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Erster „Lanz“-Auftritt seit zwei Jahren: Spahn muss ordentlich einstecken - „nie Sympathieträger!“

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Der ehemalige Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zu Gast bei „Markus Lanz“ (ZDF).
Der ehemalige Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zu Gast bei „Markus Lanz“ (ZDF). © Cornelia Lehmann/ZDF

Markus Lanz diskutiert mit Jens Spahn. Der Ex-Bundesgesundheitsminister teilt aus und muss nur einmal wirklich einstecken. Am Ende bleiben viele Fragen ungestellt.

Hamburg – Als sich Ex-Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Mittwochabend bei Markus Lanz in den Sessel setzt, sind zwei Jahre seit seiner letzten Visite im ZDF-Talk vergangen. Entsprechend groß war eigentlich das Potential für Lanz und seine ansonsten teils hartnäckigen Fragestellungen. Doch Spahn wirkte müde, fast kraftlos. Und mit ihm weite Teile der Sendung.

Markus Lanz: Er hat schon bessere Flughöhen erreicht

Schon gleich zu Beginn der Sendung macht Markus Lanz klar, wohin die Reise geht. Er zitiert Journalistin Kristina Dunz, die in der Runde sitzt: „Momentan geht er (Spahn) wirklich unter. Man bekommt von ihm nichts mit.“ Ob sie sich Sorgen um Spahns politische Zukunft mache, will Lanz wissen. Die Frage geht wohlgemerkt an Dunz, nicht an Spahn selbst. „Nö“ sagt sie, „ich glaube, Herr Spahn wird in der Politik oder in der Wirtschaft, breit gefächert bei ihm, immer einen Job finden.“ Lanz lacht: „Das ist ja ein giftiges Kompliment.“ Und der Zuschauer fragt sich, ob hier nun mit oder über Jens Spahn gesprochen werden soll. Der spürt allerdings wenig Drang zum Eingreifen. Was der Zuschauer noch nicht weiß: Damit hat die Sendung bereits annähernd die maximale Flughöhe erreicht.

Der ehemalige Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) im Gespräch mit Markus Lanz (ZDF).
Der ehemalige Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) im Gespräch mit Markus Lanz (ZDF). © Cornelia Lehmann/ZDF

Spahn muss bei „Markus Lanz“ einstecken: „Sie waren nie so der Sympathieträger“

Lanz stellt fest: Spahn habe „einen unglaublichen Höhenflug und eine ziemlich harte Landung erlebt“. Und Dunz wirft noch eine fiese Kiste auf die Landebahn: „Sie waren nie so der riesige Sympathieträger in der Partei.“ Spahn ficht so etwas nicht an. Er ist Gegenwind gewöhnt. Und macht gute Mine zum seltsamen Spiel. Auch als sein Nachfolger zur Sprache kommt, bleibt er ruhig. Lanz will es genau wissen: „Lauterbach ist für sie was, das Orakel? Die Nervensäge? Der Quälgeist?“

„Weder noch“, sagt Jens Spahn. „Wir arbeiten vertrauensvoll zusammen.“ „Wertschätzend?“, hakt Lanz nach, wohlwissend, wie despektierlich sich Spahn früher über Lauterbach geäußert hat. „Wertschätzend“, bestätigt er, ohne dass ihn seine Miene verraten würde.

Diese Gäste diskutierten mit Markus Lanz:

An echte Fehler während der Pandemiezeit kann er sich nicht erinnern. Aber dann doch „zwei Dinge, wo ich falsch kommuniziert habe“. Am 26. Dezember 2021 auf der Pressekonferenz zum Start der Impfungen sei er zu überschwänglich gewesen. „Da habe ich eine Erwartungshaltung geweckt, die wir nicht erfüllen konnten.“ Und Spahn erinnert auch, dass ihm ausgewiesene Hygiene-Experten sagten, „dass Masken nicht den Unterschied bringen“.

„Markus Lanz“: Spahn will keilen – doch die Keule kommt sofort zurück

In einem der seltenen, kämpferischen Momente will Spahn den SPD-Politikern Kevin Kühnert und Thomas Kutschaty einen Hieb verpassen. Grund: Beide hatten nach der Landtagswahl Nordrhein-Westfalen 2022 einen Regierungsauftrag angemeldet. Doch der Schuss geht nach hinten los. Lanz und Dunz erinnern Spahn, dass er nach der Bundestagswahl zusammen mit Armin Laschet so ziemlich das Gleiche getan hatte. Spahn rudert zurück.

Seine Kritik an einer anderen SPD-Figur erntet mehr Zustimmung: Verteidigungsministerin Christine Lambrecht, da sind sich fast alle in der Runde einig, gibt eine bemerkenswert schwache Figur ab. Die Wehrbeauftragte Eva Högl findet schier kein Ende beim Aufzählen dessen, was alles schief läuft in der Bundeswehr. Fallschirmjäger ohne Helme, Kampfschwimmer ohne Schwimmhalle, 30 Jahre alte Funkgeräte, die wegen der antiken Technik buchstäblich kein anderer mehr versteht, fehlende Munition, fehlende Wäsche…und eine Ministerin, die wichtige Termine und Antrittsbesuche schleifen lässt.

150 Milliarden Bundeswehr-Etat. Was passiert mit dem Geld?

Die Runde bemüht sich nach Kräften, zu erforschen, was eigentlich mit dem Bundeswehr-Etat von 50,3 Milliarden Euro pro Jahr passiert. Und mit den zusätzlichen 100 Milliarden „Sondervermögen“ in diesem Jahr. „Was funktioniert da nicht?“, fragt Lanz, „Da muss doch irgendwann mal was rauskommen!“. Doch die Runde sucht vergeblich. Am Ende bleibt die Feststellung, dass das Sondervermögen ein Euphemismus für „Alles Schulden“ (Spahn) ist und der Steuerzahler gespannt bleiben darf, was aus dem Geld wird.

„Markus Lanz“-Talk zu Verteidigungsministerin Lambrecht – Historiker Neitzel: „Kenntnisfrei ins Amt gekommen“

Historiker Sönke Neitzel sieht Lambrecht in einer gewachsenen Tradition zahlreicher Fehlbesetzungen. „Die Leute sind kenntnisfrei ins Amt gekommen“, sagt er. Die aktuelle Situation kann er nur mit einem mittelattraktiven Bild beschreiben: „Wir stehen mit heruntergelassenen Hosen da.“

Journalistin Dunz ist die Einzige, die der Ministerin etwas Deckung gibt. Sie zieht die Geschlechter-Karte. „Mir wäre es lieber, männliche Berichterstatter würden sich darauf konzentrieren, was sie an Inhalten…“ Doch das Totschlagargument wird zum Rohrkrepierer. Lanz fängt die Journalistin ein, bevor der Satz noch komplett heraus ist. Dunz setzt neu an. Das Ministerium sei „ganz, ganz schwierig“, die Ministerin habe es „als Neuling sowieso schwer“, und ihre Qualitäten als Juristin und als Verhandlerin seien gut. Spahn fasst die Ausführungen sarkastisch zusammen: „Also Ihre These ist: Es ist eigentlich alles prima. Wir nehmen es nur falsch auf.“

Fazit des Talks bei Markus Lanz:

Viele Fragen blieben offen, viele Fragen ungestellt. Nach zwei Jahren „Markus-Lanz“-Abstinenz hätte Jens Spahn sicher mehr Angriffsfläche geboten. Doch statt weitreichende und oft kritisierte Entscheidungen eines Gesundheitsministers während der Pandemiezeit zu hinterfragen, hielt Lanz sich lieber in der vergleichsweise spannungsarmen Jetzt-Zeit eines Bundestagsabgeordneten Jens Spahn auf. Was der gerade macht, dürfte allerdings weniger Menschen interessieren, als das, was er getan hat. (Michael Görmann)

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