Der tz-Check

So läuft der Wahlkampf-Endspurt der Parteien

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Wahlplakate der Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU,l) und des SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück stehen in Magdeburg (Sachsen-Anhalt)

München - CSU-Chef Horst Seehofer hat gut lachen. Absolute Mehrheit! Doch neben dem offensichtlichen Wahlsieger gibt es eine Menge Verlierer. Die tz erklärt, wie die Parteien in der letzten Woche vor der Bundestagswahl damit umgehen wollen.

FDP

Bei den Liberalen ist die nackte Angst um die eigene Existenz ausgebrochen. Und so setzen die Liberalen alles auf eine Karte: Sie wollen Unions-Wähler davon überzeugen, ihr Kreuz bei der FDP zu machen. Spitzenkandidat Rainer Brüderle stellt klar: „Wir werden sportlich fair, aber in aller Klarheit um die Zweitstimmen kämpfen.“ Als Motivation holt Brüderle das Schreckgespenst Rot-Rot-Grün aus der Mottenkiste.

Union

Fünf Millionen Briefe will die Union im Namen Angela Merkels in dieser Woche verschicken. „Beide Stimmen für die Union“, heißt es da. Die Partei knabbert noch am Niedersachsen-Effekt. Dort hatten CDU-Leihstimmen das Wahlergebnis der FDP mehr als verdoppelt – am Ende landeten beide Parteien in der Opposition. „Es gibt keine Leihstimmen“, sagt Wahlsieger Horst Seehofer. CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe stellt klar: „Wir haben keine Stimme zu verschenken.“ Für die Union ist der Erfolg der CSU ohnehin problematisch genug. Merkel und Co. müssen ihre Anhänger neu mobilisieren und haben alle Hände voll zu tun, immer wieder zu beteuern, dass der eigene Wahlsieg noch nicht in trockenen Tüchern sei.

Jubel und Tränen: Landtagswahl Bayern in Bildern

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SPD

Die Genossen wollen bis zuletzt für Rot-Grün kämpfen – und nehmen da sogar das kümmerliche Ergebnis der Bayern- SPD als Rückenwind. SPD-Chef Gabriel setzt im Endspurt des Wahlkampfs auf Attacken gegen die gebeutelte FDP. Das Kalkül. Laut SPD-Chef Sigmar Gabriel:„Wäre die FDP nicht im Bundestag, steigen die Chancen deutlich für Peer Steinbrück, Kanzler zu werden.“

Grüne

Als hätten die Grünen nicht schon genug Probleme. Steuerforderungen und fleischfreier Kantinen-Tag haben dem Image geschadet. Jetzt würden die Grünen gerne wieder mit Umweltthemen punkten. Stattdessen muss sich Spitzenkandidat Jürgen Trittin zu seiner Rolle in der Pädophilie-Affäre der Partei äußern. Trittin hatte 1981 presserechtlich für ein Göttinger Kommunalwahlprogramm verantwortlich gezeichnet, in dem die Partei auch für Straffreiheit für gewaltfreien Sex zwischen Erwachsenen und Kindern eintrat. „Mir war nicht mehr erinnerlich, dass das damalige Kommunalprogramm überhaupt etwas dazu ausgesagt hat.“ Tatsächlich spricht nichts für eine besondere Rolle Trittins bei den Versuchen von Pädophilen, damals unter den Grünen verstärkt Gehör zu finden.

Marc Kniekamp

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