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In ZDF-Talk tritt CDU-Ministerpräsident heftig gegen Laschet nach - und „fasziniert“ damit Moderator Lanz

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Die Talkrunde bei „Markus Lanz“ (ZDF)
Die Talkrunde bei „Markus Lanz“ (ZDF) © ZDF/Markus Lanz (Screenshot)

Bei „Markus Lanz“ debattiert der Talkmaster mit CDU-Mann Haseloff über die verlorene Bundestagswahl– der schießt hart gegen Armin Laschet.

Hamburg - Die „Markus Lanz“-Runde lauscht am Dienstagabend eingangs dem Interview zwischen Talkmaster Markus Lanz und dem Politiker Reiner Haseloff (CDU). Dabei lässt sich der Ministerpräsident Sachsen-Anhalts auf eine späte und knappe Wahlkampfanalyse ein, die kaum ein gutes Haar an Armin Laschet (CDU) lässt. Lanz legt direkt den Finger in die Wunde: „Sie sind immer noch richtig sauer. Sie nervt das total, wie sie diese Wahl vergeigt haben.“

Dem CDU-Politiker – der sich beim Ringen zwischen Laschet und Söder um die Kanzlerkandidatur damals klar für den Bayer aussprach – bleibt nichts anderes übrig, als das einzugestehen. Mit einem anderen Kanzlerkandidaten hätte, so Haseloffs These, die Union besser in den ostdeutschen Bundesländern abgeschnitten – und „die Wahl auf jeden Fall gewonnen“. Der Talkmaster Lanz findet es derweil „faszinierend“, was Haseloff „alles so zwischen den Zeilen“ sage. Haseloffs Laschet-Fazit: „Es reicht nicht, als Politiker einen guten Charakter und eine Freundlichkeit und eine Zuwendung und all diese Eigenschaften mitzubringen, sondern es geht auch um Parameter, die ein Wähler zusätzlich bewertet.“

Den Vorwurf, dass bei der Findung eines neuen Parteivorsitzenden keine Frau zur Wahl stehe, weist Haseloff zurück: „Noch haben wir gar kein Angebot. Wir sind doch gerade erst bei der Findung.“ Gerade die CDU habe, meint Haseloff, gute Erfahrungen mit Angela Merkel an der Parteispitze gemacht: „Wir haben die stärkste Frau Europas 20 Jahre lang, davon 16 Jahre lang Kanzlerschaft, präsentiert.“

Coronavirus-Debatte bei „Markus Lanz“ - Haseloff: „Es sieht völlig anders aus als vor einem Jahr“

Dann macht Markus Lanz das Corona-Thema auf, mit dem er seit vergangenem Freitag selbst inmitten einer Kontroverse steckt: Er und Philosoph Richard David Precht hatten in ihrem gemeinsamen Podcast „Lanz & Precht“ über die Pandemie gesprochen, kritisch Position bezogen und damit Querdenker-Jubel ausgelöst. Vor einem Jahr, trägt Lanz Haseloff betont nüchtern vor, sei die Corona-Inzidenz in Sachsen-Anhalt bei 52,7 gelegen und es habe einen Lockdown gegeben. Aktuell sei sie bei 139,2 – wie unterscheidet sich die damalige Situation von heute? Haseloff: „Die Unterscheidung liegt in der Impfquote zum Beispiel. Auch bezüglich der Hospitalisierungsquote und auch der Auslastung der Intensivbetten. Die sieht völlig anders aus als noch vor einem Jahr.“

„Wenn mir jemand vor einem Jahr gesagt hätte“, wirft die Vorsitzende des Ethikrates Alena Buyx ein, „wir haben die Impfquoten, die wir jetzt haben, hätte ich gesagt: Das ist super, großartig, damit sind wir durch, dann ist das vorbei. Und Delta hat das einfach kaputtgemacht, weil Delta so viel ansteckender ist und weil wir die sterile Immunität damit auch nicht bekommen. Das heißt, es ist leider so, dass auch Geimpfte das Virus immer noch weitergeben können. Das ist eine andere Situation. Und da reichen die Impfquoten, die wir jetzt haben, nicht aus.“ Mehr als drei Millionen über 60-Jährige seien nach wie vor nicht geimpft und damit dem „exakt gleichen Risiko ausgesetzt wir vor einem Jahr“.

Reiner Haseloff bei „Markus Lanz“: „Wer an den Dingen, wo ich bin, teilnehmen möchte, der sollte geimpft sein“

Angesichts der Impfverweigerung eines Drittels der sachsen-anhaltinischen Bevölkerung möchte Haseloff künftig nur noch Geimpfte oder Genesene bei seinen Veranstaltungen zulassen: „Wer an den Dingen, wo ich bin, teilnehmen möchte, der sollte geimpft sein. Es sei denn, es sprechen medizinische Dinge dagegen. Diese klare Ansage müssen wir wahrscheinlich machen. Nicht im Sinne von staatlich verordneter Ausgrenzung. Aber von moralischen Dingen, dass man sagt: Bitte tritt nur ran, wenn du geimpft bist – du gefährdest mich. Eine andere Möglichkeit sehe ich nicht.“

Die Philosophin Svenja Flaßpöhler findet den wachsenden Druck kontraproduktiv: „Es wurde ja von Anfang an gesagt, es wird keine Impfpflicht geben. Das muss man dann schon auch ernst nehmen, also das heißt, dass erstmal jeder das Recht hat, sich nicht impfen zu lassen.“ Der Vorstellung einer Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen kann sie ebenfalls nichts abgewinnen: „Man sieht das ja auch in Frankreich, in Italien, die Leute gehen ja auf die Barrikaden. Die Leute kommen einfach nicht mehr zur Arbeit. Was ist dann unterm Strich besser?“

„Markus Lanz“ - das waren seine Gäste am 2. November:

Haseloff glaubt hingegen, dass das Thema einer Impfpflicht noch nicht vom Tisch ist: „Der Ethikrat wird sicherlich nochmal mit dem Thema sich komplex beschäftigen müssen, weil es eben sehr starke regionale Unterschiede gibt. Nicht nur in Europa und international, sondern auch in Deutschland. Im Osten sind wir alle ziemlich enttäuscht, auch als Kolleginnen und Kollegen hätten wir aufgrund der Erfahrung eine höhere Impfquote erwartet, weil es zum täglichen Leben und auch zur Gesundheit des persönlichen Entwickelns gehört hat, dass man geimpft und gut durchs Leben gekommen ist.“

„Und was machen wir mit denen, die sich partout nicht impfen lassen wollen?“, fragt Moderator Lanz. Haseloff grübelt einen Moment, ehe er sagt: „Es muss verschiedene Zugänge geben, denke ich mal. Was nicht passieren darf, das ist ja vorhin schon diskutiert worden, ist, dass wieder alles auf die Schulen und auf die Kinder kapriziert wird. Die sind diejenigen, die bisher die meisten Lasten getragen haben. Für sie selber hätten diese Maßnahmen gar nicht gemacht werden müssen, sondern wir haben damit versucht, Ältere und Vulnerable zu retten. Das haben wir auch gemacht. Und jetzt sind die Älteren dran. Es wird Aufgabe einer neuen Bundesregierung sein, auch über rechtliche Schritte nachzudenken.“

„Markus Lanz“ - Das Fazit der Sendung

Die Corona-Pandemie prägt „Markus Lanz“ am Dienstagabend. Politiker Reiner Haseloff (CDU) hadert mit der niedrigen Impfquote seines Bundeslandes und empfiehlt dem Ampelbündnis, eine Impfpflicht zu prüfen. Ethikrat-Vorsitzende Alena Buyx hätte die jetzige Situation „nie für möglich gehalten, weil ich wirklich gedacht habe, es lassen sich mehr Menschen impfen“. Der Physiker Dirk Brockmann äußert seine Sorge über zu träges politisches und individuelles Handeln in einer dynamischen Realität; die Philosophin Svenja Flaßpöhler beklagt den großen gesellschaftlichen Druck, sich impfen zu lassen; und der Journalist Robin Alexander kommentiert Politik und Pandemie aus seiner Sicht. (Hermann Racke)

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