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Im ZDF-Talk spitzen Lanz‘ Gäste die Kimmich-Debatte zu - „Gibt es diese Nebenwirkungen wirklich?“

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Die Talkrunde bei Markus Lanz (ZDF)
Die Gäste bei Markus Lanz (ZDF) © Screenshot: ZDF/„Markus Lanz“

Corona-Impfung und Nebenwirkungsängste am Beispiel von Joshua Kimmich: Bei „Markus Lanz“ spitzen der Gastgeber und die Virologin Jana Schroeder die Debatte zu.

Hamburg - Bei „Markus Lanz“ kommentiert am Dienstagabend zu Beginn der Sendung die Virologin Jana Schroeder die Corona-Situation in Deutschland. Der Wissenschaftlerin ist anzumerken, dass sie die Situation von Fußballnationalspieler Joshua Kimmich, der sich noch nicht impfen lassen will, hin- und herreist: „Ich hoffe in dem Zusammenhang, dass ich nicht öffentlich dazu genötigt werde, was über Fußballtaktiken zu sagen. Ich würde es da eher wie Jürgen Klopp halten, der sich ja auch schon dazu geäußert hat, dass man eben die Leute fragt, die sich damit auskennen. Trotzdem ist es natürlich so, dass man schon sagen kann, dass man nicht geimpft ist. Das ist ja auch nicht das Problem an dieser Debatte. Das Problem ist eher, dass er einem wissenschaftlichen Irrglauben aufgesessen ist. So sehe ich das eher. Auf der einen Seite freut es mich aber auch, weil ich glaube, dass das ein Thema ist, was viele andere auch beschäftigt.“

Booster-Impfungen bei den einen, Sorgen vor Nebenwirkungen bei den anderen

Schroeder erinnert daran, dass es bei Impfstoffen keine Langzeitnebenwirkungen gebe, die nicht schon innerhalb der ersten 14 Tage sichtbar würden, aber: „Es ist manchmal so, dass es sehr seltene Nebenwirkungen gibt, die erst später, in einem gewissen Zeitraum, der Impfung zugesprochen werden. Also wo man erst später den Zusammenhang hergestellt hat.“ Fälle von Narkolepsie zu Zeiten der Schweinegrippe-Impfung etwa: „Wir reden über sehr seltene Nebenwirkungen, die häufig erst im Nachgang, also erst nach einiger Zeit, der Impfung zugesprochen werden. Aber auch diese treten frühzeitig nach der Impfung auf.“

Talkmaster Markus Lanz interessiert, wie die jüngeren Studiogäste zur Impffrage stehen. Die Politikerin Wiebke Winter (CDU*) meint: „Ich denke, dass jeder Mensch in Deutschland sich gut überlegen sollte, ob er oder sie sich impfen lässt. Denn Impfen bedeutet Solidarität. Man schützt sich nicht nur selber, sondern man schützt auch die Gemeinschaft. Man verhindert, dass neue Mutationen auftreten können.“ In ihrem privaten Umfeld sei sie fast nur von geimpften Menschen umgeben: „Das ist sicherlich auch darauf zurückzuführen, dass ich in einem Umfeld bin, wo viele Menschen auch sehr aufgeklärt sind. Die Debatte, die jetzt angestoßen wird durch den Fall Joshua Kimmich, ist sicherlich auch, dass wir nochmal darüber sprechen: Gibt es diese Nebenwirkungen wirklich?“

Coronavirus und Klimakrise: Ist es mit Aufklärung allein getan?

Die Umweltaktivistin Carla Reemtsma schließt sich dem an und attestiert ihrem Umfeld und der jungen Generation allgemein eine hohe Impfbereitschaft. Problematisch sei, wie beim Klima-Aktivismus, die Frage der Kommunikation: „Wie reden wir eigentlich über wissenschaftliche Erkenntnisse, die so weit weg sind von vielen, die Begriffe benutzen, die viele nicht kennen.“ Und sie verweist auf „diese ganz, ganz wichtige Aufklärungsarbeit, die jetzt vielleicht auch nochmal passiert durch die aktuelle Debatte“. Der Publizist Albrecht von Lucke hält die Debatte dagegen für überzeichnet: „Wir sollten die Person relativieren. Das ist nach wie vor ein junger Mann, der hat mit seinem Körper das höchste Gut, was für sein Leben hoch relevant ist. Es ist Millionen wert.“

„Markus Lanz“ - Das waren seine Gäste am 26. Oktober:

Wie sieht es bei den Impfdurchbrüchen aus? „Ich hörte dieser Tage von zwei Toten?“, versichert sich Moderator Lanz. „Schon mehrere auch“, korrigiert Schroeder Lanz, „da gibt es jede Woche den Bericht des Robert-Koch-Instituts über die Impfdurchbrüche“. Es sei zu beobachten, dass die Impfdurchbrüche zunehmen, berichtet Schroeder, stellt aber die Relation dar: „Jemand, der zu Hause bleibt und einen Impfdurchbruch durch Corona hat, der ist durchaus ganz schön krank in seiner Wahrnehmung.“ Aber schwere Erkrankungen und Todesfälle seien im Krankenhaus zu erleben. „Das heißt, wir sehen die Impfdurchbrüche im Krankenhaus wesentlich seltener, das kann ich ganz klar sagen. Auch bei uns in den Krankenhäusern: Wir haben fast ausschließlich Ungeimpfte bei uns, obwohl ja die Ungeimpften die wesentlich geringere Kohorte sind.“

Coronavirus-Diskussion provoziert die Gretchenfrage: „Wie viele Todesfälle sind denn akzeptabel?“

Moderator Lanz blickt anschließend in die skandinavischen Länder: „In Dänemark ist Corona vorbei.“ Seine Frage: „Mit wie viel Restrisiko sind wir bereit zu leben?“ Schroeder möchte die Debatte angesichts 61 Corona-Toten pro Tag ins Verhältnis setzen, pflichtet Lanz aber auch bei: „Wenn man zum Beispiel mal guckt: Wie viele Leute sind im Straßenverkehr 2020 gestorben? Das waren pro Tag sieben. Trotzdem sagt man: Wir bauen die Autos aber noch sicherer. Manchmal denke ich, das geht so ein bisschen aus dem Verhältnis raus. Aber ich muss Ihnen wirklich Recht geben. Wir müssen die Debatte führen: Wie viele Todesfälle sind denn akzeptabel?“

„Markus Lanz“ - Das Fazit der Sendung

Die „Lanz“-Runde lauscht zu Beginn dem Gespräch zwischen der Virologin Jana Schroeder und Talkmaster Markus Lanz über die aktuelle Corona-Lage. Mit dem Publizist Albrecht von Lucke erörtert der Moderator anschließend die politische Dimension der Pandemie. Im zweiten Teil der Sendung bezieht die Umweltaktivistin Carla Reemtsma Stellung zum Vorwurf, Fridays for Future sei radikal: „Es ist viel radikaler, keinen Klimaschutz zu machen, als Klimaschutz zu machen.“ Die anschließende Umweltschutz-Debatte emotionalisiert die Runde, allen voran den Gastgeber. Die Politikerin Wiebke Winter (CDU) hält sich aus beiden Themen lange heraus, ehe sie erklärt, warum sie den Umbau zur Klimaneutralität behutsamer angehen möchte: „Weil wir sonst die Leute auf dem Weg dahin verlieren.“ *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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