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„Voyeuristischer“ ZDF-Talk? Markus Lanz reagiert direkt eingeschnappt auf Kühnert-Satz

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Markus Lanz im Talk mit Kevin Kühnert.
Markus Lanz im Talk mit Kevin Kühnert. © Screenshot / ZDF-Mediathek

Die „Markus Lanz“-Runde diskutiert über die Sozialdemokraten. Dabei wird deutlich: Das Verhältnis zwischen Kanzler Scholz und SPD-Generalsekretär Kühnert könnte besser sein.

Bei „Markus Lanz“ erklärt am Dienstagabend der frischgebackene SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert gleich zu Beginn, dass er und Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) sich eigentlich kaum kennen. Er spreche natürlich von Politiker zu Politiker mit ihm, aber: „Wie dann der Mensch Olaf Scholz dahinter tickt und worüber der so sinniert, wenn er abends zu Hause vor dem Fernseher sitzt – das weiß ich nicht.“ Das sei für die Zusammenarbeit aber auch nicht „so fürchterlich relevant“.

Wer ist Olaf Scholz? „Markus Lanz“-Runde fischt im Trüben, auch SPD-Generalsekretär Kühnert weiß es nicht

„Wirklich? So nüchtern läuft das alles ab?”, kann Talkmaster Lanz es kaum fassen, „Das glaube ich nicht. Da sitzt man sich doch gegenüber, da kriegt man doch ein Gefühl dafür, was das für ein Mensch ist?“ „Klar, in so einer Übergangsphase wie im Moment redet man auch mal nebenbei über so ein paar wirklich zwischenmenschliche Sachen. Weil mich das natürlich auch interessiert: Da zieht jemand nach 16 Jahren Angela Merkel neu ins Kanzleramt ein. Dann fragt man auch mal: Wie ist denn das im Moment eigentlich? Wie erlebt man diese ersten Tage? Das sind ja besondere Wegmarken im eigenen politischen Leben.“

Kevin Kühnert findet „Markus Lanz“ voyeuristisch - „Aber das ist auch völlig okay“

Talkmaster Lanz schildert seine Theorie von den zwei Hirnströmen des Kanzlers: „Ich habe immer das Gefühl, da gibt es den Hauptgehirnstrom, der läuft. Und dann gibt’s daneben noch so einen zweiten, der kontrolliert, was der erste macht. Und das Ergebnis ist, dass einfach nichts aus ihm herauspurzelt, was ihm gefährlich werden könnte.“ Während Lanz spricht, nickt Kühnert auf die Studiomonitore blickend vor sich hin, was jedoch nur eine halbe Sekunde lang zu erahnen ist, denn als er dort sein eigenes Nicken erblickt, endet es abrupt. „Wie erleben Sie ihn, Herr Kühnert?“, erkundigt sich der Gastgeber, „wenn Sie ihn Dinge fragen in der Hoffnung auf eine klare Antwort – antwortet er Ihnen?“

„Wenn ich mit ihm rede, stelle ich ihm in der Regel politische Fragen“, setzt Kühnert an, doch Lanz unterbricht: „Das machen wir ja hier auch.“ „Naja“, unkt Kühnert, „gelegentlich ist auch ein klein Bisschen was Atmosphärisches und Voyeuristisches mit dabei, aber das ist auch völlig okay.“ „Ist schon angekommen, im Amt, merkt man.“, spielt Lanz den Eingeschnappten. Kühnert legt schmunzelnd nach, bevor er die Antwort auf die eigentliche Frage gibt: „Nein – ich kriege sehr präzise Antworten.“ Als Beispiel führt er die Arbeit am Koalitionsvertrag an, bei etwaigen Rückfragen habe Kühnerts Arbeitsgruppe präzise und sachverständige Auskunft vom Kanzler bekommen.

Steht SPD-Generalsekretär Kühnert wirklich hinter Kanzler Scholz? Markus Lanz hat seine Zweifel

Und Kühnert als Generalsekretär der SPD – wie sehr stärkt er dem Kanzler künftig den Rücken? Scholz habe zu seiner Zeit als Generalsekretär das Handeln Gerhard Schröders (SPD) verteidigt, erklärt Journalist Lars Haider: „Der Generalsekretär muss derjenige sein, der vor die Kameras geht, wenn es hart wird oder wenn die anderen nicht sprechen wollen, wenn eine Wahl verloren ist.“ Von den Harz-Gesetzen sei Scholz womöglich selbst nicht begeistert gewesen, „aber er hatte dann damals diese Rolle. Und diese Rolle musst du dann erfüllen, ob du willst oder nicht. Sonst bist du da als Generalsekretär aus meiner Sicht an der falschen Stelle.“ „Das heißt, Sie werden sich in Zukunft vor Olaf Scholz werfen müssen, Herr Kühnert“, stellt Talkmaster Lanz fest.

„Immer dann, wenn ich das Gefühl habe, dass er zu Unrecht angegriffen wird, werde ich das selbstverständlich tun“, antwortet Kühnert. „Und wenn er zu Recht angegriffen wird, was dann?“, fragt Lanz und legt nach: „Sie haben ja alles dafür getan, um den Kanzler Olaf Scholz zu verhindern. Und jetzt müssen genau Sie den Kanzler Olaf Scholz mit allem was Sie haben verteidigen.“ Kühnert distanziert sich von Lanz‘ Unterstellung nicht, bleibt gelassen und antwortet nüchtern: „Er muss funktionieren können als Kanzler, wenn wir das, was wir uns im Koalitionsvertrag vorgenommen haben, umsetzen wollen. Ist doch logisch. Insofern ist mein Tun und Handeln maßgeblich darauf ausgerichtet, dass er Erfolg haben kann im Amt. Wäre doch merkwürdig, wenn nicht.“

„Markus Lanz“ - das waren seine Gäste am 14. Dezember

Der bevorstehenden Regierungszeit blickt Kühnert offenbar mit gemischten Gefühlen entgegen: „Es ist halt Licht und Schatten in so einer Koalition“, sagt er mit Blick auf den Bereich Bauen und Wohnen, „ich bin sehr zufrieden, was wir beim Bauen selbst aufgeschrieben haben. Dass wir künftig jedes Jahr 400.000 Wohnungen bauen wollen, dass wir 100.000 preisgedämpfte, im Volksmund ‚Sozialwohnungen‘ jedes Jahr an den Start bringen, damit der Anteil davon endlich mal wieder wächst. Wir machen eine neue Wohnungsgemeinnützigkeit, wir kriegen das mit dem Klimaschutz im Gebäudesektor besser hin – alles sehr gut. Deutlich mehr gewünscht hätte ich mir, und auch erwartet, im Bereich des Mietrechtes.“ Der Koalitionsvertrag sei hier „unterhalb dessen geblieben, was notwendig gewesen wäre.“

„Markus Lanz“ - Das Fazit der Sendung

„Markus Lanz“ widmet sich am Dienstagabend ausführlich der SPD. Im Hamburger Studio findet sich dazu SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert ein, der die Journalistin Ulrike Herrmann damit überrascht, dass er 2005 in die SPD eingetreten ist – also zur Zeit der Harz-Reformen, die Kühnert während seiner bisherigen politischen Karriere bekämpfte. Andere Dinge hätten ihn als Jugendlicher politisiert, der Widerstand gegen den Irakkrieg etwa. Der Journalist Lars Haider kennt Scholz gut, weshalb der ein oder andere seiner Beiträge selbst den distanzierten Kühnert schmunzeln lassen. Die Ökonomin Veronika Grimm debattiert gegen Ende der Sendung mit Herrmann zwischen staatlichen und privaten Investitionen darüber, wie die wirtschaftliche Zukunft Deutschlands aussehen könnte. Ein anderer SPD-Politiker ging bei Lanz derweil kürzlich auf Söder und seine Corona-Politik los. Hermann Racke

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