Lindner-Rücktritt: Die tz übersetzt seine Rede

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Christian Lindner ist zurückgetreten

Berlin - Über die Gründe für seinen Rücktritt als FDP-Generalsekretär sagte Christian Lindner am Mittwoch nichts direkt. Daher sieht sich die tz gezwungen, seine Rede zu übersetzen.

Schon wieder rollen Köpfe bei den Liberalen! Überraschend trat am Mittwoch Generalsekretär Christian Lindner zurück. „Das ist ein Schock für die FDP“, so die bayerische Parteichefin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. Parteichef Philipp Rösler will möglichst schnell wieder zur Tagesordnung übergehen und präsentierte schon am Abend einen Nachfolger für Lindner: Patrick Döring. Allerdings steht Rösler selbst immer mehr unter Beschuss: FDP-Präsidiumsmitglied Hermann Otto Solms rief nach einem Sonderparteitag und die Opposition weidet sich am Leid der Liberalen. „Frau Merkel hat einen Koalitionspartner mit Schwindsucht, das riecht nach Neuwahlen“, freute sich SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles. Über die Gründe für seinen Rücktritt sagte Lindner auf seiner Pressekonferenz nichts direkt. Daher sieht sich die tz gezwungen, seine Rede zu übersetzen:

Lindner sagt: „Auf den Tag genau zwei Jahre habe ich als Generalsekretär die Politik meiner Partei in schwieriger Zeit erklärt, verteidigt und mit zu gestalten versucht.“

Lindner meint: „Ich habe die Schnauze voll. Trotzdem versuche ich meinen Jahrestag als symbolisches Datum zu nutzen, um vom Gegenwind für die FDP-Führung abzulenken. Ich hätte ja gerne Erfolge statt nur Versuche verbucht, der FDP neue Inhalte und eine neue Außendarstellung zu verpassen – wenn mich die restliche Führung nur gelassen hätte. So flogen wir allein 2011 aus fünf Landtagen und verloren 2010 fünf Prozent unserer Mitglieder.“

„Ich bin dankbar für die Zusammenarbeit mit den Bundesvorsitzenden Guido Westerwelle und Philipp Rösler.“

„Als Generalsekretär muss ich meinem Chef anstandshalber danken – nicht jedoch dem FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle. Seit wir den zwangen, im Mai seinen Posten als Wirtschaftsminister zu räumen, fuhr der Wirtschaftsliberale uns jungen Milden dauernd in die Parade – und ist dabei auch noch lustiger als wir.“

„Es gibt den Moment, in dem man seinen Platz frei machen muss, um eine neue Dynamik zu ermöglichen.“

„Ich gehe erhobenen Hauptes von Bord – und wenn jetzt die Panik losbricht, ist mir das recht. Im Mai ist der zu leise Rösler dem zu lauten Westerwelle gefolgt. Der neue Kapitän bewegt aber nicht viel. Umso mehr wurden wir dauernd erschüttert von außen: Indem sich die Bürger mehr für die abgekupferten Doktorarbeiten unserer Hoffnungsträger Silvana Koch-Mehrin und Vorzeigegriechen Jorgo Chatzimarkakis interessierten. Wenn wir nach meinem Rücktritt jetzt ein bisschen unser Personal erneuern, schauen die Leute vielleicht wieder mehr auf unsere Inhalte.“

„Die Ereignisse der letzten Tage und Wochen haben mich in dieser Einschätzung bestärkt.“

„Aus der Nummer mit dem Mitgliederentscheid über die Euro-Rettung komme ich leider nicht mehr raus. Hier meinen die meckernden Altliberalen wie Burkhard Hirsch mich, wenn sie wegen der Organisation jetzt sogar juristisch gegen die Parteiführung vorgehen wollen. Aber trotzdem: Das Fass zum Überlaufen brachte Parteichef Rösler, indem er unsere Euro-Kritiker am Sonntag ärgerte und den Mitgliederentscheid für gescheitert erklärte – obwohl der noch bis Dienstag um Mitternacht lief. So was können wir als Partei, die Basisdemokratie fordert, nicht bringen.“

Christian Lindner: Seine Blitzkarriere in Bildern

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„Meine Erkenntnis hat für mich zur Konsequenz, dass ich aus Respekt vor meiner Partei und vor meinem Engagement für die liberale Sache mein Amt niederlege.“

„Trotz allem habe ich mir persönlich nichts vorzuwerfen und mich im Gegensatz zu anderen zu sehr schon ins Zeug gehängt und mir meinen festen Platz in den Talkshows gesichert. Ich verschwinde zwar von der Bildfläche, aber macht Euch auf meine Rückkehr gefasst. Immerhin kann mir die FDP nach meinem Rücktritt nicht böse sein: Im Gegensatz zu anderen trete ich nicht nach und gehe somit als Held.“

„Dadurch ermögliche ich dem Bundesvorsitzenden, die wichtige Bundestagswahl 2013 mit einem neuen Generalsekretär vorzubereiten und damit auch mit neuen Impulsen zu einem Erfolg für die FDP zu machen. Auf Wiedersehen.“

„Soll Rösler jetzt mal schauen, wie er ohne mich zurecht kommt. Immerhin hat er jetzt noch zwei Jahre Zeit, uns neue Inhalte statt des verhassten Wirtschaftsliberalismus’ zu geben. Klappt es, ist immer noch ein Ministersessel für mich drin. Und für einen neuen Parteivorsitzenden haben wir zu wenige Kandidaten, als dass die FDP dann auf mich verzichten könnte. Sie sehen mich garantiert wieder!“

Walther Schneeweiß

 

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