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Wachablösung beim Parteivorsitz

Machtwechsel an der CSU-Spitze: Sanfte Töne aus kratziger Kehle

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Markus Söder und Horst Seehofer.

Machtwechsel in der CSU: Markus Söder übernimmt den Vorsitz von Horst Seehofer. Er verspricht, was man mit ihm bisher selten verband.

München - Der Chef überlässt ungern etwas dem Zufall. Wo immer Markus Söder Abläufe steuern, kontrollieren, inszenieren kann, da macht er es auch. Und dann kommt da diese blöde Erkältung, diese Woche hat sie ihn erwischt. Mit angekratzter Stimme, notfalls mit Nasenspray und Hustensaft, muss er heute eine der wichtigeren Reden seines Lebens halten – die Bewerbung als CSU-Chef.

In der kleinen Olympiahalle in München muss Söder 900 Delegierte überzeugen. Also, rechnerisch würde die Hälfte reichen, politisch wäre ein Ergebnis über 85, vielleicht 90 Prozent aber schon die Messlatte. Vorgänger Horst Seehofer holte 90,3 Prozent im Jahr 2008 und 83,7 Prozent im Jahr 2017.

Kein Selbstläufer für Söder. Er polarisierte immer schon, jetzt lastet (auch) auf seinen Schultern noch das historisch schlechte Wahlergebnis vom Oktober, die 37 CSU-Prozent mit Verlust der absoluten Mehrheit. Ein paar Pünktchen weniger hätten ihn auch das Amt als Ministerpräsident kosten können. Stattdessen bekommt er nun die Doppelrolle als Partei- und Regierungschef, die Liga Strauß-Stoiber-Seehofer.

Jetzt greift aber seine Akribie in der Vorbereitung. Fernab der Öffentlichkeit hat Söder in den vergangenen Wochen viele parteiinterne Skeptiker hinter sich gebracht. Mit, so hört man, unfassbar vielen SMS, mit Telefonaten, oft mit der Bitte um Rat. Der Ehrenvorsitzende Theo Waigel spricht gut von Söder, was nur Edmund Stoiber schon immer tat. Der frühere Landtagspräsident Alois Glück schweigt zumindest. Er hatte seine CSU noch im November eindringlich vor einem Parteichef Söder gewarnt – ein Verzicht auf eine Doppelspitze sei ein „schwerer strategischer Fehler“. Und Christa Stewens, die auf Söders Nominierung als Ministerpräsident vor einem Jahr vor laufenden Kameras die Hand gegen ihn hob, sagt, diesmal sei sie „noch unentschlossen“. Die Ex-Sozialministerin spricht offen über Vorbehalte der Menschen gegenüber Söder („das Unzuverlässige, der Populismus“), erkennt aber an: „Er bemüht sich redlich, dem zu begegnen. Er macht’s nicht schlecht.“

CSU: Der „alte“ Markus Söder wurde geglättet - und tritt dezenter auf

Beinahe irritierend gut reden Manfred Weber in Brüssel, Alexander Dobrindt in Berlin und Söder in Bayern übereinander. Die despektierlichen Spitznamen, die sie sich reihum gaben („Manni“, „Dobsi“, „Ichling“), sind wundersam vergessen.

News-Ticker zum CSU-Parteitag: Seehofer pocht auf Mitspracherecht bei Kanzlerkandidatur

Der Preis: Markus Söder hat den alten Söder – kantig, mitunter grob – geglättet. Seit Oktober tritt der 52-Jährige dezenter auf, spricht von Fehlern und Selbstkritik. „Auf Samtpfoten“, analysierte die ARD-Tagesschau. Söder setzt einen Fokus auf Umweltpolitik, verbal zumindest, und steuert die CSU auf klar proeuropäischen Kurs. Er entschärft den Konflikt mit den Kirchen und verordnet sich eine vorsichtigere Wortwahl bei der Migration. Die Frontlinie zur CDU ist begradigt. Die neue Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer wird in München herzliche Worte finden. Die konservative Saarländerin ist der CSU inhaltlich näher als die pragmatisch-mittige Angela Merkel. „Sie sieht uns als Partner auf Augenhöhe“, lobte Söder diese Woche vor Parteifreunden.

Seine Rede, eigenhändig auf Schmierpapier gekritzelt, trägt den Titel „Zeit für neue Stärke“. Söder will akzentuieren, was er diese Woche im Interview mit unserer Zeitung und bei der Grundsatzrede vor der Fraktion anklingen ließ. Vor allem: der Ruf nach Geschlossenheit, einer neuen Gemeinschaft, „wo jeder sich auf den anderen verlassen kann“. In der CSU stößt er einen Erneuerungsprozess an, mehr Mitsprache der Basis, mehr Ämter für Frauen, weniger Hinterzimmer. Söder dosiert außerdem seine Attacken auf politische Gegner, verspricht „Profil mit Stil“.

Kommentar zum Ende Horst Seehofers als CSU-Chef: Abschied vom Untoten

Der Kurs ist konsensfähig in der CSU. Zweifel beziehen sich eher darauf, ob Söder Geduld und Ruhe dafür aufbringt – keine seiner Kernkompetenzen. Im Jahresrhythmus stehen Wahlen an, im Mai die Europawahl, 2020 die für die CSU sehr wichtige Kommunalwahl, 2021 (spätestens) die Bundestagswahl. Weitere Kurskorrekturen würden ihm schnell einen unsteten Ruf einbringen.

In diesem Oktober muss sich Söder zudem erneut zur Wahl stellen, da setzt der Parteitag turnusgemäß den kompletten Vorstand neu zusammen. Sollte das Ergebnis am heutigen Samstag mau werden, hat er wenigstens bessere Chancen, sich zu steigern.

Christian Deutschländer

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