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In ARD-Talk kann Laschet sich kurz zusammenreißen - dann holt er zum Söder-Rundumschlag aus

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Bei „Maischberger“ holte Laschet zum Söder-Rundumschlag aus.
Bei „Maischberger“ holte Laschet zum Söder-Rundumschlag aus. © Screenshot / ARD-Mediathek

Bei Sandra Maischberger war Armin Laschet zu Gast. Im Interview ging es ums Wahlkampf-Fehler, Markus Söder und die Zukunft der CDU.

Sandra Maischberger lässt in ihrem Talk „Maischberger. Die Woche“ den gescheiterten CDU-Kanzlerkandidaten zu Wort kommen. Mit 24,1 Prozent hatte Armin Laschet seiner Partei das schlechteste Ergebnis in der Geschichte beschert. Im Interview mit Maischberger gab Laschet offen seine Enttäuschung zu: „Ich hätte gern gewonnen“, so der Noch-Parteichef, „Ich wäre jetzt lieber Kanzler und säße nicht in diesem Sessel, sondern bei Koalitionsverhandlungen.“

Jamaika trauere er hinterher, eine Koalition, die „für das Land besser wäre“, ist der ehemalige CDU-Spitzenmann überzeugt, weil man hätte „mehr bewegen“ können. Er sei kritisch, ob die Ampel umsetzen könne, was sie verspricht. 

Hollywood-Schauspieler Ralf Moeller outet sich bei Maischberger als Laschet-Freund

Der schmerzhafte Blick zurück - Sandra Maischberger will es ihrem CDU-Gast nicht allzu schwer machen und lässt Hollywood-Muskelmann Ralf Moeller, der sich in der Sendung als Freund Laschets bezeichnet, gegen die Laschet-Gegner austeilen. Sie hätten auf Laschet „hinterm Rücken eingestochen“, so was sei „unfair!“.

Auch der ehemalige Chef des Bayrischen Rundfunks Sigmund Gottlieb zieht im Rückblick die symbolische Rote Karte: Laschet habe „mutterseelenallein“ einen Wahlkampf machen müssen, da die Union ihn in weiten Teilen ganz offen „nicht mehr unterstützt“ habe. Gottlieb: „Ich habe mir schon gedacht: ,Meine Güte! Was tut ihr diesem Mann an?!’“

„Maischberger. Die Woche“ - diese Gäste kamen zum Einzel-Gespräch:

Als Experten: 

Die Zeichen sind gesetzt, die Bühne bereitet und Armin Laschet erscheint im Anzug ohne Krawatte, mit offenem, weißem Hemdkragen. Von der Regie bekommt er einen Studioeinlauf geschenkt. Statt wie sonst mit Kameraschwenk auf die Interview-Insel, darf Laschet durch die Studiotür eintreten, vorbei an applaudierenden Zuschauern.

Im Sitz angekommen, schaut Laschet zunächst einmal zurück mit Wehmut: „Wir haben eine Zeit gehabt, da war Annalena Baerbock ganz weit vorne, dann war eine lange Zeit ich ganz weit vorne, und dann kam plötzlich Olaf Scholz im Endspurt.“ Sein Resümee: „Ich habe gegeben, was ich konnte.“ Doch die „sehr, sehr vielen Einflüsse“, die auf den Wahlkampf gewirkt haben, hätten Wirkung gehabt.

Laschet im Interview bei Sandra Maischberger: Söder ist kein Superstar!

„‘Mit dir verlieren wir die Wahl!’, sollen Sie Markus Söder direkt ins Gesicht gesagt haben“, hält Maischberger Laschet vor. Der zögert lange mit der Antwort, windet sich im Sessel und reißt sich schließlich zusammen: „Ich trage keine Interna nach außen“, spricht er und hat mit der Körpersprache bereits genug verraten.

Ob er sich noch immer für den richtigen Kanzlerkandidaten halte, bohrt Maischberger weiter. Laschet tastet sich an die Antwort, verweist auf die Unterstützung von zwei Drittel der CDU – und redet dann doch Tacheles: Er sei sich sicher, Söder hätte einen genauso harten Wahlkampf erlebt. Den „Superstar“, zu dem ihn einige haben stilisieren wollten, sehe Laschet in Söder nicht. Dann wendet er sich mit einer rhetorischen Frage an die Moderatorin: „Die ganze Republik hätte doch nicht von links bis rechts gesagt: ,Bitte werde Bundeskanzler!’?“

Ab wann das Verhältnis zum bayerischen Kollegen einen Knacks bekommen habe, will Maischberger wissen und Laschet gibt bereitwillig Auskunft. Das Verhältnis der beiden Unions-Kollegen sei „lange Zeit sehr gut“ gewesen, so der Aachener, „ich habe ihm wirklich viel geglaubt.“ Erst im Wahlkampf habe dann das Vertrauen gelitten. „Es hat mich erst mal überrascht, dass er (Söder) überhaupt antrat“, gibt Laschet unumwunden zu.

Als das Dauerfeuer aus Bayern auch danach nicht nachließ, habe er Söder immer wieder angerufen: „Markus, lass es! Markus, warum sagst du jetzt wieder das?“ Doch der hätte immer geantwortet, er sei falsch zitiert worden. Laschet geknickt: „Es waren immer andere.“ Warum Söder sich so verhalten habe, will Maischberger jetzt wissen. Das sei ihm bis heute ein Rätsel, „weil es auch der CSU nichts nutzt. Die CSU wäre auch stärker, wenn wir in Berlin gemeinsam regieren würden.“

Laschet gesteht bei Maischberger: Das Flut-Bild ärgert ihn noch heute „zu Tode“

Dann noch ein schneller Blick zurück. Maischberger spielt eine Fotowand mit Laschets größten Wahlkampf-Fauxpas ein - alle stammen aus dem Flutgebiet. Laschet, wie ein nasser Pudel im Starkregen. Dann wieder beschirmt beim Bürgergespräch - doch der Schirm bedeckt nur den Ministerpräsidenten und lässt den Anwohner scheinbar im Regen stehen. Der Lacher während der Rede des Bundespräsidenten und seine eigene Rede vor einem Trümmer-Berg.

Laschet zeigt sich einsichtig, macht aber auch deutlich, wie kurz die Bildsprache greifen kann. Vor allem, wenn Fotos nur einen Ausschnitt zeigen würden – wie auf zwei der Bilder beispielsweise nicht den zweiten Schirm oder Olaf Scholz, der nur einen Meter neben ihm „im Regen“ und genauso durchnässt gestanden habe. Ehrlich zerknirscht wirkt Laschet dagegen beim lachenden Foto, dass ihm während der Trauerrede Frank-Walter Steinmeiers zeigt. Laschet: „Ein großer Fehler“.

Er sei damals tagelang im Flutgebiet unterwegs gewesen. Hätte die Not, die Trauer der Menschen hautnah erlebt, viele umarmt, Trost gespendet - doch am Ende sei diese Zehntelsekunde entscheidend darüber gewesen, wie viele Menschen in Deutschland ihn zum ersten Mal erlebt hätten. Der Noch-Parteichef: „Es ärgert mich zu Tode - bis heute“.

Wie geht es weiter mit der CDU? Maischberger lenkt den Blick auf die Zukunft der Union. Wird Friedrich Merz Laschets Nachfolger? Wird er ihn wählen? Laschet will nicht raus mit der Sprache. Noch sei alles offen. Lieber spricht er über seine Aufgaben als Bundestagsabgeordneter, er wolle weiter in der Außen- und Europapolitik arbeiten, Deutschland muss Industrieland bleiben, aber Klimaschutz-Ziele einhalten und wird auch noch mal persönlich: Nicht mehr Ministerpräsident von NRW zu sein, erfülle ihn mit „Wehmut“. Nur seine Frau, so der 60-Jährige, sei über die verlorene Kanzlerschaft „ein Stück weit auch erleichtert“ gewesen. Auch bei „Markus Lanz“ war Laschets Schlappe kürzlich Thema - ein CDU-Ministerpräsident trat hart gegen den Wahlverlierer nach. (Verena Schulemann)

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