Fraktionszeitung als PDF und FW-Bildschirmschoner.

Ein Organigramm erklärt die Hierarchie bei den Freien Wählern.

Die Fraktionsmitglieder, die vor der Kulisse des Landtags auf den Seitenbesucher zumarschieren, präsentieren sich mit Foto, Stichpunkten und Stimmkreis-Grafik. Persönliche Informationen sucht man jedoch vergeblich. Kontaktierbar sind die Abgeordneten nur über das zuständige Bürgerbüro. Zur Übersicht zeigt ein Organigramm unter der Liste aller Fraktionsmitarbeiter die straffe Fraktions-Hierarchie auf.

Zehn Thesen zur Heimat - und eine MdL mit Künstlernamen

Die Seite des Landesverbands der Freien Wähler hat neben "Zehn Thesen" zur Heimat die Homepages aller Ortsverbände in Bayern aufgelistet. Links zu sozialen Netzwerken gibt es nicht, lediglich der Sprung zu den anderen parteieigenen Webseiten ist mit einem Klick möglich. Fündig wird man hingegen bei Facebook: In den Account eingebettet sind Twitter und der YouTube-Kanal "Freie Wähler TV".

Umso fleißiger vernetzt haben sich die Abgeordneten. Claudia Jung, die mit bürgerlichem Namen Ute Singer heißt, trennt online ihr Landtags-Mandat streng von ihrer Karriere als Schlagersängerin. Als Politikerin mischt sie bei unter anderem bei Google Plus, meinVZ, myHeimat, Xing und Seniorbook mit. Als einziges MdL verlinkt sie ihr Profil auf abgeordnetenwatch.de.

Michael Piazolo, Professor an der Hochschule München, verweist in den Infos seines privaten Facebook-Profils auf den Wikipedia-Artikel über sich. Seine offizielle Faceboookseite als Landtags-Abgeordneter widmet sich ausschließlich politischen Meldungen.

Hubert Aiwanger hat keinen Twitter-Account... mehr

Hubert Aiwanger hat als Spitzenkandidat der Freien Wähler auf seiner Webseite seine politischen Schwerpunkte als Stichpunkt-Liste zusammengestellt. Auf Facebook teilt der FW-Fraktionschef vor allem Zeitungsartikel, einen Twitter-Account hat er seit Februar 2012 nicht mehr. Damals war er wegen Blondinenwitzen-Tweets in die Schlagzeilen geraten.

Die stellvertretende Fraktionschefin Eva Gottstein liebt es bodenständig und persönlich: Auf ihrer Homepage zeigt sie Fotos ihrer Enkelkinder und verweist auf ihren Beruf als Realschullehrerin vor dem Landtagsmandat. Als vorerst letzten Termin auf ihrer Seite datiert Eva Gottstein die Veranstaltung der Freien-Wähler-Ortsverbände Dachau und Fürstenfeldbruck in Schwabhausen Ende Juli. Bis zum Wahltag am 15. September dürfte die Agenda noch um einiges voller werden. Schritt zu halten ist für Wähler heute trotzdem kein Problem mehr: Auf Internetseiten und sozialen Netzwerken stehen die neuesten Infos zum Nachlesen bereit.

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