Kultus- und Kunst-Chef im tz-Interview

Spaenle: "Ich bin kein Superminister"

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Ludwig Spaenle in seinem Büro

München - Warum Ludwig Spaenle (CSU) das Wort Superminister nicht mag, was er mit Gabelstaplern am Hut hat und was er zur Verwandten-Affäre sagt, verrät der Schwabinger im tz-Interview.

Ludwig Spaenle im Gespräch mit Kulturredakteur Matthias Bieber

Eigentlich hat Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) genug Baustellen. Doch der Schwabinger, Jahrgang 1961, kriegt noch ein paar dazu: Der Vater zweier Töchter ist seit knapp einer Woche Super-Minister für Kultus und Kunst, Wissenschaft und Forschung. Warum Spaenle das Wort Superminister nicht mag, was er mit Gabelstaplern am Hut hat und was er zur Verwandten-Affäre sagt:.

Herr Spaenle, nun sollte man meinen, Sie hätten als Minister für Unterricht und Kultus genug zu tun. Und nun auch noch Minister für Wissenschaft, Forschung und Kunst. Wie geht das als Super-Minister?

Ludwig Spaenle: Ich mag den Begriff Super-Minister nicht. Die beiden Bereiche wurden in ihrer Geschichte öfter getrennt, dann wieder zusammengeführt. Ich will diese beiden Herzkammern, die inhaltlich ja verwandt sind, miteinander zum Schlagen bringen. Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst halten Bayern im Innersten zusammen.

Und wie funktioniert das in der Praxis?

Spaenle: Ich habe ja zwei Staatssekretäre in diesem Ressort zur Unterstützung, was eine Ausnahme ist. Zudem kenne ich die Klaviatur in Berlin als Präsident der Kultusminister-Konferenz 2010, so dass es keine Reibungsverluste geben wird. Für mich ist es auch ein Stück Heimkommen – nicht zuletzt, da ich fünf Jahre lang ja auch Vorsitzender im Hochschulausschuss war.

Dann kennen Sie das Problem der überfüllten Hörsäle ja zur Genüge …

Spaenle: Ich will nicht, dass die Studiebedingungen schechter werden. Ich sehe kein organisatorisches Chaos. Aber bestehende Herausforderungen nehmen wir an. Wir haben im Rahmen des doppelten Abiturjahrgangs 38 000 neue Studienplätze geschaffen, weitere 10 000 werden derzeit umgesetzt.

Und der Brandbrief der Hocschul-Professoren?

Spaenle: Den sehe ich mit großer Gelassenheit. Wir werden uns mit Präsidenten und Fachleuten zusammensetzen und die Situation analysieren. Ich verstehe das Papier als Gesprächsgrundlage. Wir wollen auf jeden Fall sicherstellen, dass in Bayern die Studentenzahlen hoch bleiben, da wir hochqualifizierte junge Leute dringend brauchen.

Sie müssen einen Spagat machen zwischen Stadt und Land: Stadt, weil Sie Münchner CSU-Chef sind. Land, weil immer wieder neidisch auf München geschielt wird, was die Verteilung der Gelder angeht. Waren Sie im Schulsport eher der Gelenkige oder der Ausdauerläufer?

Spaenle: Der Ausdauerläufer. Ich glaube nicht, dass man sich für eine Richtung entscheiden muss, im Gegenteil: Ziel wird sein, beiden Positionen gerecht zu werden. Ein Beispiel: die bayerische Museumsplanung. Passende Bestände aus München werden in Zweigmuseen überführt wie in die Renaissancestadt Neuburg an der Donau. Das ist der klassische Weg. Zudem will ich die Gesamtkonzeption weiterentwickeln, dass – vom neuen Museum der Bayerischen Geschichte in Regensburg ausgehend – jeder Regierungsbezirk ein Landesmuseum mit geschichtlich-kulturhistorischem Zuschnitt erhält. Außerdem gibt es in Bayern über 1300 Museen und viele weitere kulturelle Einrichtungen wie die Villa Concordia in Bamberg. Und: Bayern hat an zehn Orten Staatsbibliotheken, auch das ist in Deutschland einmalig. Ich glaube, wir sind da sehr gut aufgestellt.

Ihre wichtigsten Baustellen?

Spaenle: Die Sanierung der Neuen Pinakothek wird kommen. Es stehen altersbedingt wichtige Personal-Entscheidungen an. Meine Grundüberzeugung: Der Staat soll Raum für Bewährtes geben und gleichzeitig Neues ermöglichen. Es wäre grundfalsch, mich als obersten Kunstkritiker zu sehen. Ich will ermutigen, nicht beurteilen.

Jetzt zum Beurteiler: Welche Musik hören Sie eigentlich privat?

Spaenle: Mittlerweile rund 90 Prozent Alte Musik, also Renaissance und Barock. Früher waren die Rolling Stones oder Earth, Wind & Fire meine Favoriten. Und ich bin ein bekennender Willy-Michl-Fan. Überhaupt will ich die Popularmusik stärker in den Blick nehmen – sowohl was die Ausbildung als auch die Aufwertung angeht.

Ihr Lieblingsmuseum?

Spaenle: Die Alte Pinakothek, meine Lieblings-Epochen sind die Altdeutsche Malerei und die flämische.

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Ihre Lieblings-Literatur?

Spaenle: Historische Romane. Es gibt zum Beispiel eine Trilogie von Richard Dübell, die mittlerweile in 14 Sprachen erschienen ist. Die ist spannend und für mich als studierter Historiker besonders interessant.

Sie haben auch Theologie studiert. Was kann man davon in die Politik herüberretten?

Spaenle: Das Christliche ist ja in der Politik nicht praktizierter Glaube, sondern Grundlage für einen Gesellschaftsentwurf. Er beschreibt, dass wir den einzelnen Menschen stärken und fördern wollen in einer solidarischen und subsidiär gestalteten Gesellschaft. Daher sind wir etwa gegen die Gemeinschaftsschule.

Apropos Gemeinschaft: Ein Wort zur Verwandtenaffäre?

Spaenle: Ich war der erste, der die Summe – 34 389 Euro – zurückgezahlt hat, aber das war selbstverständlich. Das war eine fatale Fehleinschätzung. Wer aus öffentlichen Mitteln bezahlt wird, muss sich bewusst sein, dass er eine Rechenschafts-Pflicht hat.

Im Internet kann man lesen, dass Sie „Bahnarbeiter“ waren. Was genau hat man sich darunter vorzustellen?

Spaenle: Genau so war es während meiner Studienzeit. Ich habe am Ostbahnhof Autos verladen und Güterzüge im Akkord entladen. Das wurde nach Tonnage bezahlt, und Studenten waren wegen ihrer flexiblen Arbeitszeiten ideal für die Bahn. Von der 12. Klasse bis zur Promotion habe ich dort immer wieder gearbeitet. Und ich weiß von meinen damaligen Kollegen, wie es ist, für 1200 Euro brutto eine Familie in München durchbringen zu müssen.

Interview: Matthias Bieber

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