Libysche Truppen nehmen Rebellen unter Beschuss

Tripolis - Truppen des libyschen Machthabers Muammar al Gaddafi haben nach Angaben von Regierungsgegnern eine Nachschubroute der Rebellen von der tunesischen Grenze ins westliche Bergland unter Beschuss genommen.

Die vom Grenzübergang Dhuheiba in die Berge führende Straße sei nach Raketenangriffen geschlossen worden, teilten die Rebellen am Dienstag mit. Die NATO kündigte an, den Druck auf das Regime von Muammar al Gaddafi so lange aufrecht zu halten, bis die Gewalt in Libyen beendet ist. Der italienische Vize-Admiral Rinaldo Veri sagte, nachdem mithilfe von Luftangriffen der Einsatz von Gaddafis Bodentruppen an der Front gestört worden sei, konzentriere sich die Allianz nun auf die Zerstörung der Kommunikationswege zwischen den Truppenteilen.

Libyen: Koalition bombardiert Gaddafi-Truppen

Libyen: Koalition bombardiert Gaddafi-Truppen

Die Allianz mache täglich Fortschritte. Die Angriffe auf Stellungen der libyschen Streitkräfte begannen vor sieben Wochen unter der Führung der USA, Ende März übernahm die NATO das Kommando. Seitdem haben weder die Regierungstruppen noch die Rebellen in Libyen signifikante Geländegewinne erzielen können. Die Regierungsgegner kontrollieren weiterhin den Osten des Landes, während Gaddafis Truppen den Westen des Landes weitgehend beherrschen. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan forderte Gaddafi am Dienstag zum sofortigen Rücktritt auf. Bislang hatte er versucht, den Staatschef mit sanftem Druck zum Einlenken zu bewegen. Gaddafi habe die Rufe nach Veränderung in Libyen ignoriert und stattdessen “Blut, Tränen und Druck auf sein eigenes Volk“ gewählt, sagte Erdogan nun. Er müsse “einen historischen Schritt tun und sich zurückziehen, für die Zukunft, den Frieden und den Wohlstand Libyens“.

Laut UN tausende Berber aus Libyen geflohen

 Nach Angaben der Vereinten Nationen sind vor der Gewalt in Libyen am vergangenen Wochenende etwa 8.000 Berber nach Tunesien geflüchtet. Zuvor seien bereits tausende weitere Libyer vor den Kämpfen in das Nachbarland geflohen, sagte UNHCR-Sprecher Adrian Edwards. Außerdem seien 3.200 Afrikaner aus der Sub-Sahara-Zone von Libyen aus auf der italienischen Insel Lampedusa eingetroffen. Unterdessen droht eine neuerliche Evakuierungsmission der Internationalen Organisation für Migration (IOM) in der umkämpften Stadt Misrata zu scheitern. Die IOM teilte mit, sie müsse die Operation abbrechen, sollte der “Red Star One“ nicht erlaubt werden, am (heutigen) Dienstagabend im Hafen der Stadt anzulegen. Nach Angaben der IOM starben zwei Menschen, während sie auf eine Erlaubnis von NATO, Rebellen und Regierung für eine Evakuierung warteten.

Schweiz identifiziert millionenschwere Diktatorenkonten

Die Schweizer Regierung identifizierte nach eigenen Angaben Konten mit mehr als 830 Millionen Franken (646 Millionen Euro), die möglicherweise Gaddafi sowie den zurückgetretenen Herrschern von Ägypten und Tunesien gehören. Die schweizerische Bundespräsidentin und Außenministerin Micheline Calmy-Rey sagte am Montag bei einem Besuch in Tunis, ein Konto mit mehr als 360 Millionen Franken gehöre möglicherweise Gaddafi. 410 Millionen Franken auf anderen Konten würden mit dem gestürzten ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak und 60 Millionen Franken mit dem gestürzten tunesischen Präsidenten Zine El Abidine Ben Ali in Verbindung gebracht. 

dapd

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