Wissen Sie was "nanoskalig" bedeutet?

Studie: So unverständlich sind die Wahlprogramme

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Das Wahlprogramm der CSU ist nach einer wissenschaftlichen Untersuchung lesbarer und verständlicher als die Programme aller anderen Parteien - und zwar deutlich.

München - „Bonifikationen“, „nanoskalig“, „Business Improvement District“: Derlei schwere Kost findet sich in den Landtagswahl-Programmen fast aller Parteien. Am besten weg kommt der CSU-„Bayernplan“.

Das Wahlprogramm der CSU ist laut einer wissenschaftlichen Untersuchung deutlich lesbarer und verständlicher als die Programme aller anderen Parteien. Forscher der Universität Hohenheim untersuchten beispielsweise Satz- und Wortlängen, Schachtelsätze oder den Anteil unverständlicher Wörter - und vergaben dann Werte auf einer Skala von 0 (überhaupt nicht verständlich) bis 20 (maximal verständlich).

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Der CSU-„Bayernplan“ erreichte einen Wert von 13,3. Das sei der beste Wert, den man je bei einem Wahlprogramm gemessen habe, teilte die Uni am Mittwoch mit. Die SPD landete nur bei einem Wert von 8,0. Die Grünen und die FDP teilen sich mit einem Wert von jeweils 7,5 den letzten Platz. Das Programm der Freien Wähler wurden von den Forschern nicht unter die Lupe genommen.

Als Vergleich nennen die Forscher politikwissenschaftliche Doktorarbeiten mit einer durchschnittlichen Verständlichkeit von 4,3 - und Politik-Texte in der „Bild“-Zeitung mit einem Schnitt von 16,8.

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Die Forscher betonen aber ausdrücklich, dass die von ihnen gemessene formale Verständlichkeit natürlich nicht das einzige Kriterium sei, von dem die Güte eines Wahlprogramms abhänge. Noch wichtiger sei der Inhalt. In der Präsentation heißt es: „Unfug wird nicht dadurch richtig, dass er formal verständlich formuliert ist.“

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Als Beispiele für Fremdwörter und Fachbegriffe in den Wahlprogrammen nennen die Autoren der Studie „Habit“ (CSU), „Bonifikationen“ (SPD), „Doppik“ (FDP) oder „nanoskalig“ (Grüne). Zudem kritisieren sie Wortungetüme wie „Zustimmungserfordernisse“ (CSU), „Wissenschaftszeitvertragsgesetzes“ (FDP), „Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes“ (SPD) oder „Energiedienstleistungsunternehmen“ (Grüne). Und sie stoßen sich an Anglizismen wie „Feedstock Change“, „Resettlement-Programme“ (Grüne), „Gender Mainstreaming“ (SPD), „Tenure Track Modelle“, „Business Improvement District“ oder „Dual Career Services“ (FDP).

Die Wahlprogramme der Parteien im Vergleich

Landtagswahl: Die Wahlprogramme der Parteien im Vergleich

Auffällig: Die CSU und die SPD verwenden ihre eigenen Parteinamen in den Texten so gut wie gar nicht. Bei der CSU aber findet sich „Bayern“ so oft wie in keinem anderen der untersuchten Wahlprogramme.

Das längste Wahlprogramm hat mit 46 881 Wörtern die SPD, gefolgt von den Grünen mit 43 666. Bei der CSU sind es nur 9595 Wörter. Allerdings bieten alle Parteien außer der CSU auch Kurzversionen an: Da ist die FDP mit 963 Wörtern am kürzesten, danach kommen die Grünen (2372 Wörter) und die SPD (2863). Die Kurzfassungen seien meist formal verständlicher als die Langfassungen. Die Grünen erreichen hier mit 16,8 den bayerischen Spitzenwert. Noch verständlicher sind da nur die Wahlprogramme in „einfacher Sprache“, die es zum Untersuchungszeitpunkt von Grünen, FDP und SPD gab.

Das Wahlprogramm-Kauderwelsch im Überblick

Als Beispiele für vermeidbare Anglizismen nennen die Forscher der Uni Hohenheim:

- Feedstock Change (Grüne)

- Resettlement-Programme (Grüne)

- Controllingmöglichkeiten (Grüne)

- liquid democracy (SPD)

- Whistleblower (SPD) - Outing (SPD)

- Gender Mainstreaming (SPD) - Study and Stay in Bavaria (FDP)

- Tenure Track Modelle (FDP)

- Dual Career Services (FDP)

- Business Improvement District (FDP)

Als Beispiele für den Gebrauch von Fremd- und Fachwörtern nennen sie:

- Habit (CSU)

- Progression (CSU)

- Deportation (CSU)

- Bonifikationen (SPD)

- Konsolidierung (SPD)

- Innovation (SPD)

- Doppik (FDP)

- Akkumulation (FDP)

- Disposition (FDP)

- nanoskalig (Grüne)

- Moratorium (Grüne)

- novellieren (Grüne)

Landtagswahl Bayern in Zahlen und Fakten

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dpa

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