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Tatsächlich … Liebe?

CSU macht beim Merkel-Besuch auf Harmonie

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Oft ein schwieriger Besuch – diesmal Harmonie pur: Angela Merkel beim CSU-Parteitag

München - Selten hat die CSU der Bundeskanzlerin Angela Merkel einen so herzlichen Empfang bereitet wie am Freitagabend in München. Doch ist es tatsächlich Liebe?

Die 900 Delegierten raunten regelrecht, so stürmisch umarmte Horst Seehofer die deutsche Regierungschefin nach ihrer Rede am Freitagabend. „Wenn es drauf ankommt, halten CDU und CSU zusammen“, freute sich Merkel. Und ein knappes Jahr vor den Wahlen ist es so weit: Präsentierten sich die Christsozialen in der Schuldenkrise bislang als Stier mit bedrohlichen Hörnern, tragen sie nun Europa auf dem Rücken.

Wer in welchem Bundesland regiert

Wer in welchem Bundesland regiert

Der Lautstärke gegen den Eurorettungs-Kurs der Kanzlerin ist in der Münchner Messe geradezu ein Säuseln gewichen: Merkels Weg nennt Seehofer mit seiner hellblauen Krawatte mit hunderten kleiner „H“s für „Horst“ nun „goldrichtig“ und ruft ihrem Generalsekretär Gröhe sogar „Hermann, wir lieben Euch!“ zu. Einstimmig beschloss die Partei ihren Europa-Leitantrag, worin sie der Bundesregierung und damit Merkels Pro-Griechenland-Krus einen „erfolgreichen Weg“ bescheinigt, den sie „mit aller Zielstrebigkeit und Energie weiter beschreiten“ wolle.

Vor wenigen Wochen durften Finanzminister Markus Söder und Seehofers Lautsprecher Alexander Dobrindt noch zum Generalangriff auf Merkels Warnung vor einem unberechenbaren Austritt Athens aus der Eurozone blasen. Da führte noch „kein Weg vorbei“ an einem Grexit. Für Parteistrategen ist der Fall nun klar: Je näher der Wahltermin rückt, desto einiger müssen CDU und CSU für einen gemeinsamen Erfolg sein. Und Horst Seehofer, selbstbewusst-zufrieden eine hellblaue Krawatte mit hunderten kleiner „H“s für „Horst“ tragend, gibt zu: Die Kanzlerin ist mit einem Zuspruch von 55 Prozent in Bayern beliebter als seine Partei.

„Wir sind eben sehr sportlich“, spottete ein Delegierter über den Euro-Spagat der Partei. Denn nur wenige Absätze nach dem Koalitions-Kuschelkurs nimmt sie den selbst wieder auf die Hörner und droht mit „konkreten Initiativen“: Künftig sollten die Bürger bei der „Übernahme erheblicher Finanzleistungen bei der Bewältigung der Krise“ in Volksentscheiden mitbestimmen können. Im Kleingedruckten glättete der Parteivorstand die Passagen. So soll Brüssel etwa „weniger und wesentliche Aufgaben“ erfüllen. Aber konkrete Beispiele wurden lieber wieder gestrichen. Damit konnten dann sowohl Euro-Skeptiker wie Peter Gauweiler den Beschluss wegen der angedrohten Euro-Volksabstimmungen „sehr mutig“ und die leidenschaftlichen Europa-Abgeordneten sich wegen des Bekenntnisses zu Europa gleichermaßen gut finden.

So hoch wie die Zustimmung war aber auch bei manchem das Schulterzucken: „Welches Europa wir uns konkret vorstellen, sagen wir lieber nicht“, so ein Delegierter. CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt sah das anders: Es sei auch wichtig, was ihre Partei verhindere – Euro-Bonds oder eine „Schuldenunion“.

In der Europa-Frage musste sich Angela Merkel also nicht mehr an der CSU abarbeiten und stimmte die Bayern auf den Wahlkampf ein: „Je sozialdemokratischer, desto ärmer“, schimpfte sie die SPD-geführten Bundesländer. Und die Roten redeten noch immer über ihre Agenda 2010. „Lasst sie reden. Wir kümmern uns um die Zukunft!“ Mit fünf Minuten stehendem Applaus dankte der Parteitag der Kanzlerin. Zumindest am Freitag war das Verhältnis zur CDU-Chefin so innig, dass Seehofer ihr den obligatorischen bunten Blumenstrauß nur noch virtuell als E-Mail zugeschicken ließ. Wie lange die Harmonie hält, ist jedoch ungewiss. Prompt setzte Finanzminister Markus Söder gegenüber der tz wieder zur Kritik an: „Ich bin skeptisch, ob Griechenland 2013 noch im Euro-Raum ist. Die Reformvorhaben sind zu gewaltig.“ Er sieht keinen Grund, zu verstummen: „Unsere klare Haltung in der Euro-Frage hat uns die stabilen Umfragewerte bereitet.“

Walther Schneeweiß

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