Talk-Kritik auch an Drosten und Lauterbach

Maischberger stellt Laschet mehrere Söder-Fallen - der Hammer kommt versteckt

Armin Laschet zu Gast bei Sandra Maischberger im Ersten.
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Armin Laschet zu Gast bei Sandra Maischberger im Ersten.

Ein erstaunliches klares Urteil fällte Sandra Maischberger zu Armin Laschets Auftritt in ihrer Sendung: „Sehr cool“. Doch einen versteckten, aber harten Schuss in Richtung Söder leistete der sich.

  • Corona lautete ein Thema bei „maischberger.die woche" am Mittwoch im Ersten - Hauptgast: Armin Laschet.
  • Die Moderatorin mühte sich redlich, Laschet klare Kritik an Konkurrent Markus Söder (CSU) zu entlocken. Dessen Schlag kam aber spät - und gut versteckt.
  • Rügen von Diskutanten mussten sich auch die Corona-Leitfiguren Christian Drosten und Karl Lauterbach anhören.

Berlin - Einige Atempausen gab es für die Talk-Zuschauer in Deutschland - mittlerweile wird angesichts steigender Corona-Zahlen im TV wieder vor allem über die Pandemie debattiert. Anders als Anne Will am Sonntag* hatte Sandra Maischberger am Mittwoch bei „maischberger.die woche“ aber auch einen CDU-Vorsitz- und Kanzleranwärter zu Gast.

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU)* stand im Einzelgespräch Rede und Antwort. Maischbergers Fragen wiesen in eine klare Richtung: Zum Thema machte sie immer wieder den Vergleich mit dem bayerischen Amtskollegen und möglichen Konkurrenten Markus Söder (CSU). Ein wenig aus der Fassung brachte Laschet allerdings nur ein Punkt in einer ganzen Salve an K-Fragen - den einzigen ernsten Seitenhieb versteckte der CDU-Politiker zwischen den Zeilen.

Äußerst kritische Worte - nur zum Teil von Laschet - gab es in der Runde hingegen an zwei Leitfiguren im Kampf gegen Corona, an Virologe Christian Drosten und SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach.

„Maischberger" in der ARD: Moderatorin will Laschet Söder-Kritik entlocken

Dabei hatte sich die ARD-Talkmasterin redlich Mühe gegeben, Laschet klare Kritik an Söder zu entlocken. „Wie gut finden Sie das Krisenmanagement in Bayern so?“, fragte sie etwa. „Pannen können bei jedem passieren“, entgegnete Laschet, wohl mit Blick auf das bayerische Test-Desaster. „Ich finde, er hat das gut gemacht. Wir waren am Anfang unterschiedlicher Meinung, aber es sind auch unterschiedliche Länder und unterschiedliche Situationen.“

Auch an den neuen, schärferen Regeln in der bayerischen Landeshauptstadt wollte Laschet keine Kritik üben. Für München verstehe er die Maßnahme - undenkbar sei dergleichen auch in NRW nicht. „Das hängt einfach vom Infektionsgeschehen in den nächsten Wochen und Monaten ab. Wenn es überall Werte wie in München gibt, werden wir darüber nachdenken“, betonte Laschet.

Maischbergers Talk: Auf eine Frage reagiert Laschet gequält - oder doch "sehr cool"?

Selbst in eine weitere kleine Falle Maischbergers wollte er nicht tappen: „Wir sollten alle nicht in Risikogebiete reisen“, empfahl Laschet den Bürgern. Ob damit auch München gemeint sei, wollte die Journalistin wissen. Der Befragte zuckte kurz und stellte dann klar: „Nein, nicht in Risikogebiete im Ausland!“

Ein wenig gequält wirkte Laschets Gesichtsausdruck allerdings schließlich bei Maischbergers Verweis auf die Umfrage-Ergebnisse zum CDU-Vorsitz. Dort liegt der NRW-Ministerpräsident weit abgeschlagen hinter Söder. „Ja, ist doch in Ordnung“, konstatiert er trotzdem, „das analysiere ich nicht.“ Kurz vor den Kommunalwahlen in NRW* hätten die Demoskopen auch die SPD in Führung gesehen, am Ende habe die CDU gewonnen. Er messe sich „nicht mit irgendwem anders“. Maischbergers Urteil fällt erstaunlich klar aus: „Sehr cool.“

Laschet stichelt versteckt gegen Söder: „Anderes Staatsverständnis" in NRW als in Bayern?

Sehr versteckt kam allerdings doch ein kleiner verbaler Hammer in Richtung Freistaat über Laschets Lippen. Angesprochen auf unterschiedliche Philosophien im ersten Lockdown erklärte er: „Ich habe für mich gesagt, eine Synagoge schließen, eine Kirche schließen, das ist auch vom Grundrecht her ein anderer Akt.“

Die Kirchen in NRW hätten schließlich von sich aus geschlossen, das habe man in der Landesregierung lediglich „zur Kenntnis genommen“, betonte Laschet. „Es ist nur eine Frage vom Staatsverständnis, ob man eben mal eine Kirche schließt, oder eine Synagoge", erklärte er. Verstehen ließ sich das durchaus als Kritik an Söders "Staatsverständnis".

Corona-Talk bei „maischberger.die woche“: Laschet gegen Lauterbach - „Das nehme ich nicht ernst“

Deutlicher schoss Laschet in Richtung des SPD-Gesundheitspolitikers Karl Lauterbach. Der hatte erklärt, Laschet habe mit zu frühen Lockerungen hohe Fallzahlen mitverursacht. „Naja, Wahlkampf. Das ist eine Wahlkampf-Äußerung“, lautete die Reaktion im Talk.

Viele Ministerpräsidenten hätten gefordert, Schulen und Kitas wieder zu öffnen, betont Laschet unter anderem - er sieht sich als Vorreiter einer wichtigen Erkenntnis: „Heute sagen alle, wir dürfen nie wieder als erstes Schulen und Kitas schließen.“ Ähnliches gelte für seine damalige Forderung nach Öffnung der Geschäfte: "In Geschäften haben wir keine Spreading-Ereignisse", konstatierte er.

Zu Beginn der Pandemie sei er mit seinem Wunsch nach Öffnung von Kitas und Schulen alleine gewesen; „Herr Lauterbach war dagegen“. Der neuerliche Vorwurf sei „in Ordnung“, erklärte Laschet. „Aber ernst nehmen tue ich das nicht.“

Drosten im ARD-Corona-Talk in der Kritik: Pilawa findet Äußerung „nicht richtig“

Stark in die Kritik geriet in der Sendung auch Virologe Christian Drosten. Angst und Panik seien von Anfang an zum Mainstream deklariert worden, das sei falsch gewesen, sagte TV-Moderator Jörg Pilawa - der eher fachfremd über Politik diskutierte. Man habe viel aus der ersten Welle gelernt. „Die Eigenverantwortung hat in Deutschland ja eigentlich sehr, sehr gut funktioniert", betonte er.

„Ich finde auch das, was Herr Drosten heute gemacht hat, nicht richtig, zu sagen, die große Pandemie kommt“. Das möge sein - aber zu sagen, man habe im Prinzip nichts anders gemacht als die Nachbarländer, sei „riskant“. Damit nehme man den Menschen das Verantwortungsmomentum, „wieder gut aufzupassen". Pilawas Auftritt stieß allerdings im Netz auf äußerst gemischte Reaktionen.

Laschet passte übrigens ebenfalls auf - als es darum ging, auf eine wichtige Frage ganz anders zu reagieren, als Söder es getan hätte. „Ich sehe, sie haben mit Ihrer Frau schon einmal darüber gesprochen, dass Sie nach Berlin gehen könnten, insofern ziehen Sie es auch in Erwägung, Kanzler zu werden“, fragte Maischberger ausgangs des Gesprächs. Laschets Antwort fiel klar aus: „Ja.“ (fn) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

In der Talk-Show vom 30. September sprach Maischberger mit ihren Gästen über das TV-Duell zwischen US-Präsident Donald Trump und Herausforderer Joe Biden. Ein Talk-Gast zog dabei einen kuriosen Vergleich zwischen Trump und dem FC Bayern.

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