"Es geht auch anders"

Maget präsentiert seine Memoiren

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Franz Maget

München - Nach seinem Abschied aus der Politik hat Franz Maget jetzt seine Bilanz vorgelegt. "Es geht auch anders" ist das Buch passenderweise betitelt.

Ein talentierter Redner, manche sagten, der beste im Landtag. Ein freundlicher Mensch. Ein Politiker, der zuhören kann, der in keine Skandale verwickelt war. „Die personifizierte Glaubwürdigkeit“, wie Dieter Hildebrandt schreibt. Dieser Mann ist Franz Maget, bald 60 Jahre alt, und er hat trotz – oder wegen – all dieser Eigenschaften – 23 Jahre im Landtag auf der Oppositionsbank verbracht. Nach seinem Abschied aus der Politik hat der „bayerische Sozialdemokrat“ jetzt seine Bilanz vorgelegt. Es geht auch anders (Volk Verlag, 19 Euro) ist das Buch passenderweise betitelt.

Nur auf der Hälfte der 320 Seiten hat der Milbertshofener Abgeordnete selbst seinen Werdegang und seine Laufbahn im Landtag beschrieben. Seine Sicht der Dinge wird komplettiert durch Beiträge von Ehefrau Dorle, von Parteifreunden und in „Außensichten“ von einer überraschenden Auswahl von Autoren – bis hin zu Ex-Ministerpräsident Stoiber.

Nur selten zeigte Franz Maget nach Niederlagen öffentlich Enttäuschung. In seinen Erinnerungen lässt er einige Einblicke in seinen Gemütszustand zu, etwa nach den beiden Wahlkatastrophen 2003 und 2008. „Es fühlte sich an, wie wenn man zur Schlachtbank geführt wird“, beschreibt er diese Abende, in denen er in den TV-Studios seine Stellungnahmen zur Niederlage abgeben musste.

Ursula Münch, Direktorin der Tutzinger Akademie für Politische Bildung, schimpfte bei ihrer Präsentation des Buches ein bisschen mit Maget und denen, die „eine gewisse Verzagtheit bei der Bayern-SPD“ hätten durchscheinen lassen. Das Wort „Opfergang“ als Beschreibung für die Spitzenkandidatur Magets habe sie mehr als einmal entdeckt. Wie passend die Bezeichnung „der Sisyphos aus Milbertshofen“, der wie Maget, „unabhängig vom messbaren Erfolg Freude an seiner Arbeit hat“. Milbertshofen hat Maget allerdings schöne Erfolge gebracht: Dreimal holte er dort das Direktmandat für den Landtag, in der Bayern-SPD ein Prädikat.

Markus Rinderspacher, seit 2009 Magets Nachfolger im Amt des SPD-Fraktionschefs, bewundert seinen Mentor, auch weil in dessen Bilanz „von Bitterkeit keine Spur“ sei. Dabei habe es auch die Bayern-SPD diesem „Mann mit großem Kämpferherzen“ nicht immer leicht gemacht. Obwohl es Maget nie beschieden war, Regierungschef oder Minister in Bayern zu werden, „hat sein Wirken dem Land sehr gutgetan.“ Und er hat es zum Titel „Ehren­oppositionsführer“ gebracht, der ihm von den Grünen Margarete Bause und Sepp Daxenberger verliehen wurde, als er das Amt abgab. Maget hadert spürbar nicht mit seinem Politikerschicksal. Dabei war sein Berufsziel einmal Deutsch­lehrer. Andere haben ihm ein Profi-Fußballtalent à la Schweinsteiger zugeschrieben. Oder er hätte 2008 Nachfolger von OB Ude werden können (und wollen). Aber dann kandidierte der selber wieder.

BW

Franz Maget: So sehen ihn andere

Im Landtag konnte man Franz Maget als bemerkenswertem Redner gut zuhören – und gelegentlich musste sogar ich als Betroffener schmunzeln, wenn er wieder einmal eine witzige Pointe über mich ins Ziel brachte. (...) Die politische Konkurrenz in unseer Verantwortung ist Vergangenheit. Der persönliche Respekt ist geblieben.

Edmund Stoiber

Seit Jahrzehnten verkörpert Franz Maget in idealer Weise den Typus des menschlich gebliebenen Politikers. Jetzt ist es an der nächsten Generation, es ihm gleich zu tun. Ich danke ihm für seine herausragenden Verdienste für unsere Gesellschaft. Ich danke ihm für seine Freundschaft, für sein offenes Ohr und sein offenes Herz, wann immer man ihn um Rat und Tat oder um Hilfe ersucht.

Charlotte Knobloch

Franz Maget, der Sisyphos aus Milbertshofen, der sich seit Jahrzehnten an den Christsozialen abgearbeitet. Gegenbild und Gegenspieler zu den Protagonisten der Farce, die seit über 50 Jahren im Freistaat aufgeführt wird. Anti-Horsti, Anti-Beate, Anti-Alexander – kurz, der Mann der leisen Töne und die personifizierte Glaubwürdigkeit.

Dieter Hildebrandt

Der Franz hat Zeit für Sie und wenn er sich verabschiedet, dann tut das einem echt Leid, weil er war wirklich da, auch anwesend, und man wird das Gefühl nicht los, dass er sich über die nächste Begegnung mit Ihnen echt freut. Das ist – wie soll ich’s sagen? – schon etwas ziemlich Rares. Und das ist er eben, der Franz Maget.

Gerhard Polt

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