Letzter deutscher Soldat verlässt Faisabad

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Das deutsche Feldlager in Faisabad: Nach acht Jahren verließen jetzt die letzten Soldaten dieses Lager.

Kundus/Masar-i-Scharif - Die Bundeswehr in Afghanistan hat im Zuge ihres bis 2014 geplanten Truppenabzuges das erste Feldlager endgültig geschlossen.

Nach acht Jahren verließen die letzten Soldaten das Camp in Faisabad. Es war schon Anfang Oktober offiziell in afghanische Hände übergeben worden. Auf dem Landweg erreichte die Militärkolonne mit 48 Fahrzeugen am Mittwoch ohne Zwischenfälle das Bundeswehrcamp in Kundus. Damit gibt es keine ständigen ISAF-Truppen mehr im Nordosten Afghanistans.

Jedoch sollen auch nach dem Ende der Bundeswehrpräsenz deutsche Entwicklungshilfeprojekte in der Provinz Badakhschan weitergeführt werden. Dazu gehört unter anderem der Aufbau von Teilen einer Universität in dem einstigen Feldlager. Dieser wird von Deutschland finanziert und soll bis Sommer 2013 abgeschlossen sein. Neben der Zweigstelle der Universität Zentralasien der Aga-Khan-Stiftung werden im einstigen deutschen Camp künftig afghanische Polizisten ausgebildet.

Blaupause für den Abzug

Der Rückmarsch der Soldaten fand unter hohen Sicherheitsvorkehrungen statt und wurde bis zuletzt wegen möglicher Anschläge geheim gehalten. Als Letzter verließ der dortige PRT-Kommandeur Oberstleutnant Ralph Blasajewsky den Standort, nachdem die Truppenfahne eingeholt worden war. „Faisabad ist ein Meilenstein in der Chronologie des Bundeswehreinsatzes in Afghanistan geworden“, sagte ein Soldat zum Abschluss. Die Bundeswehr verfügt damit neben dem logistischen Drehkreuz in Masar-i-Scharif - dem Camp Marmal - nur noch über das große Regionale Wiederaufbauteam in Kundus.

Ende 2001 hatte der Bundestag der Beteiligung von bis zu 1.200 deutschen Soldaten am Afghanistan-Einsatz zugestimmt. Beschränkt zunächst auf die Hauptstadt Kabul und Umgebung wurde der Einsatz in den Folgejahren personell und räumlich ausgedehnt. 2010 erreichte die ISAF-Mission ihre Höchstgrenze mit 5.300 Mann. Anfang des Jahres wurden die ersten 100 deutschen Soldaten zurückgeholt. Bis Ende 2014 sollen alle Kampftruppen abgezogen sein.

Der Rückbau des Feldlagers im Nordosten Afghanistan gilt dabei als Blaupause für den Abzug. Schließlich steht die Bundeswehr am Hindukusch vor ihrer größten logistischen Herausforderung: Rund 1.700 Fahrzeuge - vom Jeep über den Radpanzer bis zur Feldhaubitze - sowie etwa 6.000 Seecontainer müssen wieder nach Deutschland zurückgebracht werden. Nach Faisabad laufen nun für Kundus Planungen, im kommenden Jahr das dortige PRT zu übergeben.

dapd

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