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„Diese Welle wird tödlicher als alles, was wir bisher kannten“ – Erstes Bundesland am Rande des Lockdowns

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Von: Anna-Katharina Ahnefeld

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Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer schlägt Alarm – und greift die Ampel-Parteien an. Derweil rechnet in einer Umfrage die Mehrheit mit einem erneuten Lockdown.

Berlin – Die Corona-Lage in Deutschland verschärft sich von Tag zu Tag – und die Politik steht unter massivem Druck. Alarm schlägt unter anderem auch ein Münchner Intensivmediziner: „Wir laufen voll. Jetzt sind wir an der maximalen Belegungszahl, die wir im Augenblick noch leisten können.“ Denn die Intensivstation in der München Klinik Schwabing steht kurz vor dem Kollaps.

Auch Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) warnt mit drastischen Worten: „Diese vierte Welle wird mehr Opfer, auch mehr Todesopfer, verlangen als alles, was wir bisher kannten“, so der Politiker gegenüber der Bild am Sonntag. Der 46-Jährige schwor die Bürgerinnen und Bürger auf harte Wintermonate ein – und rief zum Durchhalten bis Ostern auf. „Vorher wird diese Welle nicht zu Ende sein“, gab er sich überzeugt. Sachsen ist von der aktuellen Corona-Welle besonders hart betroffen – und ist das Bundesland mit der höchsten Inzidenz. Flächendeckend gilt dort die 2G-Regel.

„Wird die tödlichste Welle“ – Kretschmer kurz vor Lockdown-Entscheidung

Noch habe man die Chance, einen Lockdown in der Weihnachtszeit zu verhindern, führte Kretschmer weiter an. „Aber die Zeit läuft uns davon.“ Der Sachse forderte daher eine bundesweite 2G-Regel, Kontaktreduzierungen und die Absage möglichst vieler größerer Veranstaltungen wie Weihnachtsmärkte. Die Corona-Politik der Ampel bezeichnete er als „brandgefährlich“. Deren Entscheidungsgeschwindigkeit sei zu langsam. „Während die Ampel-Politiker in Berlin davon reden, es gebe keine pandemische Lage, explodieren im ganzen Land die Infektionszahlen“, klagte Kretschmer an. Und wetterte weiter gegen Olaf Scholz und SPD, Grüne und FDP: „Das schuldhafte Zögern und verantwortungslose Gerede der Ampel hat schon jetzt Konsequenzen.“

Michael Kretschmer (CDU)
Michael Kretschmer (CDU), Ministerpräsident von Sachsen, spricht. © Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild

Grünen-Chef Robert Habeck verteidigte hingegen die Entscheidung der Ampel, die epidemische Lage auslaufen zu lassen. „Wir wollen eine rechtssichere Anschlusslösung, bei der das Parlament als demokratischer Souverän die wesentlichen Entscheidungen trifft“, so Habeck in den Zeitungen der Funke-Mediengruppe am Sonntag. Weiter stellte er sich ebenfalls hinter strikte 2G-Regeln. Auch schlug der 52-Jährige Kontaktbeschränkungen für Ungeimpfte vor. „Kontaktbeschränkungen sind schmerzliche Einschnitte, das wissen wir alle noch zu gut. Aber angesichts der dramatischen Lage können sie für Ungeimpfte regional nötig werden“, führte er weiter an.

FDP-Mann Wolfgang Kubicki wiederum lehnte es in einem Spiegel-Interview ab, Druck auf Ungeimpfte auszuüben. Zwar halte er die hohe Quote für problematisch, aber „er degradiere die Ungeimpften nicht zu Menschen zweiter Klasse und erkläre, sie seien schuld an der Pandemie“.

Corona-Gipfel von Bund und Länder: Mehrheit der Deutschen rechnet mit neuem Lockdown

Derweil rechnen 60 Prozent der Menschen einer Insa-Umfrage für die Bild am Sonntag zufolge mit einem neuen Lockdown noch in diesem Jahr. 27 Prozent glauben nicht, dass es so weit kommen wird, 12 Prozent machten keine Angaben.

Vor dem Spitzentreffen von Bund und Ländern zur dramatischen Corona-Lage wächst der Druck für ein entschlossenes Handeln. In einem Aufruf fordern 35 führende Mediziner und andere Fachleute die Regierungen zu einem schnellen Umsteuern auf. Nach langem Hin und Her wollen Bund und Länder am kommenden Donnerstag über die Corona-Lage beraten. Die möglichen Koalitionsparteien SPD, Grüne und FDP wollen den Sonderstatus der epidemischen Lage nationaler Tragweite zum 25. November auslaufen lassen und durch einen eingeschränkteren Maßnahmenkatalog im Infektionsschutzgesetz ersetzen. (aka mit Material aus dpa)

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