Lebensmittel: Aigner warnt vor "Geiz-ist-geil-Mentalität"

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Ilse Aigner auf der Grünen Woche in Berlin.

Berlin - Das Vertrauen der Verbraucher in Lebensmittel hat durch den Dioxin-Skandal gelitten. Agrarministerin Aigner will das Image verbessern - und warnt vor zuviel Geiz beim Einkaufen.

Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) will angesichts des Dioxin-Skandals für mehr Vertrauen in Lebensmitteln werben und warnt vor einer “Geiz-ist-geil-Mentalität“. “Ich weiß, das sehr viele Menschen in Deutschland wirklich jeden Cent umdrehen müssen“, sagte Aigner am Donnerstag vor der Eröffnung der Grünen Woche in Berlin. “Deswegen lege ich auf Wert darauf, dass alles sicher, aber auch bezahlbar ist. Trotzdem glaube ich, dass einige die Möglichkeit haben, vielleicht in ihrer Schwerpunktsetzung etwas nachzudenken“ Sie wolle für Qualität bei Lebensmitteln werben und erwarte von den Herstellern bestmögliche Produkte.

“Ich bin keine Sprinterin, aber ich habe ziemlich viel Ausdauer.“
Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU)

Aigner geht wie Bauern und Ernährungswirtschaft davon aus, dass Lebensmittel weiter teurer werden. Die Nahrungsmittelpreise waren bereits im vergangenen Jahr kräftig gestiegen. Im Jahresdurchschnitt mussten Verbraucher nach Zahlen des Statistischen Bundesamts 1,6 Prozent mehr bezahlen als 2009. Butter wurde um fast ein Viertel teurer, spürbar mehr musste auch für Obst (plus 5,2 Prozent) und Gemüse (plus 6,3 Prozent) gezahlt werden. Für Fisch mussten Verbraucher 3,6 Prozent mehr ausgeben.

Bei diesen Lebensmitteln wird geschummelt

Bei diesen Lebensmitteln wird geschummelt

Die Lebensmittelpreise sind seit Jahren im Steigflug. Mit 13,0 Prozent Teuerung seit 2005 stiegen sie deutlich schneller als die allgemeinen Verbraucherpreise, die um 8,2 Prozent zulegten. Auch im laufenden Jahr müssen sich die Bundesbürger auf höhere Preise einstellen. Der Präsident des Deutschen Bauernverbands (DBV), Gerd Sonnleitner, erwartet eine Preissteigerung um zwei Prozent. “Unsere Kosten für Energie, für Düngemittel, für Betriebsmittel sind enorm gestiegen“, sagte Sonnleitner im ARD-Morgenmagazin. Unabhängig vom Dioxin-Skandal seien die Zeiten der billigen Lebensmittel vorbei.

Die genaue Ursache für die Dioxinbelastung von Tierfutter und Lebensmitteln ist immer noch offen. “Wir wissen noch nicht genau, wo es herkommt“, sagte Aigner. Der Verdacht auf Pflanzenschutzmittel habe sich nicht bestätigt. Die Verbraucherorganisation Foodwatch hatte als Giftquelle Rückstände von Pflanzenschutzmitteln ausgemacht. Aigner dringt auf vollständige Aufklärung in den Ländern. “Es muss alles mit Hochdruck untersucht werden, nicht nur, wo es herkommt.“ Bundesweit sind immer noch 677 Höfe gesperrt.

Aigner attackierte die Verantwortlichen des Dioxin-Skandals. “Diese Futtermittelpanscher haben nicht nur mir der Gesundheit der Verbraucher gespielt“, sagte die Ministerin. Sie hätten einen ganzen Wirtschaftszweig in Verruf gebracht und den Bauern wirtschaftliche Verluste beschert. Für Mitte Februar seien Gespräche innerhalb der Regierung über härtere Strafen geplant. Das Kabinett hatte am Mittwoch einen Aktionsplan beschlossen, der schärfere Kontrollen und mehr Auflagen für die Futtermittelwirtschaft anstrebt.

Die betroffenen Landwirte sollen wegen der Millionenschäden durch gesperrte Höfe und Umsatzeinbrüche zinsgünstige Kredite der Landwirtschaftlichen Rentenbank bekommen. Bundeshilfen für die Entschädigung sind laut Aigner nicht geplant. “Die Verantwortlichen dürfen nicht aus der Verantwortung gelassen werden. Da ist die ganze Kette gefragt.“ Nach dem Importstopp von China für deutsches Schweinefleisch hofft die Bundesregierung, möglichst bald mit dem Land über eine Marktöffnung zu sprechen.

Auf die Frage einer Agrarwende ging Aigner nicht direkt ein. “Es ist egal, wie und wo sie produziert werden - die Lebensmittel müssen sicher sein“, sagte die CSU-Politikerin. “Es nützt jetzt nichts, immer gegenseitig aufeinander zu verweisen.“ Regionale Marken müssten stärker unterstützt werden.

Bauernpräsident Sonnleitner wies den Vorwurf der Massentierhaltung zurück und wandte sich gegen eine “Amerikanisierung“ der deutschen Landwirtschaft. Massentierhaltung und intensive Landwirtschaft lassen nach dem Kritischen Agrarbericht immer mehr Tier- und Pflanzenarten verschwinden. Äcker und Felder würden immer mehr zu lebensfeindlichen Räumen. Der Kritische Agrarbericht wird jährlich von einem Agrarbündnis aus 24 Verbänden aus Landwirtschaft, Tierschutz, Umweltschutz und Entwicklungspolitik verfasst. Sie kritisieren darin auch die wachsenden Agrarexporte aus Europa in Entwicklungsländer.

dpa

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